http://www.faz.net/-gum-7h2cg

Fischsterben : Tödliche Umwälzung

Tote Heringe in Island: Im vergangenen Winter starben dort geschätzte 10.000 Tonnen Fische Bild: AP

Diese Woche wurden mehrere Tonnen tote Fische an den Ostseestrand zwischen Heiligendamm und Graal-Müritz gespült. Was gruselig klingt, ist ganz gewöhnlich. Über das Fischsterben an der Ostseeküste.

          Als diese Woche am Ostseestrand zwischen Heiligendamm und Graal-Müritz mehrere Tonnen tote Fische antrieben, vor allem Brachsen und Plötzen, die eher ins Süßwasser gehören, war den Fachleuten klar, dass dies auf einen Einbruch salzhaltigen und sauerstoffarmen Wassers zurückzuführen ist. Die Fische zeigten nämlich weder Krankheiten noch äußere Verletzungen.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Christopher Zimmermann, der stellvertretende Leiter des Rostocker Thünen-Instituts für Ostseefischerei, erklärt das Phänomen: Der Salzgehalt der Ostsee ist nicht sehr hoch. Er wird zudem bestimmt durch die Nordsee. Die Herbst- und Winterstürme spielen dabei eine große Rolle. Zunächst fegt Ostwind die Ostsee gleichsam leer, dann bringt der Westwind salzhaltiges Wasser aus der Nordsee. Das salzhaltige Wasser liegt unter dem mit weniger Salzgehalt.

          Woher aber kamen die Süßwasserfische?

          Zunächst ist es auch noch sauerstoffreich. Wenn dann aber die Planktonschichten auf der See, die Algenteppiche etwa, absterben und in die Tiefe sinken, zersetzen die Bakterien das Plankton - und benötigen dafür Sauerstoff. Wenn nun diese salzhaltigen, aber nunmehr auch sauerstoffarmen Schichten an die Oberfläche gewirbelt werden, wird das für viele Meerestiere bedrohlich.

          So etwas scheint jetzt an der mecklenburgischen Ostseeküste passiert zu sein. Ablandiger Wind hat die oberen Meeresschichten fortgetrieben, die unteren salzhaltigen und sauerstoffarmen traten aus etwa 20 Meter Tiefe an die Oberfläche. Woher aber kamen die Süßwasserfische? Zimmermann erklärt es so, dass viele von ihnen sich auch dort aufhalten, wo Süßwasser auf Meerwasser trifft, etwa in der Warnow-Mündung.

          „Freilich fließt das Salzwasser nicht sehr weit in die Flüsse hinein, im Fall der Warnow in Rostock bestenfalls bis zum Stadthafen.“ Tatsächlich hat es zum Ende der vergangenen Woche eine solche Umwälzung durch ablandigen Wind gegeben. Zeichen dafür war, dass innerhalb von 48 Stunden die Wassertemperatur von 21 auf 17 Grad sank.

          Sie konnten nicht schnell genug fliehen

          Aber nicht der Temperatursturz wurde den Fischen zum Verhängnis, sondern die Sauerstoffarmut des kalten Wassers aus den tieferen Schichten. Sie konnten nicht schnell genug fliehen, wie Zimmermann erläutert. „Ein Dorsch etwa hat da kein Problem, er schwimmt einfach davon.“ Dass bei solchen Gelegenheiten viele Fische verenden, komme immer wieder mal vor und könne auch überall an der Ostsee passieren, ablandigen Wind und Küstennähe vorausgesetzt. Zuletzt hatte es in der Lübecker Bucht ein Muschelsterben gegeben. „Das ist noch gut in Erinnerung, weil es mächtig stank“, sagt Zimmermann.

          Die Wasserumwälzungen sind auch am Auftreten von Quallen zu erkennen, die sich normalerweise an der Scheidelinie zwischen dem tieferliegenden Salzwasser und den Schichten darüber aufhalten. Auch sie werden dann aufgewirbelt und treten an die Oberfläche. Tatsächlich waren vor Rostock in den vergangenen Tagen viele Feuerquallen zu beobachten.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Schicht im Schacht

          Letztes Bergwerk im Ruhrgebiet : Schicht im Schacht

          Auf Prosper-Haniel, der letzten Zeche im Ruhrgebiet, bereiten sich die Arbeiter auf die Schließung vor. Von 2700 Mitarbeitern werden viele in den Vorruhestand gehen, andere sich neue Jobs suchen. Die Pumpen unter Tage aber müssen weiterlaufen – für immer.

          Argentinisches U-Boot bleibt verschollen Video-Seite öffnen

          Technisches Versagen? : Argentinisches U-Boot bleibt verschollen

          Bei der Suche nach einem vor fast einer Woche verschwundenen U-Boot und seinen 44 Besatzungsmitgliedern hat es einen Rückschlag gegeben. Die Geräusche, die zwei Marineschiffe wahrgenommen haben, stammten wohl nicht vom vermissten Objekt.

          Flugzeug legt Notlandung auf belebter Straße hin Video-Seite öffnen

          Florida : Flugzeug legt Notlandung auf belebter Straße hin

          In Florida hat ein Kleinflugzeug wegen Motor-Problemen auf einer Straße notlanden müssen. Trotz des lebhaften Verkehrs schaffte es der Pilot, die Maschine zu Boden zu bringen, ohne mit einem der Fahrzeuge zusammenzustoßen.

          Topmeldungen

          F.A.Z. exklusiv : Lindner: Wir fühlten uns gedemütigt

          Im Interview mit der F.A.Z. spricht der FDP-Vorsitzende über die Gründe für den Ausstieg aus den Jamaika-Sondierungen. Vor allem einer Partei wirft Christian Lindner fehlende Kompromissbereitschaft vor.
          Keine Zeit für Grokodilstränen: Sigmar Gabriel und Martin Schulz am Dienstag im Bundestag

          SPD nach Jamaika-Aus : Einmal Opposition und zurück

          Nach dem Paukenschlag wird in der SPD noch einmal neu nachgedacht. Es gelte, Neuwahlen zu vermeiden – heißt es hinter vorgehaltener Hand. Behutsam müsse man die Partei auf eine Regierungsbeteiligung vorbereiten. Nur wie?
          Heute ein seltenes Phänomen: Steiger in Deutschland.

          Letztes Bergwerk im Ruhrgebiet : Schicht im Schacht

          Auf Prosper-Haniel, der letzten Zeche im Ruhrgebiet, bereiten sich die Arbeiter auf die Schließung vor. Von 2700 Mitarbeitern werden viele in den Vorruhestand gehen, andere sich neue Jobs suchen. Die Pumpen unter Tage aber müssen weiterlaufen – für immer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.