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Flutkatastrophe Deutsche Helfer sind im ganzen Katastrophengebiet im Einsatz

03.01.2005 ·  Zerstörte Verkehrs-und Kommunikationswege. Das sind die Probleme, mit denen sich deutsche Hilfsorganisationen nach der Seebebenkatastrophe in Asien auseinandersetzen müssen.

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Die deutschen Hilfsorganisationen haben zum Beginn der zweiten Woche nach der Seebebenkatastrophe in Asien mit den gleichen Schwierigkeiten zu kämpfen wie die weiteren Helfer aus aller Welt. Vor allem sind vielerorts im Katastrophengebiet die Verkehrs- und Kommunikationswege zerstört, und die dringend erforderliche Hilfe erreicht manche Gegenden noch nicht.

Dennoch ist es nach einer Woche der Soforthilfe und der Erkundung des dringendsten Bedarfs jetzt offenbar vielfach schon besser möglich, die von einer beispiellosen Spendenbereitschaft der Bevölkerung getragene Hilfe - bis zum Montag gingen rund sechzig Millionen Euro ein - effektiv einzusetzen. Im folgenden ein Überblick mit Stand vom Montag, der keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Unicef Deutschland

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen rief am Montag zu Spenden in Höhe von 81 Millionen Dollar für die etwa 1,5 Millionen Kinder in Südasien auf, die unter den Folgen der Flutwellen leiden. In den indischen Bundesstaaten Tamil Nadu und Kerala sollen insgesamt 115.000 Kinder gegen Masern geimpft werden. Die Krankheit kann in überfüllten Auffanglagern für Kinder tödlich sein. In Lagern bei Nagapattinam, Cuddalore, Kanyakumari und Pondicherry sind seit dem Wochenende vierzig Einsatzfahrzeuge unterwegs.

Die Helfer verteilen Salzlösungen gegen Dehydrierung, sauberes Wasser und Seife, um Durchfallerkrankungen hintanzuhalten. Auf Sumatra in Indonesien sind 200.000 Erste-Hilfe-Packungen mit Malariatabletten, Salzen und Wasserreinigungtabletten angekommen, von denen jede eine Person zwei Wochen lang medizinisch notversorgen kann. Unicef berichtet von großen Schwierigkeiten, die Lieferungen über die unzerstörte Stadt Medan oder die 400 Kilometer entfernte Provinzhauptstadt Banda Aceh hinaus ins Innere der Provinz zu den Opfern zu bringen. Die Organisation will sich in den kommenden Wochen auch um traumatisierte Kinder kümmern, die zu Waisen wurden. Zerstörte Schulen sollen sobald wie möglich wiedererrichtet werden.

Deutsches Rotes Kreuz

In den getroffenen Ländern sind mehr als 10.000 Helfer des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds im Einsatz. Nach Sri Lanka wurde eine Wasseraufbereitungsanlage gebracht, nach Aceh auf Sumatra (Indonesien) eine Basisgesundheitsstation für 20.000 Personen. Am Montag sollte dort ein drittes Flugzeug landen. Auf dem Rückflug werden deutsche Urlauber betreut. Auf den Suchdienstseiten des DRK im Internet sind derweil 650.000 Nachfragen eingegangen. Das DRK sieht sich erst am Beginn seines Asien-Einsatzes. Die Hilfe und der Wiederaufbau in den getroffenen Regionen werde Jahre dauern.

Deutscher Caritasverband

Der Verband hat seine Soforthilfe auf 4,3 Millionen Euro erhöht. Hunderte Helfer der lokalen Partnerorganisationen in den getroffenen Ländern sind weiter im Hilfseinsatz. Am Montag teilte der Verband mit, er wolle nicht nur Einheimischen, sondern auch Touristen helfen, die traumatsiert seien vom Verlust von Angehörigen oder immer noch in der Ungewißheit über deren Schiksal lebten.

Diakonisches Werk der EKD

Die Helfer in der indonesischen Provinz Aceh versuchen, sich zu den Opfern in entlegenen Teilen des Gebiets und auf vorgelagerten Inseln vorzuarbeiten. Es mangele aber an Treibstoff und Fahrzeugen, hieß es am Montag. Die Helfer brauchten Atemmasken gegen den Gestank von Verwesung und Schlamm. In Südindien und Sri Lanka laufe die Verteilung von Hilfsgütern auf Hochtouren. In Verteilzentren würden sauberes Wasser, Essen und Hygieneartikel ausgegeben. Auch in Somalia an der afrikanischen Ostküste sei die Hilfe angelaufen.

