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Filmtitel Miet Dave

29.07.2009 ·  Wenn amerikanische Filme deutsche Titel bekommen, gruselt es echte Filmfans. Streifen wie „Der Heiratsantrag“, „Schöne Frau“ und „Eiszeit“ würden vermutlich niemanden ins Kino locken. Doch manchmal garantiert die kreative Namensübersetzung den Erfolg eines Films.

Von Michael Dick
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Am Donnerstag kommt ein Film in die Kinos, der im Original „The Proposal“ heißt. „Der Heiratsantrag“ hätte allerdings ein wenig fade geklungen. In deutschen Kinos läuft der Film daher unter dem Titel „Selbst ist die Braut“. Das passt, denn Sandra Bullock ergreift in der romantischen Komödie die Initiative. Außerdem ist der Titel einprägsam: Er basiert auf einer bekannten Redewendung. Die deutsche Übersetzung ist also ein gelungenes Beispiel. Viele andere deutsche Titel sind allerdings gehörig danebengegangen.

Die Kreativen, die den Verleihfirmen die Titel vorschlagen, haben den Film nicht immer gesehen. Manchmal kennen sie, wie einer von ihnen berichtet, sogar nur die Inhaltsangabe: „Es wohnt etwas Unheimliches im Nachbarhaus, das weiß man. Aber was da wohnt, ist geheim.“ Wie soll man sich da für einen Titel entscheiden? In solchen Fällen müsse man sich auf die Erfahrung verlassen: „Bei Liebesfilmen zum Beispiel greift man auf Ideen zurück, die man bei ähnlichen Projekten gesammelt hat.“

Früher behielten nur neun Prozent der Filme ihre Titel

Früher übersetzten die Verleihe noch fast alle Filmtitel ins Deutsche, ab und zu auch sehr frei: Aus dem Western „The Searchers“ von 1956 wurde „Der schwarze Falke“, der Hitchcock-Streifen mit dem eher langweiligen Titel „North by Northwest“ kam in Deutschland als „Der unsichtbare Dritte“ in die Lichtspielhäuser. Damals behielten nur neun Prozent der hierzulande gezeigten amerikanischen und englischen Filme ihren Originaltitel – in jüngster Zeit war es rund die Hälfte.

In einem Land, in dem sich Bäckereien in „Back-Shops“ verwandeln und der Fahrgast bei der Bahn nur noch Auskunft am „Service-Point“ bekommt, ist das nicht verwunderlich. Gerade junge Leute bevorzugen Originaltitel wie „Speed“ oder „Men in Black“. Das sagen zumindest die Filmverleihe. Aber selbst wer deutsche Titel vorzieht, wäre wohl nicht unbedingt ins Kino gegangen, um sich „Schundroman“ oder „Eiszeit 2“ anzuschauen. „Pulp Fiction“ mit John Travolta und Samuel L. Jackson in den Hauptrollen sahen in Deutschland weit mehr als 1,1 Millionen Kinobesucher, und „Ice Age 2“ schauten sich im Jahr 2006 sogar 8,7 Millionen Menschen an.

Sprechen, sehen und hören

Für einen Titel wie „American Gangster“ benötigt der Kinogänger kein Studium in Cambridge. „Man muss ihn mit durchschnittlichen Englischkenntnissen verstehen können“, sagt Martin Wienandt von Kinowelt Filmverleih. „Daher war zum Beispiel ,Pretty Woman‘ der perfekte Titel.“ Doch keine Regel ohne Ausnahmen: Aus dem Titel der Filmkomödie „Meet Dave“ mit Eddie Murphy machte der Filmverleih „Mensch, Dave“. Denn, so Wienandt, der Zuschauer muss den Titel „sprechen, sehen und hören können“. „Meet“ klang zu sehr nach dem deutschen Wort „mieten“. Der Verleih änderte den Titel aber auch, weil die Komödie für ein nichtakademisches Publikum gedacht war, und das akzeptiert laut einer Studie Übersetzungen ins Deutsche eher als Absolventen einer Universität.

In den Genres Thriller, Action und Horror wird die Regel des leichtverständlichen Originaltitels oft ausgehebelt. Was sich nicht sofort erschließt, soll besonders spannend und geheimnisvoll wirken, um so mehr Aufmerksamkeit zu erregen. Die Horrorfilme der „Saw“-Reihe zum Beispiel behielten auch in Deutschland ihren Namen. Dass es sich bei dem Tatwerkzeug um eine Säge handelt, erkennt dabei nicht jeder auf Anhieb. Für die Treue zum Original sprechen zudem wirtschaftliche Gründe. Die große Zielgruppe der 14 bis 49 Jahre alten Kinobesucher informiert sich über neue Filme im Internet. Sie kennt die Originaltitel schon, bevor die Streifen überhaupt in Deutschland anlaufen.

