In einem Aufsehen erregenden Prozess ist ein Anwaltsehepaar in den USA wegen Mordes und Totschlags verurteilt worden, weil ihre Kampfhunde eine Nachbarin zu Tode gebissen hatten. Nach dem Urteil der Geschworenen am Donnerstag (Ortszeit) in Los Angeles drohen dem Paar langjährige Haftstrafen.
Das Opfer, die 33-jährige Sportlehrerin Dianne Whipple, war vor mehr als einem Jahr von den 50 Kilogramm schweren Hunden angefallen und regelrecht zerfleischt worden. Der vierwöchige Prozess hatte in Kalifornien die Schlagzeilen beherrscht. Es war das erste Mal, dass jemand wegen des Besitzes eines Haustieres in einem Mordfall für schuldig befunden wurde.
Polizeibeamte traumatisiert
Die 46-jährige Besitzerin Marjorie Knoller aus San Francisco war dabei, als die Hunde Bane und Hera, Mischungen aus Dogge und Kampfhund, im Januar vergangenen Jahres die Nachbarin beim Nachhausekommen anfielen. Die Hunde malträtierten ihr Opfer minutenlang. Whipple starb wenige Stunden später im Krankenhaus an den Verletzungen am Hals.
Die grässlichen Umstände hatten weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Am Tatort bot sich der Polizei ein so schreckliches Bild, dass die traumatisierten Beamten psychologische Betreuung brauchten. Das Ehepaar hatte die Hunde nach der Tat zunächst in Schutz genommen und dem Opfer die Schuld gegeben. Whipple habe möglicherweise durch ihr Parfüm oder durch das Einnehmen von Anabolika die Tiere zum Angriff provoziert.
Die Aggressivität der Tiere war bekannt
In dem mehrwöchigen Prozess um den tödlichen Angriff der beiden Kampfhunde auf die junge Sportlehrerin wurden der Jury Großaufnahmen des blutüberströmten Opfers und grausige Einzelheiten des Vorfalls vorgeführt. Die Anklage verglich die Hunde, Kreuzungen aus Mastiff und Presa Canario, mit einer „Zeitbombe“. Die Besitzer, ein Anwaltsehepaar, seien sich ihrer „gefährlichen Waffe“ bewusst gewesen. Zahlreiche Zeugen berichteten von wiederholten Zwischenfällen mit den aggressiven Hunden. Die etwa 60 Zentimeter großen Tiere wurden inzwischen getötet.
Die Jury fand Knoller des Mordes, der fahrlässigen Tötung und des Besitzes von gefährlichen Hunden für schuldig. Ihr droht eine Gefängnisstrafe zwischen 15 Jahren und lebenslänglich. Der 60-jährige Ehemann Robert Noel, der zum Zeitpunkt der Tat nicht anwesend war, wurde wegen fahrlässiger Tötung und des Besitzes von gefährlichen Hunden verurteilt. Er muss zwischen zwei und vier Jahren hinter Gitter.
Hunde gehörten inhaftierten Neonazis
Das Anwaltspaar hatte die beiden Hunde von zwei Neonazis übernommen, die derzeit in einem Hochsicherheitsgefängnis in San Francisco einsitzen. Einen der beiden, Mitglied der „Arischen Bruderschaft“, hatte das Ehepaar als Anwälte verteidigt und adoptiert. Er soll nach Angaben der Justiz Kampfhunde gezüchtet haben, um sie an mexikanische Drogenhändler zu verkaufen.
Wegen der aufgeheizten Stimmung in San Francisco war der Prozess nach Los Angeles verlegt worden. Der Prozess hatte vor allem bei Homosexuellen in San Francisco für Empörung gesorgt, da die getötete Nachbarin lesbisch war. Nach Angaben der Verteidigung erhielt das Ehepaar während der Untersuchungshaft mehr als 300 Drohanrufe, 20 Mal sei es mit dem Tod bedroht worden.