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Fischsterben Tödliche Umwälzung

 ·  Diese Woche wurden mehrere Tonnen tote Fische an den Ostseestrand zwischen Heiligendamm und Graal-Müritz gespült. Was gruselig klingt, ist ganz gewöhnlich. Über das Fischsterben an der Ostseeküste.

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© AP Vergrößern Tote Heringe in Island: Im vergangenen Winter starben dort geschätzte 10.000 Tonnen Fische

Als diese Woche am Ostseestrand zwischen Heiligendamm und Graal-Müritz mehrere Tonnen tote Fische antrieben, vor allem Brachsen und Plötzen, die eher ins Süßwasser gehören, war den Fachleuten klar, dass dies auf einen Einbruch salzhaltigen und sauerstoffarmen Wassers zurückzuführen ist. Die Fische zeigten nämlich weder Krankheiten noch äußere Verletzungen.

Christopher Zimmermann, der stellvertretende Leiter des Rostocker Thünen-Instituts für Ostseefischerei, erklärt das Phänomen: Der Salzgehalt der Ostsee ist nicht sehr hoch. Er wird zudem bestimmt durch die Nordsee. Die Herbst- und Winterstürme spielen dabei eine große Rolle. Zunächst fegt Ostwind die Ostsee gleichsam leer, dann bringt der Westwind salzhaltiges Wasser aus der Nordsee. Das salzhaltige Wasser liegt unter dem mit weniger Salzgehalt.

Woher aber kamen die Süßwasserfische?

Zunächst ist es auch noch sauerstoffreich. Wenn dann aber die Planktonschichten auf der See, die Algenteppiche etwa, absterben und in die Tiefe sinken, zersetzen die Bakterien das Plankton - und benötigen dafür Sauerstoff. Wenn nun diese salzhaltigen, aber nunmehr auch sauerstoffarmen Schichten an die Oberfläche gewirbelt werden, wird das für viele Meerestiere bedrohlich.

So etwas scheint jetzt an der mecklenburgischen Ostseeküste passiert zu sein. Ablandiger Wind hat die oberen Meeresschichten fortgetrieben, die unteren salzhaltigen und sauerstoffarmen traten aus etwa 20 Meter Tiefe an die Oberfläche. Woher aber kamen die Süßwasserfische? Zimmermann erklärt es so, dass viele von ihnen sich auch dort aufhalten, wo Süßwasser auf Meerwasser trifft, etwa in der Warnow-Mündung.

„Freilich fließt das Salzwasser nicht sehr weit in die Flüsse hinein, im Fall der Warnow in Rostock bestenfalls bis zum Stadthafen.“ Tatsächlich hat es zum Ende der vergangenen Woche eine solche Umwälzung durch ablandigen Wind gegeben. Zeichen dafür war, dass innerhalb von 48 Stunden die Wassertemperatur von 21 auf 17 Grad sank.

Sie konnten nicht schnell genug fliehen

Aber nicht der Temperatursturz wurde den Fischen zum Verhängnis, sondern die Sauerstoffarmut des kalten Wassers aus den tieferen Schichten. Sie konnten nicht schnell genug fliehen, wie Zimmermann erläutert. „Ein Dorsch etwa hat da kein Problem, er schwimmt einfach davon.“ Dass bei solchen Gelegenheiten viele Fische verenden, komme immer wieder mal vor und könne auch überall an der Ostsee passieren, ablandigen Wind und Küstennähe vorausgesetzt. Zuletzt hatte es in der Lübecker Bucht ein Muschelsterben gegeben. „Das ist noch gut in Erinnerung, weil es mächtig stank“, sagt Zimmermann.

Die Wasserumwälzungen sind auch am Auftreten von Quallen zu erkennen, die sich normalerweise an der Scheidelinie zwischen dem tieferliegenden Salzwasser und den Schichten darüber aufhalten. Auch sie werden dann aufgewirbelt und treten an die Oberfläche. Tatsächlich waren vor Rostock in den vergangenen Tagen viele Feuerquallen zu beobachten.

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