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Geschlossene Eliten : Willkommen im Club

Mensch, ist das locker: Im Berliner Soho-House darf mit Turnschuhen in den Club, Krawattenträger müssen draußen bleiben Bild: Mark Seelen

Lange galten sie in Deutschland als elitär. Heute wollen selbst coole Kreative Mitglied sein. Besuche im jüngsten und im ältesten Club des Landes.

          Clubs also. Stuckdecke, holzgetäfelte Wände, Ohrensessel, Diskretion und nebenbei das ganz große Geschäft. Man kennt das ja aus Filmen und von Besuchen in England und Amerika, den Ländern mit einer Club-Kultur schlechthin. Und Deutschland? Wer hier früher Club sagte, meinte Disko oder Fußball, im Osten auch Zigaretten.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Doch dann, um die Jahrtausendwende, schossen in Berlin Mitgliederclubs wie Pilze aus dem Boden, und Traditionsclubs bekamen auf einmal auch wieder Zulauf, Übersee in Hamburg etwa, oder Düsseldorfer Industrie. Heute sind manche Wartelisten so lang wie die Hilferufe im Internet verzweifelt: Wer bringt mich da rein? Jemand, den das alles nicht wundert, ist Michael Hartmann von der Technischen Universität Darmstadt.

          Abgrenzungsbedürfnis wächst

          Der Soziologe erforscht seit Jahrzehnten Deutschlands Eliten, und sein Befund ist eindeutig: Geschlossene, elitäre Kreise erleben eine Renaissance. „Es geht dort natürlich um Geschäftskontakte, aber gerade auch in den Traditionshäusern um die Erwartung, ein bürgerliches Ambiente neu zu beleben.“ Im Gegensatz zum Ausland, wo Grand Bourgeoisie und Upper Class sich seit jeher unter ihresgleichen treffen, wurde die Clubkultur in Deutschland nach den Weltkriegen jäh unterbrochen. In der heutigen Zeit aber wachse auch hier das Abgrenzungsbedürfnis: Wir hier drinnen, ihr da draußen.

          Aber wie sieht es innen eigentlich aus? Anruf im Düsseldorfer Industrieclub, seit kurzem hundert Jahre alt und vielleicht die Club-Institution in Deutschland. „Schicken Sie doch bitte eine E-Mail“, heißt es. Tags darauf ruft Geschäftsführerin Heidi Schädlich zurück, sie ist freundlich, aber nicht sonderlich begeistert. Zu viel Aufmerksamkeit wolle man nicht.

          Konferenzzimmer des Ruhrpotts: Im Düsseldorfer Industrieclub ist der Herrenschuh noch poliert
          Konferenzzimmer des Ruhrpotts: Im Düsseldorfer Industrieclub ist der Herrenschuh noch poliert : Bild: Schoepal, Edgar

          Aber gut, sie werde sich die Sache überlegen. Nächster Versuch, im Soho-House Berlin, Deutschlands jüngstem Club, der vor gut zwei Jahren seine Türen öffnete. Die Antwort kommt schnell, aus der Clubzentrale in London und per du („Hi Stefan“). Ein Besuch sei kein Problem, die Bedingungen: Keine Mitgliedsnamen, keine Fotos. Thank you so much.

          Schneller Termin also in Berlin. Ein unscheinbares Schild am Eingang, in der Lobby Ledersofas, Kronleuchter, Sichtbeton. „Hi, how are you today?“, erkundigt sich die Garderobiere. Ihr gegenüber hängt ein Hai-Bild, Damian Hirst, der angeblich Kunst macht, hat es am Eröffnungsabend auf den Bauzaun gemalt. Na ja. Das Haus ist eine permanente Baustelle, aber hey, that’s Berlin.

          „Andere Art von Zugehörigkeit“

          Im Keller befinden sich Sauna, Spa und Kino, im ersten Stock schwitzen junge Menschen auf Hantelbänken und Laufbändern, darüber liegen vier Etagen Hotel, das auch Nichtmitgliedern offensteht. Zimmer im englischen Stil mit freistehender Badewanne, Gummiente auf dem Rand. Das Gebäude ist ein Art Haus der Geschichte: Früher residierte hier Wilhelm Pieck, erster Präsident der DDR, danach zog das Institut für Marxismus-Leninismus ein.

          Ganz früher war es Zentrale der Hitlerjugend und davor Kaufhaus eines jüdischen Unternehmers. Heute will der Club an Ort und Stelle „eine entspannte Atmosphäre für kreative Leute“ bieten. „Es geht um eine neue und andere Art von Zugehörigkeit“, sagt Heide Prött, Sprecherin des Hauses. Gut 3.500 Mitglieder habe man derzeit, Frauen und Männer etwa gleich verteilt, Durchschnittsalter Mitte 30. Die Jahresmitgliedschaft kostet 900 Euro; wer jünger als 27 Jahre ist, zahlt die Hälfte. Die Warteliste ist inzwischen länger als die Schlangen vor dem Berghain. Aber warum?

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