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Foto-Handys : Angst vor Handy-Spannern in Schwimmbädern

Versteckte Kamera Bild: Motorola

Mit Foto-Handys lassen sich leicht auch unerlaubte Schnappschüsse machen, etwa in Umkleidekabinen. In Australien sind sie schon in vielen Schwimmbädern verboten - und in Deutschland wird man hellhörig.

          Als Handys nur zum Telefonieren da waren, gingen sie bereits vielen unfreiwilligen Zuhörern auf die Nerven. Jetzt kann man damit auch noch fotografieren, und bringt offenbar noch mehr Ärger mit sich. Verbotene Schnappschüsse aus Umkleidekabinen sind dem Bundesverband Deutscher Schwimmeister (BDS) ein Greuel, daher möchte er Foto-Handys am liebsten ganz in öffentlichen Schwimmbädern verbieten.

          Monika Ganster

          Redakteurin vom Dienst bei FAZ.NET.

          Das ist rechtlich nicht möglich, daher will der BDS mit neuen Warnschildern und verschärften Badeordnungen gegen Voyeure vorgehen, die mit Mobiltelefonen „schamverletzende“ Fotos oder Filmaufnahmen anderer Badegäste aufnehmen und auf Websites ins Internet stellen. Tenor: Fotografieren von Fremden ohne deren Einwilligung verboten.

          „Konkrete Fälle aus Deutschland sind uns zwar noch nicht bekannt“, räumt der BDS-Vorsitzende Paul Bröcher ein. Er vermutet jedoch, daß das Problem des Handy-Mißbrauchs in Bädern in der Bundesrepublik bisher einfach noch nicht erkannt wurde.

          Handy-Verbot in Australien

          In Australien ist man schon weitergegangen. In den Umkleidekabinen von rund 300 Turnhallen, Schwimmbädern und Sportzentren des YMCA (Christlicher Verein Junger Männer) sind Handys gänzlich verboten worden - nur der möglichen Fotos wegen. Der Direktor des australischen YMCA, Bob Nicholson, betonte, daß es auch dort keine konkreten Klagen gegeben hat: „Es ist eine Vorsichtsmaßnahme, keine Reaktion auf etwas, das bereits geschehen ist“. Der YMCA unterhält auf dem Fünften Kontinent am meisten Schwimmbäder und Sportanlagen. Die The Royal Life Saving Society of Australia hat ebenfalls Pläne, in ihren mehr als 3.000 öffentlichen Schwimmbädern ein ähnliches Verbot auszusprechen und empfahl, daß private Betreiber dem Beispiel folgen.

          Dem Verbot ging wenige Tage zuvor ein Handy-Foto auf dem Titelblatt eines Sonntagsblattes in Sydney voraus: Es zeigte den verurteilten Börsianer Rene Rivkin im Gefängnis, der dort unbemerkt abgelichtet worden war. Ein weiterer Fall hatte in Australien für Aufmerksamkeit gesorgt: Ein 27-Jähriger aus Melbourne hatte Mädchen im Alter zwischen zwei und zehn Jahren in der Umkleidekabine eines Schwimmbads heimlich gefilmt und das Material verkauft.

          Deutsche Datenschützer überrascht

          Die Initiative der deutschen Bademeister kommt hierzulande für Datenschützer noch überraschend. Vom Mißbrauch der Foto-Handys in Schwimmbad-Umkleiden hat man im Büro des Bundesbeauftragten für den Datenschutz, Joachim Jacob, noch nicht gehört. Allerdings kämpfen die Datenschutz-Experten seit langem gegen ein vergleichbares Unwesen mit den bereits länger existierenden Webcams in Umkleidekabinen von Kaufhäusern oder in Solarien. „Wir setzen uns dafür ein, daß solche heimlichen Bildaufnahmen endlich unter Strafe gestellt werden“, sagt die Sprecherin des Bundesbeauftragten. Bisher vergeblich. Allerdings seien drei Gesetzesinitiativen von Union, FDP und aus Baden-Württemberg auf dem Weg. Auch Voyeuren, die Kamera-Handys in Schwimmbädern mißbrauchen, drohten dann bis zu zwei Jahren Haft.

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