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Veröffentlicht: 08.12.2012, 19:23 Uhr

Franka Potente Ihr Haus, ihre Stadt, ihr Leben

Sie küsste Johnny Depp, löffelte Nutella mit Matt Damon und schien ein deutscher Weltstar werden zu können. Doch Franka Potente ging zurück nach Berlin. Nun lebt sie wieder in L.A., dreht Serien - und fühlt sich endlich in Amerika heimisch.

von Nina Rehfeld, Los Angeles
© ddp images/AP/Charles Sykes Ein Häuschen in L.A.: Franka Potente ist in Amerika angekommen

Vor gut zehn Jahren saß Franka Potente im Berliner Hotel Adlon und blätterte durch Alben mit Fotos, die sie während der Dreharbeiten zu den Filmen „Blow“ mit Johnny Depp und „The Bourne Identity“ mit Matt Damon gemacht hatte. Man sah sie mit ihren Filmpartnern am Strand und bei Gala-Veranstaltungen in Los Angeles, so ein Fotoalbum hat nicht jeder. Doch von dem „Hollywood-Durchbruch“, zu dem man ihr rechts und links gratulierte, schien sie damals nichts wissen zu wollen. Dieser Hype sei weitgehend ein „Trugschluss“, sagte sie, und: „Ich habe noch immer kein Häuschen in L.A. und werde das auch mit Sicherheit nie haben. Das ist eine so grauenhafte Stadt - schrecklich!“

Nun sitzt Franka Potente im Intercontinental-Hotel in Los Angeles. Eben hat sie in einer Pressekonferenz zu der Fernsehserie „American Horror Story“, in der sie zu sehen ist, einer internationalen Journalistenschar Rede und Antwort gestanden. Und mittlerweile hat sie nicht nur ein Häuschen in L.A., sondern auch einen amerikanischen Ehemann und eine bald zweijährige Tochter, die sie in Los Angeles großzieht. „Naja“, sagt sie, ein zurückhaltendes Lächeln auf dem Gesicht, „es ist ja inzwischen viel Wasser den Bach runtergegangen. Und der Ort, an dem ich bleiben will, ist ja erst mal ein Mensch.“

Verheiratet, eine Tochter

Derek Richardson heißt der, er ist ebenfalls Schauspieler - er hat eine Dauerrolle in Charlie Sheens neuer Sitcom „Anger Management“ - und zwei Jahre jünger als sie. Die beiden lernten sich 2009 bei den Dreharbeiten zu „Dr. House“ kennen. Seit dem vergangenen Sommer sind sie verheiratet, Töchterchen Polly kam im April 2011 zur Welt. „Mein Mann spricht kein Deutsch, wir sind beide Schauspieler, also bleiben wir hier, ganz einfach“, sagt Franka Potente. Zu Hause sei da, wo Herz und Familie sind, und das sei jetzt eben L.A.

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„Ich lebe hier seit drei Jahren ganz normalen Alltag“, sagt Potente. „Mit Familie ist man ganz schnell in der Community eingebunden, da hast du dein Leben, deinen Rhythmus.“ Sie grinst und fügt im Dialekt ihrer letzten Wahlheimat Berlin zu: „Ich habe heute morgen um acht Uhr Tische uffjebaut im Kindergarten, weil die Halloween jefeiert haben.“

Durch Berlin war Potente in „Lola rennt“ gehetzt, der Film hatte sie zum Star gemacht, hier begann ihre Beziehung zum Regisseur Tom Tykwer. Sie sei, sagte sie, als wir sie im vergangenen Jahr zu einem Gespräch trafen, ein Stadtmensch. Einmal habe sie versucht, in Spanien auf dem Land zu leben, „das hat überhaupt nicht funktioniert. Leben möchte ich städtisch.“ Insofern ist Los Angeles als Wohnort gar nicht so verkehrt.

Ein Band mit Kurzgeschichten

Neben der Gastrolle in „American Horror Story“ hat sie ein festes Engagement in der Serie „Copper“, die im New York um 1860 spielt und in Toronto produziert wird. Und dann ist da noch ihre andere Passion, die Schriftstellerei: „Ich mag das tiefe Freiheitsgefühl bei der Arbeit - ich sitze da, und es passiert, was ich will.“ Sie hat einen Band mit Kurzgeschichten veröffentlicht und schreibt an einem Roman „über einen Mann Mitte Vierzig in Los Angeles“, mehr will sie nicht sagen. Kommendes Jahr ist Abgabetermin. „Ganz ehrlich, in der Schauspielerei habe ich weit mehr erreicht, als ich mir am Anfang wünschen oder vorstellen konnte“, sagte sie im vergangenen Jahr. „Ich muss jetzt nicht noch einen Oscar gewinnen, wird wohl auch nicht passieren.“

Als „Lola rennt“ 1999 den Publikumspreis beim Sundance-Festival gewann, blitzte Potente auf dem Hollywood-Radar auf. „Ich konnte unter den Agenten, die da angerannt kamen, auswählen“, erinnert sie sich. „Der Agent besorgt dir einen Manager, und so läuft das dann.“ Plötzlich war sie drin im „dem Members-Only-Club, der Hollywood eigentlich ist“. Es folgten die Dreharbeiten mit Depp zu „Blow“, bei denen sie sich nach der Kuss-Szene erstmal einen Jägermeister genehmigte. Dann der Dreh mit Damon zu „The Bourne Identity“ in Berlin, wo sie mit dem Amerikaner heimlich Nutella löffelte, um sich über das rigorose Fitnessregime des Films hinwegzutrösten. Und es gab die Beziehung mit Elijah Wood, der damals dank der „Herr der Ringe“-Trilogie zu Hollywoods Topstars zählte.

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