09.12.2002 · Ein Medikament, das eigentlich eine seltene genetische Funktionsstörung behandelt, wirkt auch als Verhütungsmittel für Männer.
Bei Mäuserichen wirkt das Medikament schon als Verhütungsmittel. Und eigentlich war es für einen ganz anderen Zweck gedacht.
Mit dem Stoff N-butyldeoxynojimycin (NB-DNJ) wurden ursprünglich Menschen behandelt, die unter der genetischen Fehlfunktion Morbus Gauchers leiden. Aarnoud van der Spoel und seine Kollegen von der University of Oxford haben Mäuse sechs Monate mit dem Stoff behandelt - und die Fortpflanzung hörte auf.
Wenig Nebenwirkungen
Sogar bei zehn Mal so geringen Dosen wie zur Behandlung von Morbus Gauchers funktionierte diese Art der Vehütung. Und zwar, ohne das sexuelle Verhalten der Nagetiere zu stören und die Wirkung war reversibel. Nachdem die Forscher aufhörten, das Medikament zu geben, waren die Mäuse wieder unvermindert zeugungsfähig.
NB-DNJ hat im Gegensatz zu hormon-basierten Verhütungsmitteln weniger Nebenwirkungen und auch nicht-hormonelle Verhütungsmittel, die gerade in der Entwicklung sind, stören den Körper mehr. Verhütungsmittel, die mit Hormonen funktionieren, erfordern oft Hormon-Ersatzstoffe, da der Testosteron-Spiegel beeinträchtigt wird. Die Verfahren zur Zulassung sind weiter gediehen als bei anderen Mitteln, da NB-DNJ zur Behandlung für Patienten mit Morbus Gauchers in Europa bereits zugelassen ist.
Wirkung auf die Spermienproduktion
Die Wissenschaftler vermuten, dass NB-DNJ auf den Metabolismus von Zucker-Fett-Verbindungen wirkt, die für die Erzeugung von Spermazellen wichtig sind. Die Spermien von mit dem Medikament behandelten Mäusen wiesen verschiedene Defekte auf. Unter ihnen waren einzelne, die den Schwanz um den Kopf gewickelt hatten und so bewegungsunfähig waren.
Das Medikament hat keinen Effekt auf die weibliche Fruchtbarkeit.