Technisches Hilfswerk (THW)

Am Montag flogen 37 Spezialisten für Trinkwasserversorgung und Infrastruktur in die indonesische Provinz Aceh. Sie haben Fahrzeuge, Kommunikationstechnik, Spezialgeräte und Werkzeuge dabei. In Aceh haben zwei Erkundungsteams des THW Verbindung aufgenommen mit den Stäben der Vereinten Nationen und der örtlichen Behörden. In den Katastrophengebieten Indonesiens, Sri Lankas, Thailands und auf den Malediven sind jetzt im Auftrag des Bundesinnenministeriums insgesamt 97 Spezialisten der Bundesanstalt THW im Einsatz.

Deutsche Welthungerhilfe

In Sri Lanka versorgt die DWHH in den nächsten Wochen 55.000 Personen mit Reis, Linsen, Trinkwasser, Kindernahrung, Kleidung und Decken. Hilfe für weitere 40.000 Personen ist geplant. Dank einer Spende des European Community Humanitarian Office (Echo) von mehr als einer Million Euro kann die DWHH mit einem Programm zur Wassersicherung und zum Bau von Latrinen beginnen. In Indien versorgt die Organisation etwa 20.000 Menschen in den Küstenregionen, vor allem Fischerfamilien. In Thailand arbeitet sie mit dem einheimischen Partner Thai German Development Foundation zusammen. Zwei Lastwagen transportieren Notpakete für 5.000 Personen an die Küste.

Kindernothilfe

Die Organisation hilft mehr als 70.000 Menschen an der Ostküste Sri Lankas. Seit Tagen sind Hunderte Helfer im Ensatz. Die größte Reichweite dort hat die Partneroganisation Leads, die von der Kindernothilfe mit einer halben Millon Euro unterstützt wird. Leads-Mitarbeiter tragen die Hilfsmittel zum Teil zu Fuß in die von der Außenwelt abgeschnittenen Dörfer. "Wir brauchen dringend Fertigklos. Die Leute verrichten ihre Notdurft im Freien, ein großes Krankheitsrisiko", berichtet Roshan Mendis, Einsatzleiter von Leads. Vielen ehemalige Kindertagesstätten und Schülerwohnheime der Kindernothilfe sind zu Anlaufpunkten für die Opfer geworden, die dort Nahrung und Decken erhalten.

Ärzte ohne Grenzen

Ein 16 Personen umfassendes Team von Ärzten hat in der indonesischen Sumatra-Provinz Aceh die Arbeit aufgenommen, in der Stadt Banda Aceh sind drei mobile Kliniken eingesetzt. Vier mobile Teams erkunden im Hubschrauber Ortschaften an der Nordwestküste Sumatras. Einwohner berichteten, dort seien vier Fünftel der Einwohner ums Leben gekommen. Möglichst viele Orte sollen so schnell wie möglich mit Nahrung und Wasser versorgt werden. In Banda Aceh sind 70 Tonnen Hilfsgüter von "Ärzte ohne Grenzen" angekommen. Im Nordosten des Landes sind acht Mitarbeiter auf dem Weg in die Stadt Batticalao. Im südlichen Distrikt Amparai - 500.000 Einwohner, medizinische Infrastruktur zerstört - sind dreizehn mobile Kliniken im Einsatz, Feldlazarette werden errichtet.

Ärzte für die Dritte Welt

Die in Frankfurt ansässige Organisation unter Leitung des Jesuitenpaters Bernhard Ehlen ist seit siebzehn Jahren in Südostindien bei den sogenannten Unberührbaren tätig. Für sie arbeiten Ärzte, die ihren Jahresurlaub im Einsatz für Patienten in Entwicklungsländern opfern. Aktuell konzentriert sich "Ärzte für die Dritte Welt" über Partnerorganisationen auf die Soforthilfe und die Seuchenbekämpfung im Gebiet um Chennai (Madras) und Madurai.

