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George Harrison : Immer schwarz und weiß

George Harrison in seinen späten Beatles-Tagen Bild: Harrison Family

Was für ein Mensch war der frühere Beatle George Harrison, der vor zehn Jahren starb? Antworten geben ein Film von Scorsese, eine neue Biographie und seine Witwe Olivia.

          Der Tag, an dem Dhani Harrison erfuhr, dass er der Sohn eines früheren Beatle war, verlief für die Familie nicht sehr angenehm. Bis dahin hatte der kleine Dhani geglaubt, sein Vater, den er so oft beim Bäumepflanzen sah, sei Gärtner. Die Beatles hielt er für eine Cartoon-Band wegen des Zeichentrickfilms "Yellow Submarine". Dann kam Dhani eines Tages ganz aufgebracht von der Schule zurück: Der Musiklehrer hatte ihnen ein Beatles-Lied vorgespielt, und Dhani "fand es furchtbar", erinnert sich seine Mutter Olivia. Der esoterikbegeisterte Lehrer hatte einen psychedelischen Song gewählt, vermutlich - wie sie glaubt - Georges indisch angehauchtes "Within You, Without You" vom "Sgt. Pepper"-Album, "ein recht abstrakter Song für einen Sechsjährigen". Sie hätten dann zu Dhani gesagt: "Du musst auch die andere Musik hören."

          Die Pilzköpfe im Jahr 1965 (v.l.): Paul McCartney, George Harrison, John Lennon und Ringo Starr, mit den Orden «Member of the Order of the British Empire» Bilderstrecke
          Die Pilzköpfe im Jahr 1965 (v.l.): Paul McCartney, George Harrison, John Lennon und Ringo Starr, mit den Orden «Member of the Order of the British Empire» :
          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Erfahrung, die sein eigener Sohn als Kind machte, ließe sich auf viele andere übertragen: George Harrisons Werk, mehr noch aber sein Wesen waren nicht leicht zu ergründen. Die Etiketten, die man ihm in Beatles-Tagen verpasst hatte - "Der stille Beatle", "Der dritte Mann" im Schatten der Frontschweine Lennon/McCartney -, hafteten nicht grundlos an ihm, verdeckten jedoch eine facettenreiche, widersprüchliche Persönlichkeit. Deren Konturen werden nun, da sich Harrisons Todestag zum zehnten Mal jährt, etwas klarer. Zu verdanken ist dies einem opulenten Bildband mit vielen privaten Aufnahmen, den seine Witwe herausgebracht hat, und einer Dokumentation, die bei uns demnächst als DVD erscheint. Es zeugt von der Wertschätzung, welche die ewige Nummer drei der Beatles längst erfährt, dass kein Geringerer als Martin Scorsese sie gedreht hat, und von der Komplexität ihres Gegenstands, dass sie satte dreieinhalb Stunden dauert - und doch nicht alle Fragen beantwortet.

          In Henley-on-Thames, gut fünfzig Kilometer westlich von London, hat Harrison drei Jahrzehnte gelebt; seine Spuren findet man auf den ersten Blick nicht. Dass das erste Restaurant, das man auf dem Weg vom Bahnhof passiert, Speisen aus Indien und Bangladesch anbietet, dass aus dem Pub an der Ecke gerade "Livin' Thing" vom Electric Light Orchestra des Harrison-Buddys Jeff Lynne tönt: Selbst wenn man, inspiriert vom tiefgläubigen Harrison, nach Zeichen sucht, muss man das für Zufall halten. Einzig ein Foto Harrisons im örtlichen Kino, für dessen Erhalt er sich eingesetzt hatte, verweist auf den prominentesten ehemaligen Einwohner des herausgeputzten Themse-Städtchens, das berühmt ist für seine Ruderregatta. Hollywood-on-Thames wird die Gemeinde auch genannt, doch statt flanierender Stars sieht man junge Menschen umherwetzen, die sich aufs nächste Rennen vorbereiten.

          Der Wahnsinn der Beatlemania

          Der Weg zum Friar Park führt einen Hügel empor und endet am Tor eines steilen, von Stacheldraht gekrönten Gitterzauns. "Private", verkündet ein Schild. Des Wahnsinns der Beatlemania noch früher müde als seine Mitspieler, hätte Harrison für den Rückzug ins Private keinen besseren Ort finden können als Friar Park: eine von einem exzentrischen Millionär angelegte gigantische Gartenanlage mit neogotischem Herrenhaus. Harrison hatte es 1970 erworben und sich seiner Renovierung und dem verwunschenen Garten gewidmet.

          Olivia Harrison hat zum Gespräch in den Salon eines Ruderclubs geladen. Die Sekretärin einer Plattenfirma lernte George kennen, als sie 25 war, und zog aus ihrer kalifornischen Heimat nach Henley. "George hat es mir sehr einfach gemacht, wir führten anfangs ein sehr ruhiges Leben", erzählt sie. "Er hat mich beschützt vor seiner früheren Welt, aus der er sich herausziehen wollte." Natürlich habe er ab und an von den Beatles erzählt, aber eben so, wie man von seinem früheren Leben spricht - "was in seinem Fall eines bei den Beatles war". Engen Kontakt hatten die Bandkollegen nicht mehr, obwohl sie geschäftlich verbunden waren; das führte häufiger zu Streit. Einmal, so Olivia, habe George ihr gesagt: "Wie würdest du dich fühlen, wenn du die Mädchen, mit denen du in der Schule Basketball gespielt hast, bis heute um dich herum hättest? So ist es."

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