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Fragen zur Zeitumstellung „Die Uhren könnten auch einmal stehenbleiben“

26.10.2007 ·  Zweimal im Jahr werden die Uhren mittels eines Zeitsignals um eine Stunde verstellt - so wie an diesem Sonntag. Der Prozess ist automatisiert und arbeitet seit Jahren fehlerfrei. Doch es könnte auch mal etwas schiefgehen.

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In der Nacht zum Sonntag beginnt in Deutschland wieder die Winterzeit. Zeitgleich mit allen anderen EU-Staaten und den meisten anderen europäischen Nachbarn werden die Uhren um 03.00 Uhr morgens um eine Stunde zurückgestellt. Die Nacht „verlängert“ sich also und verspricht eine Stunde mehr Schlaf. Im nächsten Jahr werden die Uhren zum Beginn der Sommerzeit am 30. März wieder um eine Stunde vorgestellt.

Taktgeber für den Wechsel von Sommer- zu Winterzeit ist die Atomuhr der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig. Über einen Sender werden die Signale übertragen, durch die sich Funkuhren automatisch umstellen. Der Prozess ist automatisiert und arbeitet seit Jahren fehlerfrei. Doch es könnte auch mal etwas schiefgehen. Im Interview beantwortet der Physiker Ekkehard Peik Fragen zur Zeitumstellung.

Herr Peik, Sie sind heute Nacht für die Umstellung von Sommer- auf Winterzeit verantwortlich. Wie machen Sie das?

Das läuft über den Langwellensender DCF 77 in Mainflingen bei Frankfurt. Der wird von uns betrieben, also von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt, die für die Realisierung und Verbreitung der gesetzlichen Zeit in Deutschland zuständig ist. In Mainflingen wird die Zeit heute Nacht automatisch umgeschaltet, und das neue Signal wird an alle Funkuhren in Deutschland gesandt.

Sie selbst werden nicht gebraucht?

Im Grunde nicht. Es läuft alles automatisch. Wir stellen mit Hilfe von Atomuhren das Zeitsignal her, das über den Langwellensender in Mainflingen ausgesendet wird. Dort gibt es drei Uhren und sogenannte Code-Generatoren, die die Zeitinformation so aufbereiten, dass sie über den Sender verbreitet werden kann. Die Chips in den Funkuhren der Empfänger können dieses Signal entschlüsseln. Die Stunde von zwei auf drei Uhr wird es heute Nacht zweimal geben. Wir nennen die erste 2A und die zweite 2B.

Das war alles? Mit Verlaub, das klingt ein bisschen langweilig.

Das kann man so sagen. Es ist eben auf Zuverlässigkeit und Betriebsfähigkeit ausgelegt. Deswegen ist alles automatisiert.

Kann auch was schiefgehen?

Nichts ist vollkommen sicher. Es ist aber noch nie etwas passiert. Wir haben mehrere Uhren in Mainflingen, die miteinander verglichen werden. Wenn diese Uhren nicht mehr übereinstimmen, werden wir sofort alarmiert. Sie sind mit unseren Primäruhren in Braunschweig verbunden. Das sind die großen Atomuhren, die mit höchster Genauigkeit laufen.

Kann eine Atomuhr stehenbleiben?

Im Prinzip schon. Atomuhren enthalten Caesiumatome, und diese Atome sind Verbrauchsmaterial. Sie fliegen durch die Apparatur, und nach sechs oder sieben Jahren ist der Vorrat an Caesium verbraucht. Dann tauschen wir sie aus, sonst könnte die Uhr stehenbleiben.

Warum stellt man die Zeit um?

Das ist eine politische Festlegung. Wir machen das in Deutschland seit 1980. Es geht dabei in erster Linie um wirtschaftliche Vorteile, also um Energieeinsparung.

In den Vereinigten Staaten hat man aus diesem Grund im Jahr 2007 die Sommerzeit erstmals verlängert. Sie hat drei Wochen früher begonnen, und sie hört eine Woche später auf. Ist das sinnvoll?

Es gibt Studien, die zeigen, dass die längere Sommerzeit wohl keine signifikanten Einsparungen bringt. Durch eine höhere Mobilität und mehr Freizeitaktivitäten wird ähnlich viel Energie verbraucht wie durch die Beleuchtung.

Gibt es hierzulande Überlegungen, auf die Zeitumstellung wieder zu verzichten?

Das ist eine einheitliche europaweite Regelung. Ich gehe davon aus, dass sie erst einmal Bestand hat.

Was ist überhaupt die Zeit?

Das ist eine gute Frage. Für den Physiker ist sie eine grundsätzliche Koordinate. Sie ist die Größe in der Physik, die sich am präzisesten messen lässt. Atomuhren sind die genauesten Geräte, die je von Menschen gebaut wurden. Die Schwingungen der Atome senden elektromagnetische Wellen aus. Die zählen wir zu den universellen Eigenschaften der Atome und benutzen sie zur Definition der Zeitskala. Die Zeit ist wichtig für alle grundlegenden physikalischen Theorien, wie zum Beispiel die Relativitätstheorie von Albert Einstein.

Warum gibt es die Zeit?

Der amerikanische Physiker John A. Wheeler hat gesagt: "Zeit ist, was verhindert, dass alles auf einmal passiert!" Die Zeit ist diejenige physikalische Größe, die die Ereignisse voneinander trennt. Sie ist dafür verantwortlich, dass es vom Urknall bis heute eine Entwicklung gibt.

Das ist keine Erklärung im naturwissenschaftlichen Sinn.

Die kann es nicht geben. In unserem Universum gibt es die Zeit und den Ablauf der Zeit. Wie ein Universum ohne Zeit aussehen würde, das kann sich die Physik nicht vorstellen.

Die Fragen stellte Lena Bopp.

Quelle: F.A.Z., 27.10.2007, Nr. 250 / Seite 7
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