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Frankreich Foltermord: Youssouf Fofana fand problemlos Helfer

29.04.2009 ·  Sie nannten sich die „Bande der Barbaren“ und quälten einen Juden, weil er Jude war. 27 Menschen sind nun wegen Entführung, Folter und Mord in Paris angeklagt.

Von Michaela Wiegel, Paris
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Youssouf Fofana hat sich einen Bart wachsen lassen, trägt einen weißen Trainingsanzug und begrüßt den Gerichtssaal mit einem lauten „Allahu Akbar“. Am Mittwoch ist der Prozess gegen den in der Elfenbeinküste geborenen 28 Jahre alten Franzosen eröffnet worden, drei Jahre nach der Entführung und dem Foltermord, die das Land erschütterten. Fofana nannte sich damals „the brain of the barbarians“ (das Hirn der Barbaren), auf Englisch, als sei er einem Computerspiel entstiegen. Das Verbrechen, das er mit seiner „Bande der Barbaren“ in einem Pariser Vorort beging, war freilich alles andere als ein Spiel. Sein Opfer, Ilan Halimi, wurde in der Nähe eines Bahndamms gefunden, halbnackt und blutend, übersät mit Brand- und Schlagwunden. Ilan Halimi starb noch im Krankenwagen.

Wegen „Entführung, Folter und Mord“ vor dem Pariser Schwurgericht

Jetzt müssen sich Fofana und 26 mutmaßliche Mittäter wegen „Entführung, Folter und Mord“ vor dem Pariser Schwurgericht verantworten. Bei der Prozesseröffnung weigerte sich Fofana, seinen Namen zu nennen. Er heiße „afrikanische barbarische Armee der salafistischen Revolution“, sagte er. Als Geburtsdatum nannte er den 13. Februar 2006, jenen Tag, an dem Ilan Halimi den Tod fand. In die Anklage gegen Fofana wurde als erschwerender Umstand Antisemitismus aufgenommen. Denn das damals 23 Jahre alte Opfer Fofanas war Jude. Musste Ilan Halimi sterben, weil er Jude war?

Die Pariser Staatsanwaltschaft hatte das zunächst bezweifelt und den Tätern einen „Nullpunkt des Denkens“ unterstellt. „Hätte man denen gesagt, dass Marsmenschen reich seien, dann hätten sie versucht, einen Marsmenschen zu entführen“, formulierte ein Untersuchungsrichter seine Eindrücke nach den ersten Vernehmungen. Aber schließlich setzte sich auch in der Staatsanwaltschaft die vorherrschende öffentliche Wahrnehmung durch, dass antisemitische Motive bei dieser Erpressung im Spiel waren. Fofana hatte ausgesagt, Halimi sei entführt worden, weil „Juden reich sind“. Als sie später brennende Zigaretten auf den Unterarmen ihres gefesselten Opfers ausdrückten, sagten Halimis Folterer: „Wir mögen keine Juden.“ Das gab einer der Angeklagten im Polizeiverhör zu Protokoll.

Auch in Bagneux macht sich ein neuer Rassismus bemerkbar

Der Prozess, das glauben nicht nur jüdische Interessenverbände, wird ein Schlaglicht auf die allgemeine Verrohung in der Einwanderungsgesellschaft richten, von der besonders die verarmten Vororte betroffen sind. Bagneux im Süden von Paris, wo Halimi drei Wochen lang in einer Wohnung, später in einem Kellerverlies gefoltert wurde, zählt nicht zu den schlimmsten Problemvierteln. Bei den Vorstadtkrawallen im November 2005 brannten dort nur drei Autos. Aber auch in Bagneux macht sich ein neuer Rassismus bemerkbar, der das Spiegelbild der gewohnten Erscheinungsform ist. So fiel es Fofana offenbar leicht, Helfer für seinen Plan zu finden, Halimi in die Falle zu locken und Geld von seiner Familie zu erpressen. Die 17 Jahre alte Emma etwa, ein hübsches, aus Iran stammendes Mädchen, war sofort bereit, Halimi mit einer Scheinverabredung in die Gewalt der „Bande der Barbaren“ zu locken. Sie konnte sich nicht durchringen, die Polizei zu benachrichtigen, was sie jetzt zu bereuen angibt.

Ruth Halimi, die Mutter des Opfers, fordert eine öffentliche Gerichtsverhandlung, um eine „pädagogische Wirkung“ zu erzielen. Doch weil einige der Angeklagten zum Tatzeitpunkt minderjährig waren, hält das Gericht bislang daran fest, die Öffentlichkeit auszuschließen. In einem Buch „24 Tage, die Wahrheit über den Tod von Ilan Halimi“ hat Ruth Halimi eine Debatte über Ermittlungspannen und angebliche Justizfehler herbeigeführt. Weitere Aufmerksamkeit zieht der Prozess wegen Fofanas Anwälten auf sich: der Ehefrau des Terroristen „Carlos“, Isabelle Coutant-Peyre, und Saddam Husseins Verteidigers Emmanuel Ludot. Der Prozess soll am 10. Juli enden.

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Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

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