17.05.2010 · Die Debatte über Roland Kochs Vorschläge, weniger Geld als geplant für Bildung und Kinderbetreuung auszugeben ist noch nicht beendet, da erscheinen neue, beängstigende Zahlen über die demographische Lage in Deutschland: Noch nie zuvor wurden so wenige Kinder geboren wie im vergangenen Jahr.
Von Axel WermelskirchenNoch nie zuvor sind in der Bundesrepublik Deutschland so wenige Kinder geboren worden wie im vergangenen Jahr. An diesem Befund wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit auch nichts mehr ändern, wenn das Statistische Bundesamt in Wiesbaden Mitte August die endgültigen Jahresergebnisse für 2009 vorlegt. Nach den am Montag bekanntgegebenen vorläufigen Ergebnissen wurden 2009 in Deutschland etwa 651.000 Kinder lebend geboren, das sind 3,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahl der Sterbefälle sank 2009 gegenüber dem Vorjahr – die Statistiker beziehen sich hier auf die vorläufigen Ergebnisse beider Jahre – um 2000 oder 0,2 Prozent auf 842.000. Daraus ergibt sich, dass 2009 etwa 190.000 Kinder weniger geboren wurden, als Menschen starben.
Vorläufig sind die Zahlen nach Auskunft der Wiesbadener Statistiker deshalb, weil in einem Teil der Standesämter wegen Personalengpässen die Geburtenmeldungen für 2009 erst in diesem Jahr nachbearbeitet werden konnten. Bis zum 1. Juli sollen aber alle Statistischen Landesämter die endgültigen Zahlen an das Bundesamt in Wiesbaden weitergeleitet haben.
Die zusammenfassende Übersicht des Statistischen Bundesamtes über Eheschließungen, Geborene und Gestorbene in Deutschland von 1946 bis 2008 weist für das Jahr 2006 mit 672.724 Neugeborenen die bislang niedrigste Geburtenzahl in Deutschland aus. Die Zahl für 2009 liegt mit großer Wahrscheinlichkeit noch darunter, weil zu dem am Montag bekanntgegebenen vorläufigen Ergebnis von 651.000 Lebendgeborenen durch Nachmeldungen noch mehr als 20.000 hinzukommen müssten, um das Ergebnis von 2006 zu übertreffen.
Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter sinkt
Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) führte den Geburtenrückgang am Montag auf die gesunkene Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter zurück. Demnach sank die Zahl der Frauen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren allein in den vergangenen vier Jahren um eine halbe Million. Positiv sei aber, dass die Zahl der Kinder pro gebärfähiger Frau weitgehend stabil geblieben sei. Nach Angaben der Wiesbadener Statistiker lag sie 2008 bei 1,376.
Die meisten Kinder wurden in Deutschland im Jahr 1964 geboren, insgesamt 1.357.304, also mehr als doppelt so viele wie 2009. Bis zum Jahr 1971 überwog die Zahl der Geborenen die Zahl der Gestorbenen (vom ersten Nachkriegsjahr 1946 abgesehen). Von 1972 an war es vorbei mit den Geburtenüberschüssen. Das Endergebnis für 2008 weist aus, dass 161.925 weniger Kinder geboren wurden, als Menschen starben.
Darf man das sagen?
Karsten Lehmann (K.Lehmann)
- 17.05.2010, 19:31 Uhr
Woran könnte das nur liegen ?
Holger Muschal (Holly01)
- 17.05.2010, 19:45 Uhr
traurige Statistik
Dirk Berends (Berends)
- 17.05.2010, 19:54 Uhr
Aber so viel KITA und Betreuung war auch noch nie - ist wohl doch nicht alles
Christoph Schwiers (C.Schwiers)
- 17.05.2010, 20:00 Uhr
Wie klang es doch vor einem Jahr?
Ulrich Adriany (Ulrich_Adriany)
- 17.05.2010, 20:00 Uhr
Axel Wermelskirchen Jahrgang 1951, Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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