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Freitag, 17. Februar 2012
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Gesellschaft Der Friedhof der Zukunft

08.07.2002 ·  Die alten Friedhöfe haben ausgedient. In Baden-Württemberg sucht man nach neuen Möglichkeiten des Trauerns und Erinnerns.

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Eine U-Bahn braust im gläsernen Tunnel durch ein Gräberfeld und verbindet so Leben und Tod. Auf einer Brücke gibt es für Angehörige begehbare Urnenkammern aus Glasbausteinen oder Holz. Was auf dem Meer schon lange möglich ist, soll nun auch in der Luft realisiert werden: Eine Bestattung mit Raketen und Aschenstreuen in 400 Metern Höhe. Für die Teilnehmer des Wettbewerbs „Friedhof der Zukunft“ ist das alles kein Problem.

Im Ideenwettbewerb „Lebe wohl - der letzte Abschied“ haben sich insgesamt 227 Architekten und Ingenieure, Stadtplaner und Designer aus ganz Europa Gedanken zum „Friedhof der Zukunft“ gemacht. Die Ergebnisse waren kürzlich im Stuttgarter Haus der Wirtschaft zu sehen. „Der Tod ist Teil des Lebens, und er ist das Thema der Zukunft“, sagt der Präsident des Landesgewerbeamtes, Friedrich Bullinger.

Friedhöfe müssen unterschiedliche Bedürfnisse erfüllen

Die Wettbewerbsteilnehmer entwickelten eine Vielzahl neuer Bestattungsmöglichkeiten und -orte. Trauerturm oder Lichtgräber, Gedenkräume in der Fußgängerzone oder ein Kaufautomat für Rosen - die Fantasie bei den Konzepten für vier ausgewählte Orte im Stuttgarter Stadtgebiet kennt kaum Grenzen. Friedhofszwang oder geltende Gesetze mussten nicht berücksichtigt werden.

Hintergrund des Wettbewerbs sind neue Anforderungen an die Gestaltung von Friedhöfen und veränderte Bedürfnisse der Trauer. Die architektonische Ästhetik der heutigen Friedhöfe stammt aus dem 18. und 19. Jahrhundert. „Doch die Bestattungskultur befindet sich im Wandel“, betont Bullinger. Damit Friedhöfe von allen Menschen als Orte der Ruhe, der Trauer und des Gedenkens akzeptiert werden, müssen neue Formen gefunden werden.

Nach Ansicht der Wettbewerbsteilnehmer steht nicht mehr allein die letzte Ruhe im Vordergrund, sondern vielmehr das Erinnern. Leben und Tod werde mehr im Zusammenhang gesehen. Auch verlange eine mulitkulturelle Gesellschaft nach einem breit gefächerten Angebot von Bestattungsmöglichkeiten. Ein Jury-Mitglied gibt jedoch zu bedenken, dass vor allem ältere Menschen einige Ideen für pietätlos halten könnten. Die Qual der Wahl hatten die Mitglieder der Jury bei der Preisvergabe. Sie einigten sich schließlich auf drei Künstler, die gemeinsam den ersten Platz belegen.

Mit der U-Bahn durch Grabkammern

Ausgerechnet am Wegekreuz von zwei Bundesstraßen und einer Bahnlinie platziert Ralf Dauwe aus Berlin ein Feld mit Lichtgräbern und einen Urnenturm als deutlich sichtbares Merkmal. Jeder Tote erhält im Dauwe-Konzept eine persönliche Homepage auf der Internetseite des Friedhofs. Wird diese angeklickt, entzündet sich eine Lichtstelle. „Der Tod wird in das Leben gebracht“, erklärt Projektleiterin Judith Schenten. Dauwe berücksichtigt in seinem Konzept aber auch die Bedürfnisse einer mulitkulturellen Gesellschaft. So enthält sein Vorschlag auch konventionelle Bestattungsmöglichkeiten und will eine Brücke zwischen herkömmlicher und neuen Formen eines Begräbnisses schlagen.

Der Preisträger David Bülow-Jacobsen aus Kopenhagen will hingegen den Friedhof in den Alltag der Menschen integrieren. Das vorhandene Tunnelsystem der Stadtbahn von Stuttgart soll in seinem Entwurf erweitert werden. Die U-Bahn soll seiner Vorstellung nach in einem gläsernen Tunnel die Grabkammern durchqueren und damit neue Raumperspektiven entstehen lassen.

Die Hamburgerin Andreia Maria da Cruz Afonso schlägt dagegen eine Art orientalische Totenstadt vor. „Leben und Tod, Freude und Trauer werden hier kombiniert“, erläutert die Landschaftsarchitektin und Jury-Vorsitzende Brigitte Schmelzer. Parzellen werden wie Mini- Schrebergärten bereits zu Lebzeiten gestaltet. Beim Todesfall wird das kleine Grundstück mit Holzlatten zugedeckelt und im Laufe der Trauer wieder offen gelegt. „Menschen werden mit Vertrautem und Ungewissem, Leben und Tod konfrontiert, die Gegensätze werden verbunden“, interpretiert Afonso ihr Konzept.

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