Home
http://www.faz.net/-gum-7h2cg
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Fischsterben Tödliche Umwälzung

Diese Woche wurden mehrere Tonnen tote Fische an den Ostseestrand zwischen Heiligendamm und Graal-Müritz gespült. Was gruselig klingt, ist ganz gewöhnlich. Über das Fischsterben an der Ostseeküste.

© AP Vergrößern Tote Heringe in Island: Im vergangenen Winter starben dort geschätzte 10.000 Tonnen Fische

Als diese Woche am Ostseestrand zwischen Heiligendamm und Graal-Müritz mehrere Tonnen tote Fische antrieben, vor allem Brachsen und Plötzen, die eher ins Süßwasser gehören, war den Fachleuten klar, dass dies auf einen Einbruch salzhaltigen und sauerstoffarmen Wassers zurückzuführen ist. Die Fische zeigten nämlich weder Krankheiten noch äußere Verletzungen.

Frank Pergande Folgen:  

Christopher Zimmermann, der stellvertretende Leiter des Rostocker Thünen-Instituts für Ostseefischerei, erklärt das Phänomen: Der Salzgehalt der Ostsee ist nicht sehr hoch. Er wird zudem bestimmt durch die Nordsee. Die Herbst- und Winterstürme spielen dabei eine große Rolle. Zunächst fegt Ostwind die Ostsee gleichsam leer, dann bringt der Westwind salzhaltiges Wasser aus der Nordsee. Das salzhaltige Wasser liegt unter dem mit weniger Salzgehalt.

Woher aber kamen die Süßwasserfische?

Zunächst ist es auch noch sauerstoffreich. Wenn dann aber die Planktonschichten auf der See, die Algenteppiche etwa, absterben und in die Tiefe sinken, zersetzen die Bakterien das Plankton - und benötigen dafür Sauerstoff. Wenn nun diese salzhaltigen, aber nunmehr auch sauerstoffarmen Schichten an die Oberfläche gewirbelt werden, wird das für viele Meerestiere bedrohlich.

So etwas scheint jetzt an der mecklenburgischen Ostseeküste passiert zu sein. Ablandiger Wind hat die oberen Meeresschichten fortgetrieben, die unteren salzhaltigen und sauerstoffarmen traten aus etwa 20 Meter Tiefe an die Oberfläche. Woher aber kamen die Süßwasserfische? Zimmermann erklärt es so, dass viele von ihnen sich auch dort aufhalten, wo Süßwasser auf Meerwasser trifft, etwa in der Warnow-Mündung.

„Freilich fließt das Salzwasser nicht sehr weit in die Flüsse hinein, im Fall der Warnow in Rostock bestenfalls bis zum Stadthafen.“ Tatsächlich hat es zum Ende der vergangenen Woche eine solche Umwälzung durch ablandigen Wind gegeben. Zeichen dafür war, dass innerhalb von 48 Stunden die Wassertemperatur von 21 auf 17 Grad sank.

Sie konnten nicht schnell genug fliehen

Aber nicht der Temperatursturz wurde den Fischen zum Verhängnis, sondern die Sauerstoffarmut des kalten Wassers aus den tieferen Schichten. Sie konnten nicht schnell genug fliehen, wie Zimmermann erläutert. „Ein Dorsch etwa hat da kein Problem, er schwimmt einfach davon.“ Dass bei solchen Gelegenheiten viele Fische verenden, komme immer wieder mal vor und könne auch überall an der Ostsee passieren, ablandigen Wind und Küstennähe vorausgesetzt. Zuletzt hatte es in der Lübecker Bucht ein Muschelsterben gegeben. „Das ist noch gut in Erinnerung, weil es mächtig stank“, sagt Zimmermann.

Die Wasserumwälzungen sind auch am Auftreten von Quallen zu erkennen, die sich normalerweise an der Scheidelinie zwischen dem tieferliegenden Salzwasser und den Schichten darüber aufhalten. Auch sie werden dann aufgewirbelt und treten an die Oberfläche. Tatsächlich waren vor Rostock in den vergangenen Tagen viele Feuerquallen zu beobachten.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Das Verbraucherthema Richtig und falsch eingetütet

Schon nach nur 30 Minuten Benutzung wandern die meisten Plastiktüten in den Müll. Sie vermüllen Landschaften und Meere. Die EU will die Zahl senken. Warum nicht jetzt damit anfangen? Verbraucher haben es in der Hand. Mehr Von Petra Kirchhoff und Clara Lipkowski

21.02.2015, 11:11 Uhr | Rhein-Main
Mit Windkraft Künstler erweckt Fantasiegestalten zum Leben

Der Niederländer Theo Jansen hat aus Plastikrohren, Folien und Flaschen riesige insektenähnliche Objekte gebaut und an der Nordsee-Küste ausgesetzt. Durch den Wind fangen seine Strandbiester an, sich zu bewegen. Mehr

28.01.2015, 17:26 Uhr | Feuilleton
Streit um WestLB-Kunst Stargeiger Zimmermann gibt Stradivari zurück

Im Geigenstreit mit der WestLB-Nachfolgerin Portigon hat Stargeiger Frank Peter Zimmermann seine Stradivari zurückgegeben. Am Sonntag läuft der Leihvertrag aus, doch hält der Musiker sein Kaufgebot weiterhin aufrecht. Mehr

21.02.2015, 21:21 Uhr | Feuilleton
Stockholm Schwedisches Militär sucht in der Ostsee nach fremder Unterwasseraktivität

Medienberichten zufolge war ein Funkspruch auf einer russischen Notruffrequenz abgefangen worden. Die Suche weckt Erinnerungen an Vorfälle mit sowjetischen U-Booten während des Kalten Krieges. Mehr

19.10.2014, 11:24 Uhr | Politik
Abenteuer im Amazonas Mensch beißt Fisch

Sind Pirañas tatsächlich mörderische Bestien mit einem Gebiss wie Mackie Messer oder einfach nur nette Zierfische? Am Besten findet man das heraus, wenn man mit ihnen im Amazonas schwimmt. Mehr Von Jochen Müssig

18.02.2015, 15:15 Uhr | Reise
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 30.08.2013, 16:52 Uhr

Ausraster bei den Grammys Kanye West entschuldigt sich bei Beck

Kanye West bereut seinen unglücklichen Auftritt bei den Grammys, James Bond stößt sich den Kopf, und Madonna macht Bekanntschaft mit dem Bühnenboden – der Smalltalk. Mehr 3

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden