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George R. R. Martin Der Thronfolger

 ·  Millionen Fans sehen in ihm den Tolkien unserer Zeit: Fantasy-Autor George R. R. Martin, Schöpfer der Saga „Das Lied von Eis und Feuer“. Könnte der Mann doch nur etwas schneller schreiben. Ein Hausbesuch in Santa Fe.

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Wenn so das tägliche Brot von George R. R. Martin aussieht, ist die Sorge von Millionen Menschen um seine Gesundheit absolut begründet. Einen Teller „Chiles Rellenos“ stellt die Kellnerin dem Schriftsteller hin: dicke grüne Paprika mit viel fettigem Käse und Hackfleisch gefüllt und mit schön viel Öl im Ofen gebacken. It’s not actually good for you, weiß auch Martin, 64. But it’s so good.

Es könnte der Welt gleichgültig sein, wie viele frittierte Käse-Paprikas sich der leicht übergewichtige Amerikaner im schummrigen mexikanischen Lokal „Maria’s“ in Santa Fe, New Mexiko, genehmigt. Aber um die Fitness von George Raymond Richard Martin sorgen sich Millionen Spanier, Japaner, Deutsche, Polen und Isländer. Amerikaner sowieso.

Denn dieser Mann darf nicht verschwinden, bevor er seinen Lesern erzählen konnte, wie die Geschichte endet. „Das Lied von Eis und Feuer“ heißt das monumentale Epos, an dem Martin seit zwei Jahrzehnten schreibt. Fünf Bücher der Fantasy-Saga über mittelalterliche Clans und ihre Fehden sind schon erschienen. Das Epos über den Machtkampf um den Eisenthron der Sieben Königreiche von Westeros hat Martin schätzungsweise 15 Millionen Dollar und eine sektenähnliche Anhängerschaft in aller Welt eingebracht. Als „amerikanischen Tolkien“ feiert ihn „Time“ und setzte ihn auf die Liste der 100 einflussreichsten Menschen der Welt.

Er hatte immer seine Fans

George Martin hatte immer seine Fans, die ersten gewann er als Junge im Arbeiterviertel von Bayonne, New Jersey, wo er Nachbarskindern für ein paar Cent Stories über geheimnisvolle Morde unter seinen Schildkröten verkaufte. In den siebziger Jahren war Martin ein Geheimtipp für Fantasy-Fans, von den Achtzigern an eine Berühmtheit der Szene und zur Jahrtausendwende Bestseller-Autor. Aber seit der Sender HBO seine Bücher unter dem Titel „Game of Thrones“ opulent verfilmt, wird es aberwitzig.

Allein in Amerika schalteten vier Millionen Menschen jede Woche die zweite Staffel von „Game of Thrones“ ein - und jede Folge wurde vier Millionen Mal illegal im Netz heruntergeladen. 15 Millionen Bücher hat Martin verkauft, in 40 Sprachen wurde er übersetzt. Und das Epos um die ehrbare Familie Stark, um die schöne, aber beinharte Prinzessin Daenerys Sturmtochter und ihre Drachen, um den gewitzten Zwerg Tyrion Lennister und die blutigen Fehden zwischen Lors, Rittern und Untoten ist längst nicht vorbei. Zwei Bücher fehlen. Die Auflösung fehlt.

Rauschebart und Hosenträger

Erst mal lässt sich Martin die Brötchen für daheim einpacken, „Sopapillas“: frittierte Hefeteigtaschen. Dann stapft er in die Novembersonne, auf den Parkplatz des „Maria’s“. Mit dem weißen Rauschebart, der schwarzen Kappe und den Hosenträgern über seinem Bauch könnte man ihn für den vorzeitig angereisten Weihnachtsmann halten. Aber immer mehr Menschen denken bei diesem Anblick nicht an Santa Claus, sondern an - „Moment, das ist ja . . . Sind Sie nicht . . .?!“ Richtig. Genau der.

Wir steigen ins Auto und fahren über Santa Fes Hauptstraße in Martins Büro. Die Alameda Street ist rechts und links gesäumt von gedrungenen Häusern mit brauner Fassade, wie Reihen von Schuhkartons. „Der Baustil heißt Pueblo Style“, erklärt Martin. „Seit den dreißiger Jahren gesetzlich vorgeschrieben. Deshalb darf meine Bibliothek nur ein Obergeschoss haben. Ich nenne sie Bücher-Turm. Aber es ist ein mickriger Turm.“

Seit Jahrzehnten zieht Santa Fe Literaten, Maler und Schauspieler an. Um den Marktplatz stehen Galerien und Museen dicht an dicht. Zach Condon, 26 und Sänger der Band Beirut, fühlt sich hier ebenso wohl wie Cormac McCarthy, 80, Autor von „No Country for Old Men“, oder Schauspieler Gene Hackman.

Touristen sterben - Hehehe!

George Martin entdeckte das malerisch von einer Gebirgskette eingerahmte Santa Fe 1978, auf der Durchreise zu einem Science-Fiction-Treffen in Phoenix. „Viele Touristen kommen hierher, um in den Bergen zu wandern“, erzählt der Autor vom Vordersitz aus. „Manche machen sich nicht klar, dass sie hier 2000 Meter über dem Meeresspiegel herumspazieren. Oder sie vergessen es.“ Der Wagen biegt in Martins Straße ein und hält vor dem Büro. „Die Touristen wandern also los, ohne große Wasservorräte“, erzählt der Schriftsteller weiter, während er sich aus dem Auto wuchtet. „Tja, und dann. . . dann sterben sie!“ Die Vorstellung lässt ihn kichern. Hehehe!

Nie würde der Mann, der von sich sagt, er werfe giftige Spinnen lieber aus dem Fenster, statt sie zu töten, unschuldigen Touristen ein Leid wünschen. Aber wenn Menschen Dummheiten machen, sterben sie eben auch mal. Das haben Leser von „Das Lied von Eis und Feuer“ wahrlich verstanden. Das Mittelalter, lehrt George Martin, ist nichts für Weicheier und leider gar nichts für die Gerechten. Selber schuld, wenn du mit offenem Visier kämpfst. Der Feind wird dir einen Dolch ins Auge rammen. Dann hackt er deinen Kopf ab und nagelt ihn vor den Augen deiner Kinder an die Burgmauer. So, das hast du von deiner Ehre.

So ergeht es Eddard Stark, einem von Martins Helden. Der sympathische Lord überlebt nur das erste Buch der Serie. Als rechte Hand des Herrschers über die Sieben Königreiche deckt Eddard eine Intrige aus Inzest und Meuchelmord am Hof auf. Ehrlich, wie er ist, stellt er die Schuldigen zur Rede. Böser Fehler: Er verliert seinen Kopf.

“Wie wär’s mit Kaffee?“ Martin lässt sich in den Ledersessel im Erdgeschoss des Bücher-Turms fallen. Die Wände der Bibliothek säumen Vitrinen mit Hunderten von Ritter-Figürchen, die er sammelt.

***

Was fasziniert Sie an Rittern?

Ich liebe die bunten Rüstungen und Fahnen. Heute zieht ja jede Armee einheitlich uniformiert in den Krieg. Im Mittelalter dagegen hatte jedes Haus eigene Farben und Symbole und war mächtig stolz drauf: „Hier komm ich, Ritter Bill, und mein Symbol ist die Ziege!“

Ein Leichtgewicht wie Bill würde bei Ihnen nicht lang überleben.

Genau, er verblutet im Matsch! Nein, Bill hat es besser als die meisten: Er trägt eine Rüstung. Mittelalterliche Kämpfer waren ja meist Bauern, die ihr Herr direkt vom Acker holte. Jeder kriegte einen Stock, und los ging’s in den Krieg.

Fällt es Ihnen leicht, Ihre Helden zu töten?

Oh nein. Zwar habe ich ihr Schicksal von Anfang an geplant. Aber sie sind eben alle meine Kinder, so schrullig das klingt. Besonders hart war die „Red Wedding“.

Die Hochzeit wird zum Massaker, da die Opfer im Vertrauen auf ihr Gastrecht unbewaffnet kommen.

Das Härteste, was ich je geschrieben habe. Ich habe die Szene vor mir hergeschoben, bis das Buch fertig war. Aber Ehrlichkeit gegenüber dem Leser verbietet es, dass ein Ritter zwanzig Feinde schlägt. Das schafft nur Indiana Jones, und jeder weiß, sein Sieg ist nicht echt. Meine Stories sollen echt sein.

Sie waren Kriegsdienstverweigerer. Wollen Sie Ihre Leser auch gegen den Krieg einstimmen?

Ich finde, Autoren haben wie alle Menschen die moralische Pflicht, die Welt besser zu machen. Dazu gehört, die Schrecken eines Krieges ehrlich zu schildern. Aber zur Klarstellung: Ich bin kein absoluter Pazifist. Als ich verweigerte, fragte man mich: „Wärst du auch gegen Gewalt, wenn Nazis deine Familie töten?“ Da habe ich ehrlich geantwortet, dass es auch gerechte Kriege gibt. Im Zweiten Weltkrieg hätte ich wohl mitgekämpft. Aber nicht in Vietnam.

Sind Kriege heute humaner?

Nein. Erfindungen wie Drohnen lassen unsere Hände sauber aussehen. Aber irgendwer blutet in Afghanistan, wenn wir hier auf den Knopf drücken. Meine Helden, die Starks, richten ihre zum Tode Verurteilten wenigstens selbst hin. Ich muss nicht mal das Tier töten, dessen Fleisch ich esse. Müsste ich erst einem Huhn den Hals umdrehen, wäre ich wohl Vegetarier.

***

Die Bücher von George R. R. Martin werden oft beschrieben als Fantasy für Leser, die keine Fantasy mögen. Das passt. Klar, es fliegen Drachen durchs Bild, rote Priester betreiben schwarze Magie, bleiche Zombies schleichen durch verschneite Wälder. ANTWORT: „Aber das ist nur Kulisse“, predigt Martin bei jeder Gelegenheit, auch jetzt. „Das Lebenselixier jeder Geschichte sind die Menschen, die darin handeln. Wenn ihre Gelüste und Konflikte den Leser berühren, ist es egal, ob ihr Schicksal in einem Raumschiff, einem Büro oder einem Schloss besiegelt wird.“

Das unterscheidet Martin von John R. R. Tolkien: Tolkiens Bücher werden in 3D verfilmt. Martin schreibt in 3D. Tolkien lässt Gut gegen Böse antreten, Martin schickt echte Menschen in die Schlacht, mit unklaren Zielen und Loyalitäten; Menschen, die grobe Fehler begehen, aber fähig sind, sich zu ändern. Ihr Verhalten überrascht, amüsiert, empört, rührt. Und ständig läuft alles anders als gedacht.

So lässt es sich nicht regieren

So entwickelt sich Drogo, Chef einer Reiterhorde, nach einigen Kommunikationsproblemen zum liebevollen Gatten seiner zwangsverheirateten Braut Daenerys. Diese wiederum besitzt eine Art Massenvernichtungswaffe: drei lebende Drachen. Aber die Viecher sind erst zu schwach und dann nicht zu bändigen - so lässt es sich nicht regieren. Und es gibt - Achtung, spoiler alert, hier wird was verraten! - den arroganten Pinkel Jamie Lennister, der erst nur durch Inzest mit seiner Schwester und eine flinke Schwerthand auffällt. Doch als ihm Vagabunden diese Hand abtrennen, lernt sogar Jamie Demut.

Diese Wendungen erfindet Martin in einem verdunkelten Raum im vorderen Teil seines Büro-Schuhkartons. Eine Falttür trennt ihn von seinem Team, dessen wichtigste Aufgabe darin besteht, ihm Ruhe zu verschaffen - und ihn zu bekochen, wenn er daheim isst, und zwar mit gesundem Essen, betont Assistent Ty Franck. Der 41 Jahre alte Franck, der einen brauner Pferdeschwanz trägt, ist selbst Science-Fiction-Autor; zu Martin kam er 2001 für ein bisschen Sekretariat, etwas Buchhaltung, solche Dinge. „Der Job ist mit Georges Erfolg gewachsen“, sagt Ty.

Drei Assistentinnen

Heute zwängen sich drei Assistenten mit ihren Laptops in einen Raum, zwischen Aktenordner, Kartons mit Büchern, Kalendern und Leserpost. An den Wänden hängen Bilder, die Fans zur Serie gemalt haben - kein Krickelkrakel, sondern Kunst, die andere Fans massenhaft kaufen.

Früher war George Martin selbst ein Fan, der zu Sci-Fi-Conventions fuhr, um seine Lieblingsautoren zu sehen und Mädels zu treffen - alle seine Beziehungen begannen auf „Cons“. Im Hotelzimmer hielt er Buch-Partys ab und verkaufte seine Frühwerke, dazu gab es Bier, gekühlt in der Badewanne.

Wenn Martin jetzt zum Science-Fiction-Treff Worldcon fährt, lotst Ty ihn durch die Hintertür in riesige Hallen und stemmt sich gegen die Fan-Meute, die den Meister vor Liebe fast erdrückt. Mag der Millionär noch im selben Haus leben wie vor zwanzig Jahren, im selben Büro arbeiten, dieselben zerknitterten Hemden tragen, dasselbe beige Mazda RX 7 Cabrio fahren (Kennzeichen: „GRRM“) - es hilft nichts, er ist ein Star. Würde nicht sein Assistent regeln, wen Martin trifft, wohin er reist, welche Cover-Entwürfe in Frage kommen, die Fans müssten ewig auf das Ende ihrer Story warten.

Sechs Jahre Wartezeit auf Band fünf

Dass manche ein wenig bangen, ist verständlich. Das fünfte Buch der Serie kam nach sechs Jahren Wartezeit. Das ist jetzt anderthalb Jahre her. Langmütige trösten sich, dass es noch genug zu entdecken gibt in den bisherigen Bänden mit ihren drei Erzählsträngen und einem Personenregister, das 50 Seiten füllt. Versteckte Botschaften, falsche Fährten, verräterische Nebensätze streut Martin durch die Werke. Sie verwirren und regen die Phantasie an.

Im größten Fan-Forum westeros.org diskutieren Leute, die die Bände fünf Mal gelesen haben, über Martins Frauenbild und über die Frage, wie emanzipiert die brave Sansa Stark ist. Libertäre entdecken in den Büchern Warnungen vor Zentralismus und der unheilvollen Macht der Religion. Historiker entschlüsseln, dass sich hinter der untergegangenen Stadt Valyria Rom verbirgt, dass die gewaltige Eismauer im Norden des Reichs Westeros wohl den Hadrianswall symbolisiert und die Reiterhorde der Dothraki Mongolen sein müssen.

Künstler mit der treuesten Fangemeinde

Kürzlich wählte ein Online-Magazin George Martin zum Künstler mit der treuesten Fangemeinde der Welt - vor Lady Gaga, Justin Bieber oder Harry Potter. Warum? Die Eis-und-Feuer-Serie sei eben nicht auserzählt. „Sie wird ihre machtvolle Sogwirkung noch über Jahre entfalten.“

In der Tat, am meisten quält die rund 50 000 Diskutanten auf westeros.org, wie, verdammt noch mal, die Story endet. Wird der Bastard Jon Schnee die Sieben Königreiche geeint in den Kampf gegen die Zombies, die „Anderen“, führen? Lebt er überhaupt noch? Fliegt die toughe Daenerys auf dem Rücken ihres Drachen Drogon heim aus dem Exil, um den Mördern ihres Vaters Dampf zu machen?

Wenn verzweifelte Bücher-Junkies auf George Martins Blog gehen, erfahren sie, wie erschöpft der Mann ist. „Hier türmt sich einfach zu viel Mist auf“, klagt er resigniert. „Wenn ich nur in mein Büro gehe nach einer Reise, rast mein Stresslevel in die Höhe.“ Aber die Fans finden im Blog auch launige Abhandlungen über Martins Lieblings-Footballteam, die New York Jets. Sie erfahren, dass ihr Held durch Spanien tourt, dass er nach Feierabend seine, nein, ihre! Zeit mit Fernsehserien wie „Lost“ verplempert. Da wird manch einer zum Wutleser, zum „GRRuMbler“, wie diese Fans in Anlehnung an Martins Initialen heißen (die er sich nicht in Gedanken an Tolkien zugelegt haben will, sondern zur Abgrenzung von anderen George Martins wie dem Beatles-Arrangeur). In Grummel-Foren wüten sie gegen den Mann, dessen Werk sie doch so lieben.

