07.02.2003 · In Futtermitteln eines Thüringer Herstellers sind überhöhte Dioxin-Werte festgestellt worden. Rund 300 Tiere wurden getötet.
In Futtermitteln eines Thüringer Herstellers sind überhöhte Dioxin-Werte festgestellt worden. Nach Angaben des Erfurter Landwirtschaftsministeriums vom Freitag lagen sie um mehr als das Zehnfache über dem zulässigen Grenzwert. Im Fleisch von Schweinen einer belieferten Mastanlage habe der Dioxingehalt um das Doppelte über dem Grenzwert gelegen. Rund 300 Tiere seien getötet worden. Bei weiteren belieferten Betrieben in Thüringen, Sachsen- Anhalt und Bayern sei noch nichts über eine Dioxinbelastung bekannt. Die Bundesregierung meldete die Belastungen an die EU-Kommission in Brüssel.
Die EU-Mitgliedstaaten erhielten die Information auf der Grundlage Schnellwarnsystems für Lebensmittel und Futtermittel, teilte das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft am Abend in Berlin mit. Vorab seien die Behörden in den Niederlanden telefonisch informiert worden, die nach Auskunft der Behörden in Thüringen über 100 Tonnen möglicherweise belastete Futtermittel erhalten haben.
Weg der Futtermittel nachvollzogen
Das Futtermittel-Unternehmen im Kreis Weimarer Land hat nach Angaben des Erfurter Ministeriums zwei Mastbetriebe und drei Mischfutterbetriebe in Thüringen, zwei Tierhalter in Sachsen-Anhalt und einen in Bayern beliefert. Die Futtermittelprobe in dem Betrieb war nach Ministeriumsangaben am 4. Dezember vorigen Jahres genommen worden. Am 15. Januar habe das Ergebnis vorgelegen, bei Nachuntersuchungen sei aber keine Überschreitung von Grenzwerten mehr festgestellt worden. Sachsen-Anhalt sperrte vorsorglich seine betroffenen Mastanlagen.
„Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nie, aber so etwas dürfte nicht passieren“, sagte Thüringens Agrarminister Volker Sklenar (CDU) der dpa. Staatssekretär Stefan Baldus schloss Gesundheitsgefahren aus. Die Konzentration im Fleisch liege noch unter den etwa für Nordseefisch zulässigen Werten, sagte Horst Schubert, Referatsleiter Ernährungswirtschaft im Landwirtschaftsministerium.
Ministreium vermutet Herstellungsmängel
Sklenar sagte, es müsse noch geprüft werden, wieso so viel Zeit zwischen Probenentnahme und dem ersten Ergebnis verstrichen sei. Am 4. Februar hätten die Ergebnisse der Fleischproben aus der seit 15. Januar gesperrten Mastanlage vorgelegen. Der Futtermittelbetrieb habe sofort Auflagen erhalten, sagte Sklenar. Alle Produkte müssten getestet werden. Das Ministerium vermutet Herstellungsmängel in dem Betrieb als Grund.
Nachgewiesen wurde das Dioxin bisher erst im Fleisch eines Thüringer Mastbetriebes. Die übrigen Unternehmen seien erst am Freitag als Empfänger des möglicherweise belasteten Futtermittels bekannt geworden, teilte das Erfurter Ministerium mit.
Dioxine gehören zu den giftigsten Chemikalien. Sie gelten als gefährlich für das Immunsystem und erregen möglicherweise Krebs. Einmal in die Umwelt gelangt, bauen sie sich nur sehr langsam ab und reichern sich deshalb auch im Gewebe von Menschen und Tieren an.
Die EU-Kommission hat im Juli vergangenen Jahres Grenzwerte für Lebensmittel festgelegt. Demnach darf etwa ein Kilo Schweinefleisch nur die Menge Dioxin enthalten, die einem Billionstel Gramm des Seveso-Dioxins entspricht. Pro Tag nimmt ein Mensch nach Angaben des Umweltbundesamtes täglich etwa das 35fache davon auf.