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Gentechnologie Eltern der Klonbabys verweigern Tests

06.01.2003 ·  Auch vom zweiten Klonbaby wird es keinen Gentest geben. Wissenschaftler sprechen schon vom „Werbegag“ der Raelianer-Sekte.

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Auch für das zweite angebliche Klonbaby soll es zunächst keinen Gentest geben, der die Abstammung beweisen könnte. Die Eltern des am Wochenende zur Welt gekommenen Babys seien dazu nicht bereit, erklärte Bart Overvliet, Vorsitzender der mit dem Unternehmen Clonaid verbundenen Raelianer-Sekte in den Niederlanden. Es sei aber möglich, dass sie ihre Haltung änderten, meinte er am Montag in Amsterdam. Kritiker zweifelten an der Begründung der Eltern, eines lesbischen Paares, ihre Privatsphäre schützen zu wollen.

Für das erste angebliche Klonbaby „Eve“ ist die Sekte bislang ebenfalls einen DNS-Test schuldig geblieben. Wissenschaftler sprechen daher der Raelianer-Sekte jegliche Glaubwürdigkeit ab. „Da immer noch jegliche wissenschaftliche Beweise fehlen, halte ich die Darstellung der Sekte für falsch“, sagte der Genetik-Experte Rudolph Jaenisch vom renommierten MIT-Forschungsinstitut in den USA.

Medienbluff oder Werbegag, vermuten Wissenschaftler

Der Bioethik-Professor Alta Charo von der Universität Wisconsin kritisierte den „Medienbluff“, der der Sekte „ohne wirkliche Informationen eine unglaubliche Aufmerksamkeit“ sichere. Die Chefin des mit den Raelianern verbundenen US-Unternehmens Clonaid, Brigitte Boisselier, hatte in der vergangenen Woche die Geburt eines zweiten Klon-Babys bekannt gegeben.

Eine 31-jährige lesbische Niederländerin brachte nach Angaben Boisseliers das Mädchen am Freitagabend in einem nordeuropäischen Land gesund zur Welt. In einem BBC-Interview am Sonntag kündigte die Wissenschaftlerin an, bis Anfang kommenden Monats würden drei weitere Klon-Babys zur Welt kommen. Das Geburtsland nannte sie nicht. „Wir haben mehrere hundert Embryonen allein zu Testzwecken produziert. Wir haben zehn eingepflanzt, fünf sind erfolgreich gewesen.“ Boisselier ist Mitglied der Raelianer-Sekte, die glaubt, dass Klonen den Menschen das ewige Leben ermöglicht.

DNS-Tests unbestimmt verschoben

Boisselier hatte Ende Dezember unabhängige wissenschaftliche Belege für ihre Behauptung angekündigt. Eine entsprechende Untersuchung des ersten Säuglings am vergangenen Dienstag wurde allerdings mit Verweis auf das fehlende Einverständnis der Eltern verschoben worden. Im britschen Fernsehsender BBC sagte sie am Sonntag, sie sei zwar auch dafür, die Untersuchungen so bald wie möglich vorzunehmen. Sie werde jedoch keinen Druck auf die Eltern ausüben. Im Falle einer Untersuchung würden diese ihre Identität preisgeben müssen.

„Ich habe ihnen nie geglaubt“

Der Experte Arthur Caplan vom Zentrum für Bioethik der Universität von Pennsylvania kommentierte die Informationspolitik der Sekte mit den Worten: „Jetzt platzt die Klon-Blase.“ Die Raelianer wollten eine unabhängige Untersuchung schlichtweg verhindern. „Ich glaube ihnen nicht, ich habe ihnen nie geglaubt“, sagte Caplan.

Harry Griffin vom Roslin Institut in Schottland, wo 1996 das geklonte Schaf Dolly geboren wurde, sieht in den Berichten von Clonaid sogar einen Werbegag.

Die „New York Times“ nährte am Sonntag weitere Zweifel an der Darstellung der Raelianer. Der US-Wissenschaftsjournalist Michael Guillen, den die Sekte als vermeintlich unabhängigen Zeugen für eine wissenschaftliche Untersuchung des angeblichen Klon-Babys „Eve“ benannt hatte, habe die Geschichte bereits vor Monaten mehreren US-Fernsehsendern für hunderttausend Dollar zum Kauf angeboten. Dies lege den Verdacht nahe, dass Guillen Verbindungen zu den Raelianern habe und eigene Interessen verfolge. Die Sender hätten Guillens Angebot abgelehnt.

Union drängt auf Klonverbot

Die Unionsfraktion im Bundestag drängte auf ein Klonverbot in Deutschland. „Gleichgültig, ob die Meldungen der Raelianer wahr sind oder nicht: Wir müssen schnellstens Grenzen setzen“, sagte die stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Maria Böhmer, der Zeitung „Welt am Sonntag“. Die Äußerungen von Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) ließen den Eindruck zu, dass „die Bundesregierung sich die Tür für das so genannte therapeutische Klonen offen halten will“. Deshalb müsse der Bundestag nochmal seine Position deutlich machen, an die sich die Bundesregierung dann zu halten habe.

Bulmahn wiederum sagte der „Bild am Sonntag“, die Nachricht von der Geburt des angeblich ersten geklonten Babys habe sie erschüttert. „Unabhängig davon, ob die Meldungen zutreffen, verletzt allein der Versuch, mit den technischen Möglichkeiten des Klonens genetisch identische Menschen herzustellen und zur Welt zu bringen, die Würde des Menschen.“

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