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Gesundheit Mehr als tausend Tonnen Futter mit Dioxin verseucht

14.02.2003 ·  Im Thüringer Dioxinskandal ist die Menge verseuchten Futtermittels weit größer als bislang angenommen. Mehr als tausend Tonnen Futter könnten mit dem hochgiftigen Stoff belastet sein.

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Im Thüringer Dioxinskandal ist die Menge mit Dioxin verseuchten Futtermittels weit größer als bislang angenommen. Wie das thüringische Agrarministerium am Freitag in Erfurt mitteilte, wurden aus dem Trockenwerk Thüringen (TWT) in Apolda zwischen dem 20. November 2002 und dem 31. Januar insgesamt 1188,5 Tonnen Backwerk ausgeliefert. Wie viel davon tatsächlich kontaminiert war, stehe aber noch nicht fest.

Nach Informationen vom Freitag sind deutlich mehr als tausend Tonnen Futter mit dem hochgiftigen Stoff belastet gewesen. Das Landesagrarministerium hatte am Freitag lediglich mitgeteilt, neue Analysen wiesen auf mehr als die bisher benannten 250 Tonnen verseuchten Futtermittels hin. Auch die Zahl der belieferten Betriebe ist unklar. Zwar lägen inzwischen die kompletten Lieferlisten des Apoldaer Unternehmens vor, doch sei das Backwerk teilweise weiterverarbeitet und -verbreitet worden. So seien auch zwei Mischfutterwerke in Sachsen und in Niedersachsen aus Apolda beliefert worden.

Weitere Untersuchungen

Proben aus Chargen, die bisher als unbelastet galten, werden laut Ministerium im Institut Fresenius in Bayreuth untersucht. Die Ergebnisse sollen bis Mittwoch kommender Woche vorliegen. Nach Angaben des Ministeriums weisen aus den Niederlanden übermittelte Tests von Zwiebackbruch aus dem Thüringer Unternehmen ähnliche Werte auf wie das bereits sichergestellte Material. Vermutlich seien weitere Unternehmen in Niedersachsen, Sachsen und Thüringen aus der verseuchten Charge beliefert worden.

Nach Angaben des sächsischen Agrarministeriums sind 22 Unternehmen in Sachsen mit dem verseuchten Futtermittel beliefert worden. In zwei Milchviehbetrieben wurden den Angaben zufolge insgesamt 4,5 Tonnen Futter sichergestellt. Es solle vom Hersteller nach Thüringen zurückgeholt werden. In den anderen Unternehmen seien die Lieferungen dagegen bereits restlos aufgebraucht.

Verschiedene Messergebnisse

In Sachsen-Anhalt ist nach Angaben des Agrarministeriums in Magdeburg an drei Betriebe belastetes Futter ausgeliefert worden. Betroffen sei auch der Schweinezuchtbetrieb, für den in der vergangenen Woche bereits Entwarnung gegeben worden war. Entgegen den im Freistaat durchgeführten Messungen hätten Untersuchungen in Sachsen-Anhalt ergeben, dass das Futter über den Grenzwert hinaus gehende Dioxinspuren aufwies. Das Futter sei mittlerweile vernichtet worden.

In einer ersten Reaktion sagte eine Sprecherin des Bundesverbraucherministeriums in Berlin: „Die Entwicklung erfüllt uns mit Sorge.“ In Futtermitteln eines Thüringer Herstellers waren in den vergangenen Wochen erhöhte Dioxin-Werte festgestellt worden.

Nasse Holzschnitzel als Grund für die Belastung

Die Ursache für die Dioxin-Belastung im Futtermittel war nach bisheriger Darstellung der Thüringer Behörden eine Havarie. Das Unternehmen hat laut Agrarministerium bei der Trocknung entgegen den Vorschriften nasse Holzschnitzel verfeuert und den Brennprozess mehrfach wieder in Gang gesetzt, als das Feuer wegen der Nässe erstickte. Dadurch traten Belastungen zwischen 4 und 13,3 Nanogramm pro Kilogramm Futtermittel auf. Der Grenzwert liegt bei 0,75 Nanogramm.

Dem Betreiber des Futtermittelwerkes ist nach Angaben des Ministeriums der Betrieb der Trocknungsanlage untersagt worden. Das Lieferverbot sei auf die gesamte Produktpalette ausgeweitet worden.

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