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Fragen an Vasanti Niemz, Ärmelkanal-Durchschwimmerin „Ich musste 18 Kilo zulegen“

 ·  34 Kilometer Schwimmen durch den Ärmelkanal, 300 Kilometer Radfahren und zuletzt noch zwei Marathons von jeweils 42 Kilometern: Vasanti Niemz hat den „Channel-Triathlon“ überstanden. Damit ist sie die erste Deutsche, die den Ärmelkanal gleich zweimal durchschwommen hat.

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Frau Niemz, Sie sind schon wieder zurück in Heidelberg. Haben Sie Ihren „Channel-Triathlon“ gut überstanden?

Vasanti Niemz: Ja. Ich bin nur zum Schluss mit neuen Schuhen gelaufen und habe jetzt Blasen an den Zehen und unterm Ballen. Das ist zwar nicht schlimm, die Füße müssen aber versorgt werden, was ich gerade mache.

Sie sind erst knapp 34 Kilometer durch den Ärmelkanal geschwommen, danach gut 300 Kilometer Rad gefahren, und zuletzt sind sie noch zwei Marathons von jeweils 42 Kilometern gelaufen.

Genau. Am Freitag um 3:55 Uhr Dover-Zeit ging’s los. Am Montag 15:27 Uhr erreichte ich mit nur einigen wenigen kurzen Ruhepausen dazwischen den Europaplatz in Aachen.

Damit sind Sie als erste Deutsche jetzt zum zweiten Mal durch den Ärmelkanal geschwommen. Was war anders als 1985?

Beim ersten Mal war die Faszination natürlich größer. Das ist ja oft im Sport so. Damals hatte ich nach der Hälfte das klare innere Gefühl, dass ich es schaffen würde. Diesmal – nach meinem Fehlschlag von 2008 – kannte ich die Schwierigkeiten besser und war mir bis zuletzt bewusst, dass die Strömung mir noch einen Strich durch die Rechnung machen kann. Außerdem bin ich dieses Mal direkt am Cap Gris-Nez angelandet, vor 25 Jahren war mein Landepunkt ein Sandstrand zwischen dem Cap und dem Ort Wissant.

Am Mittwoch wurde Ihre Zeit von der „Channel Swimming and Piloting Federation“ offiziell bestätigt: 16 Stunden 50 Minuten und 58 Sekunden. Der Rekord der schnellsten Frau liegt bei etwa siebeneinhalb Stunden.

Ich bin keine besonders schnelle Schwimmerin. Das war 2008 auch mein Problem: Da war ich zu dünn. Nach 13 Stunden wurde ich unterkühlt aus dem nur etwa 17 Grad kalten Ärmelkanal gezogen. Dieses Mal hatte ich mir genug „Biopren“, also Speck angefuttert.

Wie viel haben Sie zugelegt?

Seit 2008 gut 18 Kilogramm.

Das ist bestimmt nicht einfach, wenn man zugleich für einen Triathlon trainiert.

Doch. Ich musste ja nur mehr essen, als ich verbrenne. Mehr als eineinhalb bis zwei Stunden am Tag habe ich auch nicht trainiert – ausgenommen das lange Schwimmtraining an Wochenenden –, was wenig für einen Triathleten ist mit einem Pensum von bis zu fünf, sechs Stunden am Tag.

Was haben Sie gegessen? Viel Süßes?

Ich bin Vegetarierin und versuche, mich gesund zu ernähren – also viel Obst und Gemüse. Abends gab es aber auch schon mal mächtig Eiscreme oder Nudeln mit viel Sauce.

Ein Vierteljahrhundert liegen zwischen Ihren beiden Ärmelkanaldurchquerungen. Planen Sie noch eine weitere?

Mein Ziel 2008 war eigentlich Dover–Heidelberg – das wären noch einmal knapp 300 Kilometer mehr als bis nach Aachen. Damals bin ich aber schon im Wasser gescheitert. In diesem Jahr reichte es dann nur für Dover–Aachen. Doch die Idee, von Dover bis in meine Heimatstadt mittels eines Triathlons zu gelangen, habe ich noch nicht aufgegeben. Das will ich noch vor meinem 60. Geburtstag in sieben Jahren schaffen.

Und dann zum dritten Mal durch den Ärmelkanal schwimmen?

Ja, und hoffentlich noch schneller. Doch das ist nicht wirklich was Besonders. Die „Queen of English Channel“, die Britin Alison Streeter, ist schon 43 Mal von Dover nach Calais geschwommen. Worauf ich mich freue, ist ein noch längerer und perfekterer Triathlon. Diese Freude zu erfahren, die beim Hinauswachsen über sich selbst entsteht, das ist auch die Philosophie von unserem Sri Chinmoy Marathon Team. Und die Mitglieder sind zusammen immerhin schon 40 Mal durch die Meerenge zwischen England und Frankreich geschwommen.

Die Fragen stellte Peter-Philipp Schmitt

Quelle: F.A.Z.
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