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Gelsenkirchen : Jugendamt soll Heimkinder in Ungarn untergebracht haben

  • Aktualisiert am

Das Jugendamt in Gelsenkirchen: Die Stadt Gelsenkirchen hat zwei Leiter der Behörde vom Dienst freigestellt. Bild: dpa

Um das Jugendamt Gelsenkirchen bahnt sich ein Skandal an: Zwei Leiter sollen Heimkinder nach Ungarn geschickt und damit Geld verdient haben.

          Mehrere Heimkinder aus Gelsenkirchen sollen vom dortigen Jugendamt nach Ungarn geschickt worden sein. Wegen dieses Vorwurfs hat die Stadt Gelsenkirchen zwei Amtsleiter vorerst vom Dienst freigestellt. Die Angelegenheit müsse „lückenlos aufgeklärt werden“, teilte Oberbürgermeister Frank Baranowski (SPD) mit.

          Das ARD-Fernsehmagazin „Monitor“ hatte am Donnerstag berichtet, die Jugendamtsleiter hätten Kinder aus einem Gelsenkirchener Heim wegen angeblicher Überbelegung in eine Einrichtung in Ungarn geschickt. Dafür hätten sie 5500 Euro pro Kind und Monat vom Staat bekommen.

          „Was ich in dem Bericht gesehen habe, macht mich fassungslos“, erklärte Oberbürgermeister Baranowski zu der „Monitor“-Reportage. Er berief vier Ausschüsse für Montag ein, um die Politik über die Vorwürfe zu informieren. Die Stadt lasse sich bei der Aufklärung von einem Wirtschaftsprüfungsunternehmen unterstützen. Außerdem seien der Träger des Heims, die St. Augustinus GmbH, und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) als Aufsichtsbehörde um Hilfe gebeten worden.

          In dem Fernsehbericht geht es um das Heim St. Josef, das rund Hundert Kindern und Jugendlichen ein Zuhause auf Zeit bietet. In den Jahren 2007 und 2008 soll es nach Informationen von „Monitor“ deutlich überbelegt gewesen sein. Dafür sollen die beiden Jugendamtsleiter gezielt gesorgt haben. Von Gelsenkirchen seien die Kinder weiter nach Ungarn geschickt worden. Pädagogische Konzepte habe es in dem ungarischen Heim nicht gegeben.

          Der Leiter des Gelsenkirchener Jugendamts, Alfons Wissmann, wies in einer schriftlichen Erklärung alle Vorwürfe zurück. Die beiden Dienstkräfte hatten 2004 privat eine Firma in Ungarn gegründet, die 2009 nach einem drohenden Konkurs abgestoßen wurde. Wissmann erklärte, es habe keine Vereinbarung mit St. Josef gegeben, dass er „für eine gute Auslastung des Kinderheims“ sorge und im Gegenzug Kinder nach Ungarn schicken werde. Außerdem belegten viele Jugendämter das Heim St. Josef.

          Auch ein Junge aus einem Heim in Dorsten ist dem „Monitor“-Bericht zufolge nach Ungarn gebracht worden. Die Stadt wehrte sich in einer Mitteilung gegen Vorwürfe, der Elfjährige sei pädagogisch nur mangelhaft betreut und schlecht untergebracht worden. Der Fall werde aber geprüft. Die Akten seien in Absprache mit der nordrhein-westfälischen Kinder- und Jugendministerin Ute Schäfer (SPD) dem Landesjugendamt in Münster zur Verfügung gestellt worden. Der Fall sei seit vielen Jahren der einzige, bei dem die Stadt eine „Auslandsmaßnahme“ veranlasst habe.

          Quelle: dpa

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