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Geburtskirche : Politisches Weltkulturerbe

In Gefahr? Die Geburtskirche in Bethlehem ist nach einem Eilantrag nun Weltkulturerbe. Bild: Getty Images

Die Geburtskirche in Bethlehem ist von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt worden. Für Palästina geht es dabei mehr um Selbstbestimmung als um Denkmalschutz.

          Andächtig schreitet eine Pilgergruppe nach der anderen durch das Halbdunkel der Geburtskirche. Jedes Jahr kommen zwei Millionen Besucher nach Bethlehem. Doch nach Ansicht der palästinensischen Führung droht ihnen dort große Gefahr: Die Kirche über dem Geburtsort Jesu könne einzustürzen, wenn sie nicht bald gerettet werde. Und obwohl vor Ort bisher kein Schild auf die akute Einsturzgefahr hinweist, haben die Palästinenser deshalb einen Eilantrag bei der Unesco gestellt.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Diesem Antrag stimmte das Komitte der Unesco an diesem Freitag in Sankt Petersburg zu, so dass die Geburtskirche nun tatsächlich auf der Liste des Weltkulturerbes steht.

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          Seit vergangenem Oktober sind die Palästinenser Mitglied der UN-Kulturorganisation Unesco. Ihren Beitritt feierten palästinensische Politiker als einen Etappensieg auf dem Weg zu internationaler Anerkennung. Über den palästinensischen Antrag auf UN-Vollmitgliedschaft hat der Sicherheitsrat bisher nicht entschieden. Nun wollten PLO und Autonomiebehörde in Bethlehem wenigstens mit der ersten palästinensischen Welterbestätte ihr Streben nach einem eigenen Staat untermauern. Dabei verhehlten ihre Vertreter nicht, dass es ihnen nicht allein um Denkmalschutz geht.

          „Es ist unser gutes Recht, unser Erbe zu bewahren“

          „Ganz Palästina ist wegen der israelischen Besatzung in Gefahr. Es ist eine Abstimmung über das Selbstbestimmungsrecht des palästinensischen Volkes“, sagte Omar Awadallah aus dem palästinensischen Außenministerium vor der Bekanntgabe der Unesco-Entscheidung. „Es ist unser gutes Recht, unser Erbe zu bewahren. Schließlich ist Bethlehem Hauptstadt der christlichen Welt“, sagte George Saade, der stellvertretende Bürgermeister der Stadt. Er setzt nicht nur auf Unterstützung für die Renovierung. Saade hofft auch auf mehr Touristen: 80 Prozent der Geschäfte entlang der Stern-Straße, über die einst auch Maria und Josef in die Stadt gelangt sein sollen, seien geschlossen, weil zuletzt weniger Besucher kamen. Der Pilgerweg soll ebenfalls zum Weltkulturerbe erklärt werden.

          Da Palästina erst seit wenigen Monaten Unesco-Mitglied ist, musste es einen Eilantrag stellen, um Bethlehem auf die Tagesordnung des Welterbekomitees in Petersburg zu bringen. Normalerweise dauert das Verfahren mindestens eineinhalb Jahre. Für einen solchen Eilantrag müssen die Bauwerke oder Naturdenkmäler jedoch akut gefährdet sein. Fachleute des Internationalen Rats für Denkmalpflege (Icomos), die den Antrag prüften, konnten im Mai keine Schäden finden, die ihrer Ansicht nach ein Eilverfahren rechtfertigten.

          Untersuchungen am Dach hätten nicht ergeben, dass Notmaßnahmen ergriffen werden müssten, heißt es in der Icomos-Stellungnahme. Das reguläre Verfahren sei daher ausreichend. Der palästinensische Antrag weise zudem deutliche Mängel auf. So fehlten angeblich Kartenmaterial, wichtige architektonische Angaben und ein Konservierungskonzept.

          Die Altstadt von Jerusalem steht schon seit 1981 auf der Welterbeliste. Auch deshalb lehnten westliche Diplomaten den palästinensischen Antrag nicht ab - sie bezweifelten nur dessen Dringlichkeit. Selbst Israel, das nach dem palästinensischen Unesco-Beitritt wie Amerika seine Beitragszahlungen einstellte, hatte Unterstützung signalisiert. „Bethlehem kann natürlich zum Weltkulturerbe erklärt werden. Wir sind aber dagegen, dass der Eilantrag für politische Propaganda gegen Israel missbraucht wird“, sagte der Sprecher des Außenministeriums.

          Einen zweiten Antrag hatten die Palästinenser in letzter Minute zurückgezogen, obwohl er brisanter war. In dem Dorf Battir bei Jerusalem sind jahrtausendalte Terrassen und Bewässerungskanäle durch den Bau der israelischen Sperrmauer bedroht. Hier will man sich vorerst mit einer Empfehlung der Unesco begnügen.

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