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Gesundheit Volksleiden Rückenschmerz

13.03.2003 ·  Rückenschmerzen sind die zweithäufigste Schmerzart in Deutschland. Grund genug, dieses Leiden beim diesjährigen Deutschen Schmerztages zentral zu behandeln.

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Vom Kreuz mit dem Kreuz können Umfragen zufolge rund die Hälfte der Bundesbürger ein Klagelied singen. Rückenschmerzen zählen zu den am weitesten verbreiteten Erkrankungen im Deutschland - Tendenz steigend. Grund genug, dieses Leiden in den Mittelpunkt des diesjährigen Deutschen Schmerztages zu stellen, der von Donnerstag bis Samstag in Frankfurt am Main stattfindet.

Die derzeitige Behandlungspraxis lasse sehr zu Wünschen übrig, kritisierte am Mittwoch Gerhard Müller-Schwefe von der Deutschen Schmerzgesellschaft: „Patienten bekommen immer noch zu viel Bettruhe statt Bewegung verordnet.“ Rückenschmerzen sind nach Erkenntnissen der Schmerzgesellschaft der häufigste Grund für Krankschreibungen und verantwortlich für rund 40 Prozent aller Rehabilitationsmaßnahmen. Allein ein Fünftel der Frühverrentungen gehe auf das Konto der Volkskrankheit Nummer Eins. Die Kosten für Therapien und Arbeitsausfälle belaufen sich demnach auf gut 16 Milliarden Euro jährlich. Arbeitsausfälle und Rehabilitation machen davon 12,2 Milliarden Euro aus. Kosten für Frührentner sind in diesen Zahlen nicht enthalten. 1998 waren 13,4 Prozent der weiblichen und 16,7 Prozent der männlichen Frührentner wegen Rückenproblemen aus dem Berufsleben ausgeschieden.

Klassische Untersuchungsmethoden zweifelhaft

Dabei sei der Nutzen vieler Behandlungen wie Röntgenuntersuchungen, Computertomogramme oder Kernspinaufnahmen zweifelhaft, kritisierte Müller-Schwefe. Schließlich seien die Knochen der Wirbelsäule nur in den seltensten Fällen die Ursache für Rückenschmerzen. Vielfach würden psychosoziale Faktoren wie Zufriedenheit und Stress am Arbeitsplatz, Depressionen, Ängste und das Gesundheitsbewußtsein der Patienten als Quelle des Leidens unterschätzt, mahnen die Experten.

Die Untersuchung der psychosozialen Faktoren komme in den Arztpraxen viel zu kurz, kritisierten die Schmerzexperten. „Dazu müsste sich der Arzt allein beim ersten Kontakt mindestens eine Stunde Zeit für den Patienten nehmen“, sagte Müller-Schwefe. Reden werde jedoch vom deutschen Gesundheitssystem nicht bezahlt. Die Tatsache, dass nicht einmal ein Drittel der Patienten von den konventionellen Behandlungsmethoden mit Spritzen, Pillen, Krankengymnastik und ständigen Krankschreibungen profitiert, nannte der Experte alarmierend.

Bewegung ist das Beste

Viele Patienten sind für ihre Rückenleiden mitverantwortlich. „Unser Bewegungsapparat ist nicht auf die heutige Bequemlichkeit und das lange Sitzen eingerichtet“, sagte Schmerztherapeut Thomas Nolte. Das beste Gegenmittel ist und bleibe Bewegung und der Spaß daran. Dennoch verordneten Ärzte oft Schonung. „Dabei muss man gerade diese Patienten mobilisieren“, sagte Müller-Schwefe. Wenn die Bewegung schmerzt, solle über den Einsatz von opiumhaltigen Arzneimitteln nachgedacht werden, forderte der Mediziner. „Die Nebenwirkungen sind wesentlich geringer als bei anderen Medikamenten und die Heilungschancen größer.“ Für eine erfolgreiche Behandlung bei chronischen Rückenschmerzen empfehlen die Schmerzexperten eine Kombination aus Medikamenten, Bewegungstherapie, Entspannungsübungen, Verhaltenstraining, Schmerz- und Stressbewältigung aber auch Akkupunktur.

Über 1.800 Wissenschaftler, Ärzte und Psychologen wollen auf dem Deutschen Schmerztag auch über aktuelle Therapien bei anderen Schmerzformen wie Kopfschmerz, Migräne oder Rheuma diskutieren.

Zweithäufigste Schmerzart nach Kopfschmerzen

Rückenbeschwerden sind die zweithäufigste Schmerzart nach Kopfschmerzen. Bei einer Befragung im Jahr 1998 sagten 62 Prozent der Frauen und 56 Prozent der Männer, sie hätten im Vorjahr unter Rückenproblemen gelitten. In den westlichen Industriestaaten leiden Schätzungen zufolge 85 Prozent aller Menschen einmal im Leben an Rückenschmerzen. In 90 Prozent der Fälle vergeht der Schmerz innerhalb von Tagen oder Wochen, bei einem Drittel der Patienten kommt er danach wieder. Bei jeden zehntem Patienten wird der Rückenschmerz chronisch, berichtet der Deutsche Schmerztag. Bei fünf Prozent verläuft die Krankheit sehr kompliziert, diese Fälle verursachen die Hälfte der Gesamtkosten.

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