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Galerie der Helden Teil 5 Lara Croft

 ·  Was wären Kindheit und Jugend ohne Idole? Die Poster aus dem Kinderzimmer mögen verschwunden sein, doch ihre Spuren bleiben. Wir präsentieren eine kleine Galerie der Helden. Heute Heldin Nummer 5: Lara Croft.

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© Ole Könnecke

Geboren: 14. Februar 1967 oder 1968.

Populär seit: 1996.

Bei: Männern (13-35 Jahre), Frauen (35-59 Jahre), geschlechtlich Unentschlossenen (13-59 Jahre).

Besonderes Kennzeichen: BH-Größe Doppel-D (bis 2005).

Typisches Zitat: „Dies ist ein Grab, Sie werden sich hier wohl fühlen.“

Also: Sie ist eine Countess of Abbington, anderen Quellen zufolge die Duchess von Saint Bridget. Nicht einmal über ihr Geburtsjahr ist man sich einig. Auf jeden Fall hat sie einen Flugzeugabsturz überm Himalaja überlebt, da war sie 21, sofern man nicht jener neueren Version glaubt, nach der sie erst neun war und bei dem Unglück ihre Mutter verlor. Wir sehen: Es ist kompliziert mit dieser Dame. Sie selbst fragen kann man nicht, weil es sie - auch wenn ihre glühendsten Anhänger dies vehement bestreiten würden - in Wirklichkeit gar nicht gibt. Sondern nur in der virtuellen Welt von „Tomb Raider“, in der Lara Croft seit 1996 als weiblicher Indiana Jones gegen Skelette und Skorpione, Dämonen und Dinosaurier kämpft.

Noch unübersichtlicher als Crofts Biographie ist die Front im Gender-Diskurs, der sich an ihr entzündet hat. Vor Lara Croft waren Videospiele eine weitgehend erotikfreie Zone - es sei denn, man hatte ein Faible für kleinwüchsige, korpulente Klempner mit Schnauzbart (Super-Mario) oder körperlose, nur dem Namen nach maskuline Kugelwesen (Pacman). Dann erschien Lara auf dem Schirm und ließ all die Nerds davor mit einem Schlag spätpubertieren: Lange Haare, zum Zopf oder Pferdeschwanz gebunden, Tanktop, Stiefel und Hot Pants mochten keine ideale Ausrüstung für Dschungelkämpfe sein, ihren Gegnern aber war Lara damit jedenfalls visuell schon mal haushoch überlegen.

Ihren Verächtern gilt sie als Konsolen-Barbie und Männerphantasie, wovon zumindest Letzteres stimmt: Ausgedacht hat sie sich ein Mann, der Spielentwickler Toby Gard. Er hat Lara Croft auch ihre hervorstechendsten Attribute beschert, als er mit der Maus verrutschte und ihre Oberweite versehentlich um 150 Prozent aufblies. Also wird debattiert: Ist Lara Croft nun eine feministische Ikone, in der junge Mädchen am PC endlich eine Identifikationsfigur haben, oder ist sie aufgrund ihrer Anatomie schlicht sexistisch? Ist das Spiel fortschrittlich, weil hier auch der männliche Spieler in eine Frauenrolle schlüpft, oder reaktionär, weil die Protagonistin alles tut, was sein Joystick befiehlt?

Heute verkaufen sich die Spiele der „Tomb Raider“-Reihe längst nicht mehr so wie das Debüt - obgleich Lara über die Jahre eher noch attraktiver geworden ist, weniger kantig und realistischer, was auch bedeutet: Ihre Brüste sind geschrumpft. Für das neueste Game greift der Hersteller zu einem Trick und verschafft Lara eine völlig neue Vita, bei der die Initialzündung für ihr Abenteurertum kein Flugzeugabsturz, sondern ein Schiffsunglück ist. Wenn diese Neuerfindung nicht fruchtet, bliebe immer noch die Option, „Tomb Raider“ künftig „Twix“ zu nennen.

Noch mehr Helden

In dem Buch „Unsere Helden: Von Flipper bis Lady Gaga“ porträtieren Jörg Thomann (Texte) und Ole Könnecke (Illustrationen) rund 50 Kinder- und Jugendidole aus Pop, Film, Fernsehen,
Comic oder Sport. Sanssouci-Verlag, 128 Seiten, 9,90 Euro.

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Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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