HELP- Hilfe zur Selbsthilfe

Mit 10.000 Euro in der Tasche waren zwei Mitarbeiter am 27. Dezember nach Colombo geflogen. Drei Tage später begannen sie damit, 10.000 Matratzen an 4.000 obdachlose Familien zu verteilen, die entlang der Südküste in Tempeln Zuflucht gesucht hatten und dort auf dem Fußboden schlafen mußten. Mittlerweile wurde die Hilfe auf 250.000 Euro aufgestockt, weitere Mitarbeiter werden auf Sri Lanka erwartet. In den nächsten Tagen sollen zudem Toiletten aufgestellt und verseuchte Brunnen repariert werden. HELP arbeitet eng mit den Lions-Clubs von Sri Lanka zusammen. HELP-Geschäftsführer Wolfgang Nierwetberg ist am Wochenende nach Sumatra geflogen, um dort weitere Hilfsvorheben in die Wege zu leiten.

Aktion Deutschland Hilft

Der Zusammenschluß von zehn kleineren deutschen Hilfsorganisationen wie etwa HELP, Care, World Vision, Johannitern, Maltesern und Arbeiter Samariter-Bund betreut mittlerweile 300 000 Personen in Sri Lanka, Indonesien, Thailand und Indien. Schwerpunkte: Wiederherstellung der Trinkwasserversorgung, Medikamentenlieferung und medizinische Versorgung, Betreuung von Obdachlosen. Bis zum Montag hatte die Aktion mehr als neun Millionen Euro Spenden gesammelt.

Misereor

Das Bischöfliche Hilfswerk unterstützt in Indonesien das "Urban Poor Consortium", dessen freiwillige Helfer auch in der Provinz Aceh Nahrungsmittel, Medikamente und Decken verteilen. Auch in Thailand, Indien und Sri Lanka ist Mieeor über Partner in der Soforthilfe tätig.

Johanniter

Zwei Helfer brachen am Montag nach Sri Lanka auf. Sie bauen Trinkwasseraufbereitungsanlagen auf, nehmen sie in Betrieb und schulen örtliche Kräfte in der Bedienung. Am Sonntag war der erste reine Johanniter-Hilfsflug mit einer gecharterten Antonov nach Sri Lanka gestartet. An Bord waren ein geländegängiger Krankenwagen, ein Geländewagen, Zelte, Decken, zwei Trinkwasseraufbereitungsanlagen, vier Wassertanks, 3.000 Paar Schuhe und Paletten mit Säuglingsnahrung.

Malteser

Großen Erfolg verzeichneten die Malteser mit ihrem Aufruf, daß sich Psychologen mit Erfahrung in der Betreuung traumatisierter Kinder zum Hilfseinsatz melden sollten. Am Montag meldete die Organisation, mittlerweile hätten sich mehr als 300 Hilfswillige gemeldet, und noch immer gingen Anrufe ein. Psychosoziale Unterstützung für heimkehrende Touristen leisteten die Malteser am Sonntag, als das Lazarettflugzeug der Bundeswehr aus dem thailändischen Phuket kommend auf dem militärischen Teil des Köln-Bonner Flughafens aufsetzte.

Humedica International

Insgesamt fünf Tonnen Medikamente und Verbandsstoffe haben die mittlerweile 15 Mitarbeiter in den Norden Sri Lankas gebracht. Humedica ist bei Point Pedro auf der Jaffna-Halbinsel tätig - im tamilischen Rebellengebiet - und verantwortlich für 5.000 Familien (etwa 15.000 Personen), verteilt auf 28 Flüchtlingslager. Unterstützt wird die Hilfsorganisation mit Sitz in Kaufbeuren inzwischen auch von "action medeor", "Apotheker ohne Grenzen" und dem "Hilfswerk der Bayerischen Apotheker". Neben der medizinischen Betreuung verteilen die ehrenamtlichen Helfer auch Nahrungsmittelpakete, Wasserentkeimungstabletten und Decken aus Deutschland. Die Spendenzusagen sind so groß, daß Humedica damit rechnet, noch in dieser Woche weitere zehn Tonnen Hilfsgüter - vor allem Milchpulver sowie Hunderte Paletten Verbandsstoffe und Medikamente - nach Colombo bringen zu können.

Quelle: wer., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.01.2005, Nr. 2 / Seite 6
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