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Mikrobrauereien in Israel Der Bierdurst kennt keine Grenzen

 ·  Immer mehr Israelis bevorzugen das Bräu kleiner Betriebe. Diese Bier-Renaissance verdankt das Land Einwanderern aus Amerika. Doch die wirklichen Pioniere brauen schon seit Jahren im palästinensischen Westjordanland.

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© Yael Engelhart Vergrößern Pionier mit Bier: Jeremy Welfeld in seiner kleinen Brauerei in Petach Tikva

Jeremy Welfeld erfindet gerade sein siebtes Bier. Sechs Sorten brauen seine Mitarbeiter schon in den hohen Edelstahlfässern hinter der Theke seines Lokals in Petach Tikva. „Jem“ steht auf der Baseballkappe des Israelis. Sie kann seinen grauen Zopf kaum bändigen, der fast bis zu den Schultern reicht. „Jem“ ist Welfelds Spitzname. Und so heißen auch sein Bier und seine Gasthausbrauerei im Gewerbegebiet der Nachbarstadt von Tel Aviv. Für ein neues asiatisches Restaurant denkt sich der Brauer gerade ein passendes Bier aus.

Jahrzehntelang dominierten in Israel zwei Großbrauereien. Doch davon haben immer mehr Israelis genug. Gut 20 Mikrobrauereien gibt es mittlerweile, die das Angebot erweitern. Für den Brauer Jeremy Welfeld ist Israel aber geschmacklich weiter ein Entwicklungsland: „Wir brauchen noch viel Biererziehung. Meistens greifen die Gäste nur zu dem, was sie kennen.“ Wie bei einer Weinprobe lässt er unentschlossenen Gästen am liebsten ein Tablett mit seinen sechs Bieren servieren.

Bier mit Dattelhonig

Immer mehr Israelis kommen auf den Geschmack handwerklich gebrauten Biers. Dafür genügt ein Blick in die Regale der Getränkemärkte. Bis vor kurzem stand dort nur eine Handvoll Sorten der großen Produzenten, die sich kaum unterscheiden. Jetzt gibt es auf einmal auch Hefeweizen von den Golan-Höhen. Am Rand der Negev-Wüste wird ebenso gebraut wie in einer Siedlung im Westjordanland und mitten in Tel Aviv. Dort versüßt die Brauerei „Tanzendes Kamel“ eines ihrer Biere mit Dattelhonig.

„Israelis sind gebildet und weitgereist. Aus dem Ausland brachten sie schon die Vorliebe für guten Wein, Kaffee und Schokolade mit“, sagt Jeremy Welfeld. Dass Reisen den Geschmack verfeinert, war zuletzt beim israelischen Wein zu beobachten. Früher galt koscherer Wein aus Israel als untrinkbar süß. Heute gibt es mehr als 200 Winzer, deren Weine auch im Ausland Anerkennung finden.

Die Bier-Renaissance verdankt Israel jüdischen Einwanderern aus Amerika wie Jeremy Welfeld, der in Boston geboren wurde. In den achtziger Jahren hatten viele Amerikaner genug vom Einheitssud der Großbrauereien. Auch Welfeld lernte Brauen, aber nur für den eigenen Bedarf. Sein Geld verdiente er in Washington in einer Catering-Firma, die für das Weiße Haus arbeitete. Erst in Israel, wohin er mit seiner Familie übersiedelte, wurde Jahre später sein Traum von der eigenen Gasthausbrauerei wahr.

Welfeld weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es Neueinwanderer in dem Land oft haben; er selbst schlug sich anfangs auf Baustellen durch. Aber er glaubt, ein Heilmittel zu haben. „Bier ist ein Katalysator und bringt Menschen zusammen. Es ist nicht selbstverständlich, dass alle Israelis unter einem Dach feiern“, sagt der Brauer. Er ist religiöser Jude und hält den Schabat ein. Samstags bleiben deshalb Restaurant und Brauerei geschlossen.

Nachfrage ist groß

Weil Küche und Bier koscher sind, kommen dafür fromme Israelis an den anderen Wochentagen umso lieber. Gemeinsam mit ihren säkularen Landsleuten trinken sie oft bis in die Morgenstunden, während nebenan in den Fässern der Nachschub heranreift. Die Nachfrage ist so groß, dass Welfeld einen Israeli einstellte, der in Deutschland das Brauerhandwerk gelernt hat.

Doch die wirklichen Bier-Pioniere kommen im Nahen Osten nicht aus Israel, sondern aus dem palästinensischen Westjordanland. In dem kleinen Ort Taybeh bei Ramallah braut die christliche Familie Khoury seit 1994 Bier nach den strengen Regeln des bayerischen Reinheitsgebots - als allererste Brauerei in der Region. Madis Khoury ist schon seit fünf Uhr morgens auf den Beinen.

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