21.04.2010 · Das tagelange Flugverbot durch die Vulkanasche aus Island hat auch den Gourmetköchen zu schaffen gemacht: Wer auf regionale Zulieferer setzt, kann zwar fast problemlos weiter kochen. Nur bleiben einige Gäste aus.
Von Axel WermelskirchenDie Welt der Gourmets nagt noch nicht am Hungertuch. Trotz Aschewolke und Flugverbots sind die knappen Gütern noch nicht ausgegangen. Drei bekannte Köche äußern sich entspannt zur Einschätzung der vulkanisch-kulinarischen Lage: Harald Wohlfahrt (Drei-Sterne-Koch vom Hotel Traube-Tonbach in Baiersbronn im Schwarzwald): „Am Wochenende hatte ich alles Gewünschte auf den Tellern, montags und dienstags ist frei, und auch für diesen Mittwoch sieht kulinarisch alles gut aus.“
Vincent Klink (Restaurant Wielandshöhe in Stuttgart-Degerloch, Fernsehkoch und Autor kulinarischer Literatur) „Was es gibt, das koch’ ich, was es nicht gibt, das koch’ich nicht. Es gibt aber weiter alles, und der Atlantikfisch ist mit dem Lastwagen gekommen, für heute Seeteufel und Rotbarben. Ich verwende aber außer Ananas kaum „Flugware“, sondern versorge mich so weit wie möglich aus der Region. Gerade eben kam zum Beispiel der Waldläufer mit frischem Waldmeister herein. Um die Welt fliegen muss ich auch nicht mehr für die Messen oder die Werbung. Ich bin in der Region gut bekannt, und schließlich schreibe ich kulinarische Bücher, damit ich das Haus nicht mehr verlassen muss.“
Christian Bau (Drei-Sterne-Koch im „Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg“ in Perl-Nennig/Mosel): „Mangel an Gütern gibt es noch nicht. „Aber Gäste aus Skandinavien und London haben uns nicht erreicht, vier Tischreservierungen fürs Wochenende wurden abgesagt. Wenn es weitergeht mit dem Flugverbot, gibt es wohl bald Schwierigkeiten mit den Merresfrüchten aus Asien oder den Früchten aus Übersee. Sonst ist unser Einkauf „frankreichlastig“, mit kurzen Händlerwegen und ohne Engpässe. Kopfschmerzen bereitet mir die Lage nicht und große Pläne mache ich schon gar nicht. Sollte bald etwas fehlen, dann fällt mir schon was ein.“
Axel Wermelskirchen Jahrgang 1951, Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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