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Frühe Ostern : Auferstehung vorverlegt

  • -Aktualisiert am

Der Osterhase kommt in diesem Jahr so früh wie selten Bild: dpa

Ostern ist in diesem Jahr so früh wie selten: Das letzte Mal fiel es 1913 auf den 23. März. Das hängt mit dem Mond zusammen – und lässt sich über die Osterformel berechnen. Doch warum wird das Fest nicht einfach an einem festen Termin zelebriert?

          Für einen Bestseller taugt sein Titel kaum, seine Auflage schon gar nicht – enorm ist sein Einfluss dennoch. „Astronomische Grundlagen des Kalenders für das Jahr 2008“ heißt das Buch. Rund 400 Exemplare sind verkauft worden, vor zwei Jahren schon. Die Abnehmer, Kalenderfabrikanten, müssen schließlich rechtzeitig die Termine von Festtagen, Dauer von Mondphasen und Zeitpunkte von Sonnenaufgängen erfahren, bevor die Druckmaschinen anlaufen. Dafür sorgt seit 1946 alljährlich das Astronomische Rechen-Institut Heidelberg als Herausgeber. Für rund 60 Euro ist das Zahlenwerk dort zu haben. Millionen Taschen-, Bild- und Tischkalender beruhen auf seinen Vorgaben.

          Das hundertseitige Kompendium für dieses Jahr verzeichnet ein bisher einmaliges Ereignis in der Geschichte des Instituts: Ostern liegt auf dem 23. März. Das ist der zweitfrüheste Termin, der überhaupt möglich ist. In den 51 Jahren zwischen 1980 bis 2031 ist es das früheste Osterdatum. Zuletzt fiel das höchste Fest der Christenheit im Jahr 1913 auf einen 23. März. Damals kümmerte sich noch das „Königlich Astronomische Rechen-Institut“ in Berlin, der Vorgänger der Heidelberger Einrichtung, um die Berechnung des Kalenders für das Deutsche Reich. Es erfüllte von Amts wegen die Aufgabe, die das Heidelberger Rechen-Institut heute nur noch um der Tradition Willen fortsetzt, ohne offiziellen Auftrag.

          Dank „Osterformel“ von Gauß ein Kinderspiel

          Der Heidelberger Astronom Reinhold Bien beschäftigt sich seit nunmehr 15 Jahren mit der Berechnung des Kalenders. Eine komplizierte Aufgabe, die er heute weitgehend mit Hilfe von Computern löst. Man benötigt nur noch die Jahreszahl und einen Schätzwert für die Verlangsamung der Erdrotation, der Rest ist dann in wenigen Sekunden erledigt. Drei Tage dauert anschließend die Auswertung der Daten, bis der komplette Kalender vorliegt.

          Ostern fällt auf den ersten Sonntag nach Frühlingsvollmond
          Ostern fällt auf den ersten Sonntag nach Frühlingsvollmond : Bild: picture-alliance/ dpa

          Die Berechnung des Ostertermins ist für den Computer ein Kinderspiel – dank Carl Friedrich Gauß, jenem Mathematiker, der früher den Zehnmarkschein zierte und dem jüngst der Schriftsteller Daniel Kehlmann in „Die Vermessung der Welt“ auch zu literarischem Glanz verhalf. Er entdeckte im Jahr 1800 die „Osterformel“. Mit diesem Algorithmus lässt sich für ein beliebiges Jahr der Ostertermin berechnen. Biens Computerprogramme fußen immer noch auf Gauß’ Algorithmus.

          Er hilft indes nur herauszufinden, wann Ostern ist. Warum es seiner überhaupt bedarf und Ostern nicht einfach wie Weihnachten an einem festen Termin gefeiert wird, beantwortet nicht der astronomische Kalender, sondern das Handbuch der Kirchengeschichte. Es führt zu den jüdischen Wurzeln des Christentums. Die Evangelisten schildern Leiden und Tod Jesu vor der Kulisse des Passahfestes. Die Juden begehen es jeweils am 14. des Monats Nisan zur Erinnerung an den Auszug aus Ägypten. Es fällt stets auf den ersten Frühlingsvollmond. Die Termine für dessen Auftreten sind nun im christlichen Kalender anders als im jüdischen an keinen festen Termin gebunden und deshalb variabel.

          35 Termine fürs Fest der Auferstehung

          Das frühe Christentum kannte allerdings zunächst noch keinen einheitlichen Termin für das Fest der Auferstehung des Herrn. Es fiel zum Teil noch mit dem Passahfest zusammen. Erst seine Loslösung von der Synagoge führte nach heftigen Konflikten zu einer Trennung der beiden Feste. Das Konzil von Nizäa bestätigte im Jahr 325, dass Ostern stets am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond zu feiern sei. Die Wahl des Sonntags lag nahe, weil er nach dem Zeugnis der Evangelien der Tag der Auferstehung Jesu ist. Die Konzilsväter wollten so den christlichen Aspekt des Festes hervorheben.

          Der nach Papst Gregor XIII. benannte gregorianische Kalender legte seit 1582 endgültig fest, dass der Tag des Frühlingsbeginns stets am 21. März anzusetzen sei, wie es seit dem frühen Mittelalter üblich war. Auf diesen Tag fiel der Frühlingsbeginn in ebenjenem Jahr 325, als das Konzil von Nizäa tagte, das als eines der bedeutendsten der Kirchengeschichte gilt. Eine theologische Referenz mit kalendarischen Konsequenzen. Auf diese Weise kommen nun vereinfacht gesagt die 35 möglichen Ostertermine vom 22. März bis zum 25. April zustande. Falls der Frühlingsvollmond auf den 21. März fällt und dieser ein Sonntag ist, wurde festgelegt, dass Ostern auf dem darauffolgenden Sonntag zu feiern sei.

          Ein Ärgernis für Karnevalisten

          Nicht alle Ostertermine sind indessen gleich häufig. Die frühen bis zum 28. März sowie die späten vom 21. April sind seltener, als die übrigen – in diesem Fall aus mathematischen, nicht aus theologischen Gründen. So ist Ostern seit der Einführung des gregorianischen Kalenders erst zweimal, in den Jahren 1799 und 1940, auf den 24. März gefallen, auf den 23. März immerhin schon siebenmal. Das frühe Datum bringt für den Normalbürger – nicht für den Astronomen – einige Unannehmlichkeiten mit sich.

          Eine so kurze Session wie in diesem Jahr mussten die Karnevalisten lange nicht mehr verkraften. Und weil auch Christi Himmelfahrt, Pfingsten und Fronleichnam vom Ostertermin abhängen, wird den Arbeitnehmern auch noch ein Feiertag – vulgo freier Tag – weggenommen: Himmelfahrt und „Tag der Arbeit“ fallen in diesem Jahr höchst unglücklich auf den 1. Mai zusammen. Vielleicht hilft der zusätzliche Arbeitstag ja der rezessionsangstgeplagten Wirtschaft.

          An einem 23. März wird Ostern erst wieder im Jahr 2160 gefeiert. Der Kalender für das in der Ferne liegende Jahr ließe sich zwar theoretisch ohne Schwierigkeiten jetzt schon berechnen. Im Astronomischen Rechen-Institut Heidelberg wartet man allerdings lieber noch ab. Man könne ja schließlich nie wissen, meint Bien, welche Feiertage überleben werden.

          Quelle: F.A.Z.

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