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Staatliche Weingüter Hoheitliche Kellerarbeit

 ·  Sechs Bundesländer leisten sich eigene Weinbaubetriebe. In die Bestenlisten schaffen es nur wenige von ihnen. Manche sind erst nach der Privatisierung aufgeblüht.

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© Kretzer, Michael Vergrößern Der Hospitalbau im Kloster Eberbach, der als Weinkeller dient, gehört zu den hessischen Staatsweingütern.

Wenn Dieter Greiner seine unterirdischen Kammern öffnet, werden selbst die erfahrensten Schatzsucher sentimental. Drei Jahre ist es her, da lud der Geschäftsführer der Hessischen Staatsweingüter einige der angesehensten Weinkritiker der Welt ins Refektorium von Kloster Eberbach im Rheingau. An zwei Tagen ließ er hundert Jahrgänge Riesling entkorken - vom frischen 2009er bis zur ehrwürdigen 1846er Steinberger Auslese. Noch heute schwärmen die Geladenen von einem „weinhistorischen Moment“.

Auch für Greiner war die Jahrhundertprobe einzigartig. Im kleineren Rahmen erlebt er solche Momente aber immer wieder, das nächste Mal in ein paar Wochen beim Rheingau-Gourmet-Festival. Dort wird er bei einem „Weltraritäten-Dinner“ wieder einige Schätze aus dem Eberbacher Keller ausschenken: Spätlesen, Auslesen, Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen aus dem hochgelobten Jahrgang 1953.

Das wird nicht nur die zahlungskräftigen Gäste, die immerhin jeweils 1350 Euro für den Abend hinblättern, begeistern. Es festigt vor allem den Ruf von Greiners Arbeitgeber als Weingut von Weltruf - eine Werbebotschaft, die für die Staatsweingüter von besonderer Bedeutung ist. Denn sie sind mit rund 250 Hektar Anbaufläche nicht nur der größte Weinbaubetrieb Deutschlands, sondern auch im Besitz des Landes Hessen - was von vielen Seiten immer wieder kritisiert und in Frage gestellt wird.

Es gibt mehr als ein Dutzend staatliche Weingüter

Der einzigartige Raritätenkeller hin, die bei Experten wohlgelittenen aktuellen Jahrgänge her - die zentrale Frage der Kritiker lautet: Warum muss ein Bundesland in eigener Regie Wein produzieren? Nicht wenige im Land und vor allem im Rheingau, in dem Kloster Eberbach die Keimzelle des Weinanbaus war, fordern in regelmäßigen Abständen die Privatisierung der Hessischen Staatsweingüter, zu denen insgesamt sechs einzelne Domänen im Rheingau und an der Hessischen Bergstraße gehören.

Dabei ist die Landesregierung in Wiesbaden längst nicht die einzige, die sich ein eigenes Weingut leistet. Auch alle anderen Bundesländer, in denen Reben angebaut werden, keltern ihre eigenen, staatlichen Tropfen, von Rheinland-Pfalz (Weinbaudomänen Oppenheim und Trier sowie Staatsweingüter Bernkastel-Kues, Neustadt und Bad Kreuznach) über Baden-Württemberg (Staatsweingüter Weinsberg, Freiburg, Meersburg und Karlsruhe-Durlach) und Bayern (Hofkeller Würzburg) bis zu Sachsen (Schloss Wackerbarth) und Sachsen-Anhalt (Kloster Pforta).

Es sind mehr als ein Dutzend Weinmacher, die in hoheitlichem Auftrag trockenen Riesling, süffigen Müller-Thurgau, vollmundigen Lemberger oder feinen Spätburgunder keltern. Einige gelten allgemein als gute und solide Erzeuger. In den regelmäßig in Magazinen und Führern veröffentlichten Bestenlisten tauchen allerdings nur die wenigsten von ihnen auf. Die meisten Staatswinzer schlagen sich kaum besser als das Gros der zahllosen Genossenschaften in den 13 deutschen Anbaugebieten. Sonderlich erfreut sind die privaten Produzenten über die mit Steuergeld finanzierte Konkurrenz dennoch nicht.

Manchmal hilft die Privatisierung

Staatliche Weinbaudomänen haben in Deutschland eine lange Tradition. Schon Karl der Große ließ um das Jahr 800 eigene Güter einrichten. Manche der heutigen Betriebe gehen auf die Säkularisierung von Kirchenbesitz im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert zurück, andere wurden später als Muster- und Lehrweingüter etabliert, um moderne Produktionsmethoden in der Winzerschaft zu verbreiten.

Noch heute werden die meisten Staatsgüter - zumindest offiziell - zu Forschungs- und Schulungszwecken oder als Vorbildbetriebe bewirtschaftet. Zudem spielt die Bewahrung der Tradition in vielen Fällen eine gewisse Rolle, auch bei den Kommunen, die heute noch eigene Weingüter unterhalten: die Finanzmetropole Frankfurt zum Beispiel, Landeshauptstädte wie Wiesbaden, Mainz und Stuttgart, aber auch Kleinstädte wie Bensheim, Alzey, Lahr oder Klingenberg. Das größte kommunale Weingut Deutschlands, Schloss Ortenberg in Baden mit seinen 45 Hektar Rebfläche, ist gar als Zweckverband organisiert.

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09.01.2013, 16:16 Uhr

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