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Gentechnologie Französische Forscherin: Geklontes Mädchen geboren

27.12.2002 ·  Sollte die Geburt des Klon-Babys von unabhängiger Seite bestätigt werden, wäre es das erste Klon-Kind, dessen Geburt öffentlich bekannt gegeben wurde.

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Die französische Wissenschaftlerin Brigitte Boisselier und Chefin des US-Unternehmens Clonaid hat die Geburt eines geklonten Kindes bekannt gegeben. Das kleine Mädchen sei am Donnerstag mit einem Kaiserschnitt auf die Welt gekommen, sagte die Forscherin. Nähere Angaben zum Ablauf der Geburt und zum Geburtsort des Kindes wollte Boisselier zunächst nicht machen.

Die Forscherin wolle um 9 Uhr Ortszeit (15 Uhr MEZ) am Freitag im US-Bundesstaat Florida vor die Öffentlichkeit treten, kündigte sie an. Das Mädchen sei anscheinend gesund, hieß es in den Berichten. Eine Stellungnahme des Unternehmens war zunächst nicht zu erhalten. Sollte die Geburt des Klon-Babys von unabhängiger Seite bestätigt werden, wäre es das erste Kind, das durch Klonen gezeugt und dessen Geburt öffentlich bekannt gegeben wurde. Experten kritisieren das Klonen von Menschen als unverantwortlich und fordern ein weltweites Verbot. Clonaid wird von den meisten Wissenschaftlern skeptisch gesehen. Viele bezweifeln, dass das Unternehmen über die technischen Fähigkeiten zum Klonen von Menschen verfügt.

Mit Unglauben und Entsetzen hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft auf die Nachricht von der Geburt des weltweit ersten Klonbabys reagiert. „Wir glauben das nicht“, sagte DFG-Sprecherin Eva-Maria Streier am Freitag in Bonn. Und wenn es doch stimmen sollte, dann wäre es „völlig unverantwortlich, es überhaupt versucht zu haben“.

Ankündigungen geklonter Kinder

"Es ist gut gelaufen“, kommentierte Boisselier die Geburt. Am 27.November hatte sie erklärt, ein Paar aus den USA erwarte ein geklontes Baby. Das Kind sei eine genetische Kopie der 30-jährigen Mutter. Im Oktober hatte sie angekündigt, mehrere Frauen seien mit geklonten Embryonen schwanger. Eine Sprecherin kündigte an, es würden Videos gezeigt und ein unabhängiger Forscher sollte die DNS der Frau und des Baby untersuchen dürfen.

Die Chemikerin Boisselier beteiligte sich am weltweiten Wettlauf um das erste Klon-Baby. Boisselier arbeitete früher bei der französischen Air-Liquide-Gruppe als Vizedirektorin der Forschungsabteilung. Sie gehört der Raelianer-Sekte an. Nach Ansicht der Raelianer ermöglicht Klonen den Menschen das ewige Leben. Nach der Vorstellung der Raelianer landeten vor 25.000 Jahren Außerirdische auf der Erde und erschufen Mensch, Tier und Pflanze durch Klontechnik aus toter Materie. Die Sekte zählt nach eigenen Angaben 55.000 Anhänger und wurde 1973 von dem „Rael“ genannten Franzosen Claude Vorilhon gegründet, der heute in Kanada lebt.

Kritik an Klonen

Streier vermutete hinter der Ankündigung Sensationshascherei Boisseliers und ihrer Raelianer-Sekte. „Die Nachricht passt einfach zu gut in die Zeit, jetzt, wo man eigentlich die Geburt eines anderen Kindes feiert.“ Außerdem hätten nach allen bisherigen Erkenntnissen zwischen 200 und tausend Frauen zur Verfügung stehen müssen, um eine Klonschwangerschaft zu erzeugen. Die wissenschaftliche Methode sei einfach noch nicht ausgereift, betonte Streier. Alle bisherigen Versuche mit Säugetieren, zu denen letztlich auch der Mensch zähle, hätten das gezeigt.

Neben den wissenschaftlichen Gründen lehne die DFG das Klonen auch aus moralischen Gründen ab, betonte Streier. Es sei einfach nicht einsehbar, warum sich jemand selbst klonen solle. Die Produktion eines identischen Wesens sei Selbstzweck und Egoismus, nichts anderes.

Im Tierversuchen ist es Wissenschaftlern zwar gelungen, unter anderen Schafe und Mäuse zu klonen. Wie sich später herausstellte, wiesen jedoch einige der Tiere genetische Defekte auf. Wissenschaftler fürchten, dass solche Defekte auch bei geklonten Menschen auftreten könnten.

Auch andere Forscher arbeiten am Klonkind

Neben Clonaid arbeiten unter anderen auch Forscher um den US-Mediziner Panos Zavos und ein Team um den italienischen Gynäkologen Severino Antinori am ersten Klon-Baby. Antinori hatte Ende November die Geburt des ersten Klon-Babys für Anfang Januar 2003 angekündigt.

Der umstrittene italienische Arzt Severino Antinori hatte angekündigt, ein geklontes Baby könne voraussichtlich im Januar zur Welt kommen. Der Arzt befürwortet das Klonen von Menschen, um unfruchtbaren Paaren zu einem eigenen Kind zu verhelfen.

Beim Klonen wird der Kern einer Zelle eines Lebewesens in eine fremde Eizelle eingesetzt, aus der dann eine exakte Kopie dieses Lebewesens entstehen soll. Experten warnen vor unabsehbaren Folgen des Klonens von Menschen. Frankreich und Deutschland haben bei den Vereinten Nationen eine Initiative gegen das Klonen von Menschen eingebracht. Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn forderte angesichts der ethischen Probleme im Zusammenhang mit dem Klonen ein internationales Verbot. Die DFG forderte erneut ein weltweites Klonverbot für den Menschen. Dieses war eigentlich schon unterschriftsreif, scheiterte aber kürzlich vor allem an einem Streit zwischen den USA und Großbritannien. Während Washington ganz strikt für ein Verbot von reproduktivem und therapeutischen Klonen ist, will London eine Tür für das therapeutische Klonen - also für medizinische Zwecke - offen lassen.

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