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„Free Fighting“ „Die Leute wollen Blut sehen“

„Freefight“ ist ein Mix aus Ringen, Boxen und Taekwondo - und kommt mit wenigen Regeln aus. In Amerika bricht der Kampfsport sämtliche Rekorde. Bald auch bei uns?

© AP Vergrößern Brock Lesnar schlägt während eines „Freefight”-Kampfes auf Randy Couture ein

14 500 Zuschauer, die Garden Arena im MGM Grand Hotel ist ausverkauft. Durchschnittlicher Ticketpreis: 300 Dollar. Freefight, WM-Kampf im Schwergewicht: Randy Couture, 45 Jahre, 100 Kilo, gegen Brock Lesnar, 31 Jahre, 120 Kilo. Zweite Runde, zweite Minute. Lesnar trifft seinen Gegner mit einer schweren Rechten am Kopf, Couture bricht zusammen, liegt auf dem Rücken, Lesnar stürzt sich auf ihn und schlägt mit der Rechten auf den Kopf des Wehrlosen: einmal, zweimal, dreimal, viermal, fünfmal, sechsmal, siebenmal, achtmal, neunmal, zehnmal, elfmal, zwölfmal, dreizehnmal. Dann beendet der Ringrichter den Kampf. Ein Skandal?

Nicht in Las Vegas, nicht beim Freefight, wo es auch nach schwersten Kopftreffern üblich ist, auf den am Boden Liegenden einzuschlagen. In Deutschland hat man bei einer als Sport deklarierten Großveranstaltung solche Bilder noch nicht gesehen, aber das wird sich ändern. Am 13. Juni will die Ultimate Fighting Championship (UFC), ein Privatunternehmen mit Sitz in Las Vegas, ihre boomende amerikanische Disziplin in der Köln-Arena präsentieren. Der martialische Kampfsport-Mix soll nach Gastspielen in Kanada, Japan, Brasilien, England und Irland nun auch den deutschen Markt erschließen; Italien, Frankreich, Spanien, Dubai und die Philippinen sollen folgen. Ziel der UFC ist eine weltumspannende Kampfserie - die Invasion der Gladiatoren.

Schreckensbilder weitab vom Sport

Die erste UFC-Veranstaltung in Deutschland wird vom Frankfurter Impresario Marek Lieberberg organisiert, der sonst Superstars wie Madonna oder Bruce Springsteen auf die Bühne bringt. Lieberberg hat von der UFC den Auftrag erhalten, in Köln einen „Big Bang“ zu veranstalten, der die UFC hierzulande mit einem Schlag bekanntmachen soll. Die Amerikaner sind zuversichtlich, dass ihr Produkt bei uns einschlagen wird, auch wenn ein solcher Kampfabend den Zuschauern in seinen brutalsten Momenten - und Lesnars Aktion gegen Couture ist kein Einzelfall - Schreckensbilder weitab vom Sport liefert.

freefight: Randy Couture © AP Vergrößern Randy Couture

In den Vereinigten Staaten ist Freefight ein Riesengeschäft. Bis zu einer Million Pay-per-View-Kunden zahlen pro Kampfabend rund fünfzig Dollar, das brachte der UFC 2007 bei elf meist ausverkauften Großveranstaltungen 250 Millionen Dollar in die Kasse. Hinzu kommen die Einnahmen aus dem Ticketverkauf sowie weitere 250 Millionen Dollar aus sonstigen Verkaufs- und Marketingerlösen, Tendenz in allen Bereichen stark steigend.

Faustschläge am Boden sind erlaubt

Das Forbes-Magazin schätzt den Wert der UFC auf eine Milliarde Dollar. Keine schlechte Entwicklung: 2001 hatten Lorenzo Fertitta und sein Bruder Frank zwei Millionen Dollar für die UFC gezahlt, die praktisch pleite war. Die Kämpfe, seinerzeit ohne Regeln, waren nach und nach überall in den Vereinigten Staaten verboten worden, treibende Kraft und schärfster Gegner des „menschlichen Hahnenkampfes“, der nicht in einem Boxring, sondern in einem Drahtkäfig veranstaltet wird, war der republikanische Senator John McCain, der als Präsidentschaftskandidat Barack Obama unterlag. Nachdem die Fertittas das insolvente Label übernommen hatten, führten sie Gewichtsklassen, Doping- und Gesundheitskontrollen sowie die notwendigsten Regeln ein, um wieder Veranstaltungen genehmigt zu bekommen. Stiche in die Augen und Kopfstöße sind seither verboten, ebenso Tiefschläge und Tritte an den Kopf eines liegenden Gegners. Faustschläge am Boden aber blieben erlaubt.

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