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Donnerstag, 16. Februar 2012
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Gedächtnis Der erste Kuss wird selten vergessen

17.11.2001 ·  Manche Erlebnisse bleiben ein Leben lang haften, andere vergisst man einfach sehr schnell wieder - dem Gedächtnis und seinen Tücken sind Gehirnforscher auf der Spur.

Von Nathalie Heinke
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Wer kennt das nicht: Mehrere Tage hatte man sich auf einen Test vorbereitet und glaubte, den Stoff zu beherrschen, bei der Prüfung aber versagt das Gedächtnis; scheinbar hat man alles vergessen.

Gedächtnisforschern ist dieses Phänomen wohl vertraut: Sie nennen es Gedächtnisblockade. Schuld daran sind Stresshormone, die verhindern, das die Schaltstellen der unterschiedlichen Nervenfasern ankommende Impulse weiterleiten können. Die Schaltstellen, Synapsen genannt, können nicht "feuern". Etwa Fünfhundert Billionen Synapsen regeln nach Angaben des Gehirnforschers Frederic Vester den gesamten Informationsfluss in unserem Gehirn. Ist er gestört, können mitunter unangenehme Situationen entstehen.

Wird selten vergessen: Der erste Kuss

Gefühlszustände beeinflussen unser Denkvermögen: Stress erschwert es, angenehme Ereignisse beeinflussen es positiv. Und: Ist ein Ereignis besonders aufregend, wird es vom Gehirn um so leichter gespeichert - der erste Kuss vielleicht oder das erste Auto. Oder die Hochzeit. Nicht anders verhält es sich beim Lernen von Sachverhalten. Je nach dem, ob man ein Thema als interessant oder uninteressant einstuft, beeinflusst das die Merkfähigkeit unseres Gehirns. Maßgeblichen Einfluss auf das Lernen hat dabei die Motivation. Je stärker wir motiviert sind, eine Aufgabe zu erledigen, um so mehr steigt die Bearbeitungsgeschwindigkeit und die Outputqualität, berichtet der Wissenschaftler Jürgen Otto in dem Buch "Emotion, Motivation und Leistung". Allerdings: Wird eine bestimmte Grenze überschritten, kommt es zu einer Abnahme der Leistungsgüte. Der Grund: Euphorie wirkt sich scheinbar nachteilig auf die Konzentration aus.

Nach Aussage des britischen Psychologen Alan Baddleley ist die Motivation allerdings nur eine indirekte Lernhilfe: Hat man Spaß an einem Thema, nimmt die Motivation und damit der Grad der Aufmerksamkeit, der man einer Sache widmet, zu. Diese Aufmerksamkeit unterstützt den Lernerfolg. "Bei Dingen, die wir selbst intensiv lernen, genügt oft eine einmalige Aufnahme zur permanenten Speicherung", schrieb der Biochemiker Frederic Fester in seinem Werk "Denken, Lernen, Vergessen" schon Ende der siebziger Jahre.

Bei Routine lässt Gehirntätigkeit nach

Aber nicht nur das Interesse an der Materie, auch Staunen hilft beim Lernen. Nach Angaben des britischen Neurowissenschaftlers Paul Fletscher von der Uni Cambridge sorgen Aha-Erlebnisse für Lernprozesse: Wann immer die Probanden bei der Lösung von Problemen überrascht waren, fanden die Forscher bei ihnen besonders starke Aktivitäten in der rechten Gehirnhälfte. Kam Routine ins Spiel, ließ die Geschäftigkeit der Hirnregion nach.

Verspürt man dagegen eine Abneigung gegen eine Tätigkeit, bleibt sie schwerer im Gedächtnis haften - sie wird schwerer gelernt und man erinnert sich weniger gut daran. Die Abneigung gegen bestimmte Erfahrungen und Gelerntes, kann sogar so weit gehen, dass sie scheinbar einfach vergessen werden. Sigmund Freud sprach in diesem Zusammenhang von Verdrängung: Unangenehme Erinnerungen wie beispielsweise die Scheidung der Eltern werden mitunter einfach ausgeblendet. Was bleibt, sind die schönen Momente der Vergangenheit. Ob diese Ereignisse allerdings tatsächlich vergessen werden, die Informationen sich also überhaupt nicht mehr im Gehirn befinden, oder ob man für bestimmte Erinnerungen einfach keinen Zugang mehr hat, ist nach wie vor ungeklärt.

Möglicherweise kann man sich auch deshalb nicht mehr an bestimmte Dinge erinnern, weil die dafür notwendigen Hinweisreize fehlen. Baddeley spricht in seinem Buch "So denkt der Mensch" in diesem Zusammenhang von Reizbegriffen. Aber nicht nur Wörter können Erinnerungen auslösen, auch Situationen und Gerüche rufen mitunter längst Vergessenes wach: So wird der Duft selbstgebackener Weihnachtsplätzchen bei vielen Menschen Bilder der eigenen Kindheit ins Gedächtnis katapultieren.

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