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Flughafenlogistik : Die Kofferjongleure vom Kap

  • -Aktualisiert am

Da hinein paßt noch ein Koffer: Beladungsmanager in Kapstadt Bild: Andreas Spaeth

Sogar die Beladung innerdeutscher Flüge plant die Lufthansa in der Ferne. Beim Verladen der Koffer wird mit Experten in Südafrika telefoniert. Die Löhne sind für das Landesniveau hervorragend und für europäische Verhältnisse günstig.

          Noch zwei Stunden bis zum Abflug von LH 344 in Frankfurt zum kurzen Luftsprung nach Bremen. Der vierstrahlige Avro-Regionaljet der Lufthansa City Line wird heute gut gebucht sein, soviel kann Alesandra Treder jetzt schon sagen. Das Flugzeug hat 86 Sitzplätze, die wahrscheinlich alle besetzt sein werden. Zur Zeit ist das Flugzeug sogar um drei Plätze überbucht - denn fast nie erscheinen alle gebuchten Passagiere auch am Gate.

          Doch das kann der 28 Jahre alten Bremerin egal sein. Sie hat andere Sorgen: Wie läßt sich das Gepäck der Fluggäste und die Luftfracht so im Frachtraum verstauen, daß alles hineinpaßt und das Gewicht optimal verteilt ist? Wie kann die Trimmung der Maschine so ausgerichtet werden, daß sich ihr Schwerpunkt beim Start an der richtigen Stelle befindet und sie möglichst wenig Kerosin verbraucht?

          Wesentlich effizienter und kostengünstiger

          Solche Fragen muß die junge Frau bis zu 35 Mal am Tag lösen, denn so viele Flüge kann sie in ihrer achteinhalbstündigen Schicht höchstens abfertigen, manchmal sind es drei zur gleichen Zeit. Alesandra Treder ist Beladungsexpertin (Load Controller) bei der Lufthansa. Von ihnen gibt es bei der deutschen Fluggesellschaft einige hundert, die früher an jedem Flughafen saßen, den ein Lufthansa-Jet anflog.

          Seit 2003 zentralisiert man diese Funktion. In Frankfurt und München wurden Beladungs-Kontrollzentren eingerichtet, die auch für kleinere Stationen die Arbeit übernehmen. Das ist wesentlich effizienter und kostengünstiger.

          Die Mitarbeiter an Ort und Stelle werden statt dessen in der Passagierbetreuung sinnvoller eingesetzt. Doch das Zeitalter der Globalisierung kennt auch in der Luft keine Grenzen. Daher sitzt Alesandra Treder heute mit rund 20 weiteren diensthabenden von 70 Mitarbeitern rund 9900 Kilometer südlich von Frankfurt - mitten in Kapstadt.

          Häßlicher Komplex aus Apartheid-Zeiten

          Die Strand Street ist eine wichtige Verkehrsader. Die Minibusfahrer rufen zwischen Hotelriesen und exotischen Imbißständen lauthals ihre Fahrtziele aus. Der häßliche Komplex aus Apartheid-Zeiten, in dem das „Global Load Control Center“ der Lufthansa sitzt, beherbergt unten ein Einkaufszentrum, darüber mehrere Etagen mit Parkdecks. Erst im neunten Stock ist das bereits seit 1999 tätige Lufthansa-Call-Center mit 230 Mitarbeitern angesiedelt - und, gewissermaßen als Untermieter, das im Juli 2004 eingerichtete Beladungs-Kontrollzentrum.

          Rolf Pilgram, der Chef, legt Wert auf die Feststellung, daß es sich hier nicht um Outsourcing handelt. „Es handelt sich nur um eine Verschiebung von Arbeitsplätzen innerhalb der Lufthansa. Wir bieten hier 100 Prozent Lufthansa-Standard.“

          In Kapstadt ist die Produktivität höher

          Aber natürlich profitiert man von den Bedingungen Südafrikas: Die Löhne sind mit umgerechnet 750 bis 1100 Euro im Monat plus Zusatzleistungen für das Landesniveau hervorragend und für europäische Verhältnisse günstig. Statt der in Südafrika üblichen 15 Urlaubstage gibt es 21 - zehn weniger als in Deutschland. Gearbeitet wird rund um die Uhr, pro Mitarbeiter und Woche drei Stunden länger als in Frankfurt oder München.

          Mit 4500 abgefertigten Flügen pro Woche ist auch die Produktivität in Kapstadt höher. Bedingung für die Anstellung sind deutsche und englische Sprachkenntnisse - und diese Kombination ist am Kap häufig zu finden, zumal Kapstadt ein attraktiver Standort ist.

          „Lebenden Tropenfisch verladen“

          „Ich finde es aufregend, in Kapstadt zu sitzen und Flüge rund um die Welt zu schicken“, schwärmt Alesandra Treder. Von ihrem Arbeitsplatz sieht die gelernte Diplom-Kauffrau und Tourismus-Managerin den tiefblauen Himmel über dem Tafelberg und die Häuser am nahen Green Market Square, einem zentralen Platz der Innenstadt. Aus dem Radio tönt leise afrikanische Musik. Das Telefon klingelt.

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