Fanartikel für die ganze Welt

Ein globaler Titel spart auch Kosten. So können Fanartikel wie Tassen oder T-Shirts für die ganze Welt produziert werden – mit dem gleichen Schriftzug. Ein Titel wirbt sogar für eine Attraktion in einem Freizeitpark. „Pirates of the Caribbean“ hießen die Piratenfilme mit Johnny Depp in Amerika – benannt nach einer Wildwasserbahn in Disney World. Da sich der Verleih nicht sicher war, ob die deutschen Kinogänger verstünden, dass es sich bei „Caribbean“ um die Karibik handelt, hieß der erste Teil in Deutschland „Fluch der Karibik“. Nachdem der deutsche Titel dann aber bekannt war, wurde er zum Untertitel: „Pirates of the Caribbean – Fluch der Karibik 2“.

Den Bekanntheitsgrad eines Titels nutzen die Verleihe auch in anderer Hinsicht: Wird ein Buch verfilmt oder ein Film bei einem Festival gezeigt, bekommt er so große mediale Aufmerksamkeit, dass man den Titel nicht mehr ändert, wie zum Beispiel im Fall von „Burn after reading“ mit Brad Pitt und George Clooney. Der Film eröffnete vor einem Jahr das Filmfestival von Venedig. Hätte der deutsche Verleih den Film danach mit „Nach Lektüre zu verbrennen“ übersetzt, wäre der Werbeeffekt verloren gegangen. Der Pitt-Clooney-Film bekam aber einen deutschen Zusatz: „Wer verbrennt sich da die Finger?“ stand klein auf Plakaten zwischen Flensburg und Passau. Die Wirkung? Der Kinogänger merkte, dass es sich um eine Komödie handelt.

Schnuller und Friedensstifter

Hilfe bei der Titelsuche bekommen die Verleihe von Agenturen wie „Namestorm“. Deren Mitarbeiter grübeln auch an ungewöhnlichen Orten – für „Love Vegas“ zum Beispiel in einer Spielhölle – über Ideen. Nicht immer setzen sie sich mit einem ihrer Vorschläge durch. „Gelegentlich nimmt der Verleiher einen abgegriffenen, weniger werbewirksamen Titel“, sagt „Namestorm“-Inhaber Mark Leiblein. „Love Vegas“, die Idee der Agentur, überzeugte aber den Verleiher. Im Original hieß die Liebeskomödie mit Cameron Diaz „What happens in Vegas“, basierend auf dem Spruch „What happens in Vegas, stays in Vegas“. Das bedeutet, dass über kleine Sünden, die bei einem Besuch in der Stadt in Nevada passieren, hinterher kein Wort mehr verloren wird. In Amerika kennt diesen Spruch fast jeder, in Deutschland kaum einer. Deshalb wurde er in „Love Vegas“ geändert.

Bei der Familienkomödie „The Pacifier“ spielt der amerikanische Titel mit der Doppelbedeutung des Wortes – „Schnuller“ und „Friedensstifter“. Das aber ist Englisch für Fortgeschrittene. Der Verleih orientierte sich daher am Inhalt: Vin Diesel stellt einen Elitesoldaten dar, der auf die Kinder eines ermordeten Wissenschaftlers aufpassen soll. So wurde aus dem „Pacifier“ der „Babynator“. Darüber jedoch waren viele Cineasten erbost. Disney-Chef Thomas Menne sagt hingegen: „Die Antwort auf die Kritik ist schlicht der Erfolg.“ Drei Millionen Besucher hätten sich diesen Film in Deutschland angesehen. Damit sei er im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ungewöhnlich erfolgreich gewesen. Der Titel habe also seinen Zweck erfüllt.

„Titel-Raubritter“ erschweren die Suche

Die Suche nach einem neuen Titel ist komplizierter, als man denkt. Zum einen sollte er keinem alten ähneln. Zum anderen gibt es „Titel-Raubritter“, die sich Filmnamen vorweg gesetzlich schützen lassen, so dass Verleihe viel Zeit und Geld investieren müssen, um zu prüfen, ob ein Titel noch zu haben ist. Doch die Verleihe können diese Investitionen verringern, indem sie kreativ werden – so wie im Fall von „Groundhog Day“. Bill Murray spielt einen Reporter, der wieder und wieder den gleichen Tag durchleben und dabei von einem Ereignis rund um ein Murmeltier berichten muss. Auf Deutsch hieß der Film schließlich: „Und täglich grüßt das Murmeltier“.

Leser-Aktion: Filmtitel zum Gruseln

Sie haben sich auch schon einmal über einen deutschen Filmtitel geärgert, weil das Original viel besser war? Sie finden „Diamonds are forever“ viel origineller als „Diamantenfieber“?

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