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Gefälschte Medikamente : Vorsicht, Plagiat!

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Die Fälschungen sind für den Verbraucher fast nie von den Originalen zu unterscheiden Bild: dpa

Im Internet Medikamente zu kaufen, birgt Gefahren. Immer mehr der dort gehandelten Medikamente sind Fälschungen. Die Kopien können wirkungslos sein, aber auch ernsthaft die Gesundheit gefährden.

          Krokodil-Handtaschen, Designerschuhe, Spielsachen oder Sonnenbrillen - gefälscht wird so ziemlich alles, auch Medikamente. Das Geschäft mit Plagiaten ist lukrativ. Anders als beim Vertrieb plagiierter Konsumgüter spielen die Kriminellen bei Arzneimittelfälschungen aber mit dem Leben ihrer Kunden. Doch die wachsende Nachfrage nach Arzneimitteln und das hohe Vertrauen in die Medizin machen es den Kriminellen leicht, ihre Kopien über das Internet zu vertreiben. Und weil die meisten Sendungen per Post oder Kurier aus dem Ausland geliefert werden, bleibt der Absender im Dunkeln. Die Gefahr für die Kriminellen, entdeckt und bestraft zu werden, ist damit gering. Die Chancen für den Käufer, die Mogelpackungen zu erkennen, sind ausgesprochen schlecht. Hinter den Arzneimittelfälschung stehen zunehmend organisierte kriminelle Banden. In Nigeria beispielsweise sind 64 Prozent der Malariamedikamente gefälscht. Deshalb sterben in dem afrikanischen Land immer mehr Menschen an dem Fieber, das von Stechmücken übertragen wird. Statt mit lebensrettenden Medikamenten werden sie mit wertloser Medizin behandelt.

          Arzneimittelfälschungen sind aber auch in Deutschland ein wachsendes Problem. Die meisten Fälschungen entdeckt zwar der Zoll, einige wenige werden über Auffälligkeiten in der legalen Vertriebskette aufgespürt oder wenn sich ein unbedachter Kunde wegen Nebenwirkungen behandeln lassen muss.

          Fälschungen auch in Apotheken gefunden

          Ins Land kommen die meisten Fälschungen über unseriöse Internet-Versandapotheken. Marina Bloch von Bayer Healthcare in Leverkusen beschrieb beim 119. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in dieser Woche in Wiesbaden den Vertriebsweg der Kriminellen. Bestellt wird auf einer Internetseite, deren Zwielichtigkeit zunehmend schwerer zu erkennen ist. Die Bezahlung erfolgt über eine Bezahlstation in Russland, der Ukraine oder einem anderen Land und die zum Teil unter lausigen Bedingungen fabrizierten Produkte werden aus China, Pakistan, Kolumbien oder von anderswoher geliefert.

          Doch Plagiate tauchen gelegentlich auch bei legalen Apotheken auf. Jüngstes Beispiel in Deutschland ist das Magenmittel Omeprazol. In den vergangenen Monaten mussten drei Generika-Hersteller einzelne Produktionsreihen aus dem Handel ziehen, weil ihnen Imitate untergeschoben worden waren, die nicht mit dem Original übereinstimmten. Inzwischen wurden zwei Männer festgenommen. Sie hatten das Plagiat offensichtlich in Spanien fertigen lassen und es in gefälschten Packungen über den Großhandel in die legale Vertriebskette geschleust. Entdeckt wurde die Kopie, weil in einigen Beipackzetteln widersprüchliche Angaben standen.

          Falsche Angaben zu Identität und Herkunft

          Plagiatsfälle in den Apotheken sind hierzulande allerdings äußerst selten. Volker Kerrutt vom Zollkriminalamt in Köln verwies beim Internistenkongress auf eine Untersuchung des BKA, nach der zwischen 1996 und 2008 nur 38 Arzneimittelfälschungen in der legalen Vertriebskette in Deutschland bekanntgeworden sind. Seitdem sind vier weitere Fälle hinzugekommen.

          Doch ab wann ist ein Medikament gefälscht? „Wenn vorsätzlich und in betrügerischer Absicht falsche Angaben zu seiner Identität oder Herkunft gemacht werden“, sagt Manfred Schubert-Zsilavecz von der Goethe Universität in Frankfurt. Der Pharmazeut leitet auch das Zentrallaboratorium der Deutschen Apotheker, in dem unter anderem die Qualität von Arzneimitteln überprüft wird. Aus seiner Erfahrung heraus stellt er fest: „Früher wurden hauptsächlich Lifestyle-Produkte gefälscht wie Viagra, Appetitzügler, Mittel gegen Haarausfall oder Doping-Produkte. Inzwischen werden auch Antibiotika, Schmerzmittel, Verhütungsmittel, Antidepressiva, konzentrationsfördernde Mittel und sogar Krebsmedikamente gefälscht.“

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