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Schwangerschaftsabbrüche : Allein mit dem Entschluss

  • -Aktualisiert am

Abtreibungsgegner demonstrieren auch heute noch in weiten Teilen der Welt für härtere Gesetze. Bild: dpa

Frauen, die abtreiben, sprechen meist mit niemanden darüber. Zu groß ist die Angst vor Stigmatisierung, denn der Abbruch einer Schwangerschaft ist ein Tabuthema. Experten sind sich aber einig: Das muss sich ändern.

          Die letzten Tage vor der Abtreibung waren für Ronja Brandt die schwersten. Sie wusste, dass sie das Kind nicht wollte, und war sich sicher, dass ein Schwangerschaftsabbruch für sie der bessere Weg sein würde. Sie fühlte sich noch nicht bereit dazu, Mutter zu werden. Sie war 19 und hatte noch keine abgeschlossene Ausbildung. „Das Schwerste war zu wissen, was da gerade in meinem Bauch ist“, sagt sie rückblickend.

          Fünf Tage vergingen zwischen dem Beratungsgespräch bei Pro Familia und der Operation. Tage, an denen es vielleicht geholfen hätte, gute Freunde um sich zu haben. Aber Brandt, die eigentlich anders heißt, erzählte ihren Freunden nichts von der Schwangerschaft und der bevorstehenden Abtreibung. „In diesen Tagen musste ich einfach allem und jedem aus dem Weg gehen, damit ich ja nicht von meiner Entscheidung abkomme und damit die klar bleibt“, sagt sie. Brandt wusste nicht, ob eine ihrer Freundinnen schon mal eine Abtreibung gehabt hatte. Sie hatten nie darüber gesprochen.

          Abtreibung ist auch der Abschied von einer Möglichkeit

          Die Entscheidung für oder gegen ein Kind ist eine der schwersten Entscheidungen, mit denen eine Frau konfrontiert sein kann. Trotzdem bleiben viele, wie Brandt, mit ihren Gedanken und Sorgen darüber allein. „Ich frage die Frauen oft, wer von ihrer Schwangerschaft weiß“, sagt Heike Pinne, Schwangerschaftskonfliktberaterin bei Pro Familia in Darmstadt. Ganz oft laute die Antwort: „Nur ich.“ Andere zögen nur eine einzige Person ins Vertrauen, den Partner oder die beste Freundin.

          Dass viele Frauen über ihre ungewollte Schwangerschaft und ihre Abtreibung schweigen, kann man unter anderem damit erklären, dass es um etwas sehr Intimes geht. „Wenn man erfährt, dass man schwanger ist, ist man sofort körperlich und seelisch damit konfrontiert, dass die Schwangerschaft mit der Geburt eines Kindes enden wird, wenn sie ,angenommen‘ wird“, betont Ulrike Busch, Professorin für Familienplanung an der Hochschule Merseburg.

          Wenn eine dezidiert ungewollte Schwangerschaft abgebrochen werde, sei das zwar eine Entscheidung für andere wichtige Optionen im Leben. Es sei aber auch eine Art Abschied von einer Möglichkeit, die jetzt nicht gelebt wird. „Die Besonderheit dieses Moments wird gespürt, es ist ein zutiefst persönliches Lebensereignis.“

          In Deutschland immer noch als Straftat definiert

          Doch auch wie Staat und Gesellschaft mit dem Thema umgehen, wirkt sich auf das Empfinden und Verhalten der Frauen aus. Schwangerschaftsabbrüche sind in Deutschland im Strafgesetzbuch geregelt, in Abschnitt 16, Paragraph 218. „Dass Schwangerschaftsabbrüche dort als Straftat behandelt werden, plaziert nach Straftatbeständen wie Mord und Totschlag, ist Ausdruck einer gesellschaftlichen Missbilligung“, sagt Busch. Das werde durchaus gespürt.

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