25.09.2005 · Aufbruchstimmung? Fehlanzeige. Die südamerikanische Version der „Ampelkoalition“ klingt unangenehm vertraut. Auch sonst nicht viel Neues. Selbst die ponchotragenden Panflötenspieler können die Massen nicht mehr so begeistern wie früher.
Es ist zweifelhaft, ob es ratsam wäre, die „Ampelkoalition“ in „Bolivien-Koalition“ umzutaufen.
Aufbruchstimmung vermag der Name des übertrieben hoch liegenden Andenstaates nur bedingt zu vermitteln. Auch die Sympathiewerte des bekanntesten Exportartikels des Landes, nämlich Kleingruppen ponchotragender Panflötenbesitzer, die in Fußgängerzonen „El condor pasa“ spielen, befinden sich seit Jahren im stetigen Sinkflug.
Der vorletzte Präsident hieß irgendwas mit Sanchez (was soviel heißt wie Schröder auf spanisch) und machte sich durch „Reform- und Sparpolitik im Wirtschafts- und Sozialbereich“ sehr schnell sehr unbeliebt. Das kommt einem irgendwie bekannt vor und verheißt nichts Gutes. Immerhin beherrschte er im Gegensatz zu anderen die Kunst des Abgangs: Er trat zurück und setzte sich prompt in die Vereinigten Staaten ab.
Sein Nachfolger hat ständig Ärger mit unzufriedenen Koka-Bauern (dagegen hat es Renate Künast mit dem Bauernverband vergleichsweise einfach). Der bolivianische Lafo heißt übrigens Evo: Evo Morales. Der würde am liebsten alles verstaatlichen, was es in Bolivien gibt.
Das heißt außer Ponchos vor allem Erdgas und -öl. Seine Bewegung für Sozialismus trägt den programmatischen Namen „Mas“. Das heißt auf spanisch „mehr“.