18.11.2005 · Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA berichtet vom Tod von zwölf Tamiflu-Patienten und fordert von der Herstellerfirma nähere Informationen. Auch die europäische Arzneimittelbehörde nimmt das Grippemittel unter Beobachtung.
Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat von dem Tamiflu-Hersteller Roche weitere Informationen angefordert, nachdem das Grippemedikament in Zusammenhang mit dem Tod von zwölf Kindern in Japan gebracht worden ist.
Zudem bezeichnete die FDA es am Donnerstag als beunruhigend, daß Kinder in 32 Fällen nach der Einnahme von Tamiflu Halluzinationen gehabt oder sich abnormal verhalten haben sollen. Auch die zwölf Verstorbenen sollen den zumeist aus Japan kommenden Berichten zufolge Tamiflu eingenommen haben, bevor sie starben. Allerdings seien die Berichte hinsichtlich der Todesursache extrem schwierig zu interpretieren, räumte die FDA ein.
“Derzeit können wir keine Verbindung zwischen Tamiflu und dem Tod der Kinder herstellen“, sagte Murray Lumpkin von der FDA. Dennoch sei es sehr wichtig, über die Angelegenheit mit dem FDA-Beratungsausschuß zu sprechen. In den Vereinigten Staaten seien noch keine solchen Fälle beobachtet worden.
Bisher hat Tamiflu alle Sicherheitsprüfungen bestanden
Roche teilte mit, es sei keine Zunahme von Todesfällen oder neuropsychiatrischen Vorfällen bei Tamiflu-Patienten im Vergleich zu anderen Grippe-Patienten feststellbar. “In den vergangenen sechs Jahren wurde Tamiflu breit angewandt und hat dabei die Sicherheitsprüfungen in den Vereinigten Staaten und Japan stets bestanden“, sagte Roche-Sprecher Al Wasilewski. Roche wolle dennoch eine Studie über die Auswirkung von Tamiflu bei kleinen Kindern dem FDA-Beratungsausschuß vorlegen.
Roche-Aktien gerieten kräftig unter Druck. Sie notierten in Zürich um 1,9 Prozent im Minus mit 188,50 Franken. Tamiflu wurde zuletzt für Roche zum wahren Verkaufsschlager, da es als wirksames Medikament gegen die Vogelgrippe gilt. Weltweit decken sich derzeit Staaten und Privatverbraucher mit Tamiflu ein, um gewappnet zu sein, falls sich die vor allem in Asien grassierende Krankheit zu einer Pandemie entwickeln sollte. Vertreter von Roche sowie der FDA kündigten an, am Freitag nähere Informationen zu den strittigen Fällen zu präsentieren.
Europäische Behörde beobachtet Tamiflu nach Selbstmorden
Nach Berichten über zwei Selbstmorde von jugendlichen Patienten beobachtet auch die europäische Arzneimittelbehörde Emea das Anti-Grippe-Medikament Tamiflu auf eventuelle Nebenwirkungen.
Ein 17jähriger habe sich im Februar vergangenen Jahres, ein 14jähriger im Februar dieses Jahres das Leben genommen, teilte die Behörde am Donnerstag mit. In beiden Fällen hätten die Jugendlichen ein „anormales oder gestörtes“ Verhalten an den Tag gelegt. Bisher sei jedoch kein Zusammenhang zwischen dem Verhalten und der Einnahme von Tamiflu hergestellt worden. Oft würden zusammen mit Tamiflu andere Medikamente eingenommen. Außerdem könnten Kinder oder ältere Menschen mit Grippe und Fieber „psychiatrische Symptome“ zeigen.
Tamiflu gehört zu den sogenannten antiviralen Medikamenten, die Grippesymptome und Krankheitsdauer mindern. Ein echtes Gegenmittel gegen die Vogelgrippe ist es nicht. Es reduziert laut Studien bei normaler Grippe die Krankheitsdauer und die Häufigkeit von Komplikationen. Experten gehen davon aus, daß Tamiflu auch gegen den Vogelgrippe-Virus wirkt und die Sterblichkeit bei rechtzeitiger Einnahme deutlich verringern könnte.
Die ganz normale Hysterie
Jan Plaß (yoann)
- 18.11.2005, 09:28 Uhr