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Frauenversteher : Welcher Mann darf’s sein?

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Ist der Mann über die Jahrzehnte immer weiblicher geworden? Reden Sie endlich mit! Bild: Felix Schmitt

Wieder mal ist eine Debatte der Geschlechter entbrannt – über zu weiche Männer. Sie haben dazu noch keine Meinung? Wir helfen: Mit unseren Textbausteinen erstellen Sie sich Ihren ganz persönlichen Debattenbeitrag.

          Eine Freundin von mir hat vor kurzem in einer Bar in Berlin-Mitte / beim Ayurveda-Kurs / an der Kasse im Bio-Supermarkt einen jungen Mann kennengelernt. Er sah nicht schlecht aus, trug allerdings eine dicke Hornbrille / einen komischen Bart / ein Herrenhandtäschchen / ein Tragetuch mit Baby um den Bauch. Sie haben sich dann verabredet und sind zusammen in eine Bar in Berlin-Mitte / den Ayurveda-Kurs / den Bio-Supermarkt gegangen.

          Dort saßen schon viele andere Typen mit Hornbrillen / Bärten / Handtaschen / Babys. Es war ein netter Abend, auch wenn es meine Freundin leicht irritierte, dass sie selbst Prosecco trank und er Apfelschorle / grünen Tee / gar nichts / ebenfalls Prosecco.

          Meine Freundin merkte schnell, dass der Typ irrsinnig gut zuhören / reden / nachdenken / einfach nur so dasitzen konnte. Weil er ihr ganz gut gefiel, suchte sie immer wieder Blickkontakt, er aber suchte nur den Notausgang / sich selbst / seine Brieftasche / irgendeinen Sinn in alledem.

          Und als sie darauf wartete, dass er ihr endlich einen Kuss gab, gab er ihr die Hand / seine Karte / noch einen aus. Nicht einmal zu einer Umarmung zum Abschied kam es, weil er seine persönliche Distanzzone nicht verletzten wollte / seine Strickjacke nicht zerknittern wollte / dieses Baby vorm Bauch trug. Allein und frustriert ging meine Freundin ins Bett / ins Kloster / gleich in die nächste Kneipe.

          Der Mann trägt heute eine Hornbrille / einen komischen Bart / ein Baby um den Bauch.

          So wie ihr ergeht es vielen Frauen: Sie suchen einen Partner, doch die Männer wollen immer nur das eine / das andere / reden / kuscheln. Sobald ein Kerl nett ist, ist er mit Sicherheit homosexuell / metrosexuell / asexuell / virtuell. Der moderne Mann spielt niemals mit dem Feuer, sondern melancholische Tim-Bendzko-Songs auf der Gitarre / auf seinem iPhone herum / auf Zeit. Er steht zu seinen Gefühlen / auf Kuschelrock / im Abseits, aber nicht mehr seinen Mann.

          Nicht einmal mehr beim Einparken sind die Männer den Frauen überlegen, weil sie immer mit dem Fahrrad fahren / Verkehr in jeglicher Form ablehnen / den unverdienten Vorteil ihrer besseren räumlichen Vorstellung nicht ausspielen wollen. Und wenn ihnen eine Frau zu nahe kommt, nehmen sie sofort eine Aspirin / Reißaus / Elternzeit: ein klarer Fall für Freud / Dr. Sommer / eine reizende indische Ärztin aus den Vereinigten Staaten.

          Und wer ist schuld an der ganzen Misere? Natürlich die Gesellschaft / die Gene / Alice Schwarzer / Christian Wulff / Mama. Und starke Frauen, die gegenüber den Männern den Ton angeben, wie Angela Merkel / Victoria Beckham / Bettina Wulff. Die jahrzehntelange Kritik am Macker / Macho / Matthäus hat den modernen Mann zum Weichei / Waschlappen / Warmduscher werden lassen.

          Dabei würden sich Frauen auch heute noch freuen, wenn ihnen einer mal den Hof macht / die Tür aufmacht / den BH aufmacht, obwohl sie das selbstverständlich allein können. Nichts gegen Frauenversteher, doch verstanden fühlen sie sich längst genug: Insgeheim wünschen sie sich echte Typen mit Haaren auf der Brust / auf den Zähnen / in Nase und Ohren.

          Insgeheim wünschen Frauen sich echte Typen mit Haaren auf der Brust / auf den Zähnen / in Nase und Ohren.

          Wie aber sollen Männer sich stark und mächtig fühlen, wenn Frauen heute viel zu hohe Ansprüche / Gehälter / Absätze haben? Dank der Emanzipation / des Feminismus / der Frauenparkplätze / Christian Wulff genießen Frauen heutzutage mehr Freiheiten als je zuvor, sie wollen selbst wählen zwischen Kind und Karriere / Beruf und Familie / Beruf und Karriere.

          Wären da nur nicht die Männer mit ihrer Bindungsschwäche / Entscheidungsschwäche / Rechtschreibschwäche. Wenn man ihnen die essentielle Frage stellt, nämlich: Wollen wir zusammenziehen / ein Kind machen / Schluss machen / noch einen trinken gehen, dann legen sie ganz schnell auf / sich einfach nicht fest / sofort sämtliche Kleider ab / sich wieder schlafen.

          Und wer ist schuld an allem? Die Gene / die Gesellschaft / Mama / Christian Wulff.

          Zugegeben: Ganz neu ist es nicht, das Phänomen der weichen, weinerlichen Männer, die jegliches Machotum verabscheuen und immerzu passiv bleiben. Angefangen hat es schon mit Goethes "Werther" / Grönemeyers "Männern" / Gandhi. Zuletzt wurde eine breitere Öffentlichkeit mit dem neuen Männertyp konfrontiert, als Rainer Langhans ins Dschungelcamp zog / James Blunts "You're beautiful" in der Endlosschleife lief / Philipp Rösler FDP-Chef wurde.

          Wir nun sind die erste / zweite / dritte / vierte / fünfte Generation, die den Missstand so offensiv anprangert. Es ist höchste Zeit, etwas zu tun, schließlich tickt die biologische Uhr / die demographische Bombe / der Mann nicht ganz richtig / die Frau bald aus. Mögliche Wege, die Männer wieder auf Vordermann zu bringen, gibt es ja genug: Man könnte sie zum Beispiel alle wieder zum Bund / in eine Mario-Barth-Show / zum Teufel schicken.

          Unerklärlich scheint derweil noch eine Frage: Sobald eine Frau in irgendeine Vorstandsetage strebt, versperren ihr dort haufenweise Männer den Weg, die komischerweise überhaupt keine Hornbrillen / Handtäschchen / Babys tragen. Wo kommen die nur alle her?

          Der Autor / die Autorin, Jahrgang 1972 / 1982 / 1992 / 2002, arbeitet als Buch-Autor(in) und Journalist(in) / PR-Berater(in) und Eventmanager(in) / DJ und Blogger(in) und lebt in Berlin-Mitte / Berlin-Prenzlauer Berg / Berlin-Mitte, Paris und London / Wunsiedel, plant aber einen Umzug nach Berlin-Mitte.

          Ghostwriter: Jörg Thomann

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