***

 Verstehen Sie den Frust der Fans?

Ich verstehe sie bis zu einem gewissen Grad, denn ich war und bin selbst ein Fan. Es berührt mich, dass meine Bücher solche Gefühle auslösen. Deshalb versuche ich auch immer, nett zu sein, wenn mich Fremde ansprechen, auch wenn sie mich aus sehr privaten Situationen reißen. Wir stecken da eben alle gemeinsam drin.

Binden Sie die Leute doch mehr in die Entstehung des Buchs ein!

Ich finde nicht, dass Kunst eine Demokratieform ist, an der die Konsumenten beteiligt werden sollen. Ich bin kein Hollywood-Produzent, der auf Zielgruppen hören muss. So lieb mir die Fans sind, ich will meinen Schaffensprozess nicht fernsteuern lassen.

Sind Sie zu perfektionistisch?

Mag sein. Aber ich kann nicht anders. Ich ärgere mich schon über Details in meinen Büchern, die ich heute anders schreiben würde.

Zum Beispiel?

Ich würde den Zwerg Tyrion in seinem ersten Auftritt nicht mehr wie einen Zirkusclown mit einem Salto hereinhüpfen lassen. Damals sah ich seinen Charakter anders. In einer perfekten Welt hätte ich die Serie in einem Paket fix und fertig an den Verlag geschickt. Aber hätte ich das gemacht, wäre ich mit 40 untergetaucht und würde mit 70 wiederauftauchen: Hey Leute, ich bin’s, kauft meine Bücher! Ich wette, da wären Sie nicht den ganzen Weg aus Frankfurt gekommen.

Sind die Bücher in Ihrem Kopf fertig?

Die groben Linien. Das Ende. Der Rest kommt beim Schreiben.

Wie sieht ein Schreibe-Tag aus?

Ich bin kein Frühaufsteher. Gegen 11 Uhr lese ich Mails, schaue, was in der Welt passiert, poste in meinem Blog. Nach dem Lunch wechsele ich den Computer - ich schreibe die Bücher auf einem Rechner ohne Internet, nur mit DOS-Programm. So kriege ich keine Viren und keine nervigen Korrekturvorschläge, wie man „Daenerys“ schreiben soll. Ich arbeite bis zum Dinner, dann sehen wir meist fern. Später arbeite ich oft noch weiter.

Träumen Sie von Westeros?

Ich denke im Bett über die Bücher nach, bevor ich einschlafe. Aber ich träume nie davon - nur tagsüber. Auf langen Autofahrten höre ich oft die Stimmen meiner Helden.

Wie denken Sie sich in 30 verschiedene Erzähler hinein?

Ich muss mich gedulden, bis ich ihre Stimme höre. Tyrion oder Daenerys kenne ich gut, ihre Kapitel fließen oft nur so raus. Schwieriger sind die Wünsche und Ängste eines Kindes wie Bran Stark oder eines Kämpfers wie Victarion Graufreud. Der ist nicht gerade das schärfste Schwert in der Waffenkammer, wenn Sie verstehen, was ich meine.

Bereuen Sie jetzt, dass Sie nicht einen allwissenden Erzähler haben?

Nein, die habe ich nie gemocht, sie sind unrealistisch. Jeder Mensch sieht das Leben anders. Stellen Sie sich vor, jetzt käme hinter meinem Sessel ein Kerl mit einem Messer angeschlichen. Warnen Sie mich? Oder halten Sie still? Nur Sie wissen, warum. An der Decke schwebt kein allwissender Geist, der Ihre Gedanken liest und der Welt erklären kann, was hier in meinen letzten Minuten auf der Erde geschah.

Kennt jemand das Ende der Serie?

Nun, ich spiele meinem Assistenten Ty manchmal Bälle zu. Auch an meiner Frau Parris teste ich Ideen. Manche Kapitel schicke ich Freunden, die sich mit Militärgeschichte und Schwertkampf auskennen. Aber letztlich bin ich doch alleine damit.

In Deutschland ist „Das Lied von Eis und Feuer“ bei Blanvalet und Penhaligon erschienen, in bisher zehn Bänden, je zwischen 13 und 16 Euro.

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Jahrgang 1978, Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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