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Geflügelpest Beim Fressen angesteckt

09.03.2006 ·  Die Vogelgrippe greift auf weitere Säugetierarten über: Bei einem Steinmarder auf Rügen ist das Virus H5N1 nachgewiesen worden. Forscher halten die Ausbreitung für „bemerkenswert“.

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Bei Schaprode auf der Insel Rügen ist ein Steinmarder gefunden worden, der das Virus H5N1 in sich trug. Wegen des Seuchenbefalls dort sei es wahrscheinlich, daß es sich auch um die hochpathogene Asia-Variante des Virus handelt, teilte das Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems am Donnerstag mit. Der Marder hatte noch gelebt, aber die klinischen Symptome der Vogelgrippe gezeigt. Er wurde eingeschläfert und untersucht. Offenbar hatte auch er sich beim Fressen toter Vögel angesteckt - wie zuvor schon drei Katzen.

Der Präsident des Loeffler-Instituts, Thomas Mettenleiter, sagte, es sei bemerkenswert, daß sich damit das Spektrum infizierter Säugetierarten ausgeweitet habe. Bislang sei auf der Welt noch kein Fall beschrieben worden, daß ein Marder sich am Vogelgrippevirus anstecken könnte. Mettenleiter sagte weiter: „Obwohl mit diesem Fund eine weitere Säugetierart erstmals betroffen ist, ändert sich die grundsätzliche Einschätzung der Seuchensituation nicht.“

„Der Nachweis ist nicht überraschend“

Einen Tag zuvor war abermals bei zwei Katzen das gefährliche Virus nachgewiesen worden. Die streunenden Katzen waren ebenfalls im Gebiet Wittower Fähre aufgefunden worden, wo vor mehr als drei Wochen zunächst unter den dort versammelten Höckerschwänen die Vogelgrippe in Deutschland ausgebrochen war. Die Zahl der infizierten Wildvögel in Mecklenburg-Vorpommern ist um fünf auf nunmehr 151 gestiegen. Hinzu gekommen sind dabei eine Samtente aus Wismar sowie vier Höckerschwäne von der Insel Rügen. Alle Tests bei Hausgeflügel hingegen verliefen weiter negativ. Untersucht wurden bislang knapp viertausend Proben von Wildvögeln und Nutzgeflügel sowie etwa hundert Proben von Säugetieren. Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) sagte: „Der Nachweis einer H5N1-Infektion bei einer zweiten Säugetiergruppe ist nicht überraschend. Der Fall bestätigt uns in unserem konsequenten Handeln, alle Ausbreitungswege des Virus zu untersuchen.“

Die Behörden im Landkreis Rügen und in den anderen Schutzzonen sind nach Angaben von Backhaus angewiesen worden, Gebiete mit hohem Infektionsrisiko verstärkt zu kontrollieren. Auf Rügen müsse alles dafür getan werden, daß der eigentliche Infektionsherd an der Wittower Fähre ausgelöscht werde. Bei Untersuchungen von Wasserproben und Fischen aus dem Gebiet habe es keinen Nachweis des Vogelgrippe-Erregers gegeben. „Aus meiner Sicht geht von dem Wasser und insbesondere von dem Fisch kein Risiko aus“, sagte der Minister.

Belgier nicht mit H5N1 infiziert

Erste Tests auf die Infektion eines Belgiers mit dem auch für Menschen gefährlichen Vogelgrippe-Erreger H5N1 sind hingegen negativ ausgefallen. Weitere Tests an dem nach einer Chinareise in ein Brüsseler Krankenhaus eingelieferten Mann sollten den H5N1-Verdacht nun endgültig ausräumen, berichtete die belgische Agentur für Lebensmittelsicherheit am Mittwoch abend.

Der Belgier hatte auf seiner China-Reise auch Gebiete mit Fällen von Vogelgrippe bereist und war am Sonntag zurückgekehrt. Am Montag kam er mit Muskelschmerzen, Husten und Fieber ins Krankenhaus. Der Belgier sei unter Quarantäne gestellt und auf Vogelgrippe hin untersucht worden.

Erstes Opfer im Großraum einer Stadt

In China sind ist bereits der zehnte Todesfall durch Vogelgrippe bei Menschen bekannt geworden. Das Virus wurde staatlichen Medien zufolge bei einer Neunjährigen nachgewiesen, die am Montag im Osten Chinas gestorben war. An der Krankheit war erst vor wenigen Tagen ein 32-Jähriger aus der südchinesischen Provinz Guangdong nahe Hongkong gestorben. Sein Tod hatte die Bewohner der Wirtschaftsmetropole alarmierte. Der Mann war das erste Vogelgrippe-Opfer im Großraum einer Stadt. Der Mann soll sich auf Geflügelmärkten infiziert haben.

Quelle: F.A.Z. (F.P.) vom 10.3.2006; FAZ.NET mit Material von dpa
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