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Forschung : Der neue Präsident der Max-Planck-Gesellschaft

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Der Molekularbiologe Peter Gruss fordert mehr Geld für Grundlagenforschung und mehr Elitenbildung.

          Der Molekularbiologe Peter Gruss entspricht so gar nicht dem Klischee eines leicht weltabgewandten Forschers. Unter Kollegen gilt der 52-Jährige vielmehr als pragmatischer Macher, als Mann mit einem feinen Gespür für Außenwirkung und als sachlicher Spezialist, der die Forschung in der Öffentlichkeit ins richtige Licht setzen kann.

          Wer den international angesehenen und vielfach ausgezeichneten Wissenschaftler in seiner Freizeit erlebt, etwa als Zuschauer beim Basketball in Göttingen, kommt kaum auf die Idee, dem neuen Präsidenten der größten deutschen Institution für Grundlagenforschung gegenüber zu stehen. In Lederjacke und Jeans steht Gruss gerne locker plaudernd in größerer Runde. Dabei geht es dann aber meist doch nicht um Sport, sondern um die Rolle des Forschers als Präsident der Max-Planck-Gesellschaft.

          Mehr Geld für Grundlagenforschung

          Auch wenn sich der im hessischen Alsfeld geborene Gruss - zumindest öffentlich - zu seinen konkreten Plänen für die Max-Planck-Gesellschaft erst in seiner Antrittsrede äußern will, hat er die Richtung seit seiner Wahl im vergangenen Herbst doch deutlich vorgegeben: Er fordert mehr Geld für die Grundlagenforschung, will die Zusammenarbeit mit den Universitäten verbessern und der Öffentlichkeit die Wissenschaft verständlicher machen.

          Gruss will auch die besten Forscher nach Deutschland holen, um die heimische Wissenschaft konkurrenzfähig zu halten. „Wir brauchen die Elite“. In der Forschung ist es für den Sportfan wie im Spitzensport: „Nur der Erste gewinnt“. Ein wissenschaftlicher Befund sei nur neu, wenn er das erste Mal erhoben werde. „Beim zweiten Mal ist er schon alt“, sagt Gruss, der 1999 zusammen mit seinem Kollegen Herbert Jäckle für die Forschung über die genetische Steuerung der Zellentwicklung den Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten erhalten hat.

          Damit es tatsächlich gelingt, die besten Forscher an die Max-Planck-Institute zu holen, müsse ein anderes Tarifsystem für Wissenschaftler im öffentlichen Dienst her, verlangt Gruss. Forscher dürften nicht in das gleiche Tarifsystem eingebunden sein wie etwa die Mitarbeiter der Post. Nur mit ähnlich flexiblen Strukturen wie in den USA könne die deutsche Wissenschaft international konkurrenzfähig sein.

          Umzug von Göttingen nach Bayern

          In Göttingen, wo Gruss nach einem Forschungsaufenthalt in den USA und einer Professur in Heidelberg seit 1986 die Abteilung Molekulare Zellbiologie des Max-Planck-Institutes für biophysikalische Chemie geleitet hat, trauern die Kollegen dem neuen MPG-Präsidenten nach. Denn der 52-Jährige ist nicht nur innerhalb seines Institutes beliebt, er unterhält auch beste Kontakte zu Forschern aus anderen Wissenschaftsbereichen und hat mit viel Erfolg als Gastprofessor an der Universität gelehrt. „Weil die Aufgabe des MPG-Präsidenten ein Job rund um die Uhr ist“, verlässt Gruss Göttingen und zieht nach München um.

          Bayern dürfte ihm auch unabhängig von seiner neuen Aufgabe gefallen. Denn dort ist der begeisterte Skifahrer den Bergen näher. Dass dieses Hobby jedoch nicht immer ungefährlich ist, hat er im vorletzten Winter erfahren: Aus dem Skiurlaub kam Gruss mit einem Gipsbein zurück, zur Arbeit ging er - wenn auch humpelnd - trotzdem.

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