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Pamplona : San Fermín soll Baske werden

  • -Aktualisiert am

Politik bei der Fiesta: In der Menge der Feiernden, die in Pamplona am Montag auf die Startrakete warten, wird eine baskische Flagge geschwenkt. Bild: AFP

In Pamplona hat die Fiesta San Fermín begonnen, zu der das traditionelle Stierrennen gehört. Ein Dilemma für den Bürgermeister, dessen Partei zu den Eta-Sympathisanten gezählt wird: Einerseits ist ihm die Sitte zu spanisch, andererseits zieht sie Touristen an.

          Alles war gleich, und doch war alles anders, als am Montag um zwölf Uhr mittags eine Rakete die Fiesta San Fermín zündete. Auf dem Rathausplatz von Pamplona reckte eine fröhlich trunkene Menge die Arme, die roten Halstücher und die Plastikflaschen.

          Doch oben auf dem Balkon des Rathauses wehte zum ersten Mal eine baskische Ikurriña neben den Fahnen Europas, Spaniens, der Region Navarra und ihrer Hauptstadt. Der fünfte Fahnenmast war nicht einmal, wie bei ähnlichen Versuchen der Separatisten in den vergangenen Jahren, von einer Fünften Kolonne angebracht worden. Es geschah vielmehr mit Wissen und Zustimmung des neuen Bürgermeisters Joseba Asiron.

          Er war im Juni als Spitzenkandidat der Eta-Sympathisanten-Partei Bildu in Pamplona an die Macht gelangt. Nun griff er zu einem legalistischen Trick, um die Vorschriften zu umgehen, die nur die vier anderen Fahnen erlauben. Er lud ein paar Parlamentarier aus dem Baskenland als Gäste ein und konnte damit das Hissen der Ikurriña als „Geste der Höflichkeit“ rechtfertigen.

          Gegen Filz und Korruption

          Keine spanische Provinz ist von den Regional- und Kommunalwahlen am 24. Mai politisch so radikal umgepflügt worden wie das alte ehemalige Königreich. Weil die über Jahrzehnte in Navarra und Pamplona regierende konservative Volkspartei vor allem wegen Filz und Korruption abgestraft wurde, eröffnete sich einer bunten Mischung nationalistischer und sozialistischer Parteien die Chance ihres Lebens.

          In einem Geschäft auf Gegenseitigkeit griffen sie zu. Die Gemäßigten verhalfen in Pamplona dem 54 Jahre alten Baskisch-Lehrer Asiron zum Amt des Bürgermeisters. Als Gegenleistung wird am 20. Juli Uxue Barkos, die Spitzenkandidatin der Partei Geroa Bai – sie ist der navarrische Zwilling der Baskisch-Nationalistischen Partei (PNV) von nebenan – mit den Stimmen Bildus, der grünen Kommunisten und der Populisten von Podemos im Parlament zur neuen Ministerpräsidentin gewählt werden.

          Verteidigung des Laizismus

          Die Schatten der Politik legten sich derweil bei allen heiklen und symbolträchtigen Themen auch über die Fiesta: Fahnen, Stiere, Sprache, Religion und Monarchie. Der Bürgermeister hatte das Verbot der Ikurriña-„Spalterflagge“ aufgehoben, so dass die Nationalisten schon zum Beginn in der feiernden Menge ausgiebig von ihr Gebrauch machten. Asiron kündigte an, dass er an diesem Dienstag zwar im Frack an der traditionellen Prozession mit der Statue des Schutzheiligen San Fermín, nicht aber an der anschließenden Messe teilnehmen werde.

          Er wolle damit ein Zeichen für „die Verteidigung des Laizismus der Stadt“ setzen. Enrique Maya, sein Vorgänger im Amt, warf ihm vor, bei den Sanfermines bald „alle Spuren der Religion und der Stiere“ tilgen zu wollen.

          Das stimmt freilich nur zur Hälfte, denn bei den Stieren ist Asiron in einer Klemme. Was wäre Pamplona ohne die touristische Großeinnahmequelle Fiesta? Und was wäre die Fiesta, gegen die am Wochenende abermals die Tierschützer mit kunstblutverschmierten Oberkörpern demonstrierten, ohne die Stiere?

          Baskisch statt Englisch

          Hier bewegte sich der Bildu-Bürgermeister auf einem schmalen Grat. In San Sebastián hatte seine Partei aus ideologischen Gründen – die Fiesta kommt ihr „zu spanisch“ vor – ein Stierkampfverbot durchgesetzt. In Pamplona erklärte sich nun Asiron zu einem „Aficionado“ der Corrida, jedenfalls für die Dauer des Festes „vom 7. bis zum 14. Juli“. An diesem Dienstag wird er in der Arena im Präsidentenbalkon den Ehrenvorsitz führen.

          Wenn es sich ausgefeiert hat, wird den Navarros noch deutlicher werden, in welche Richtung die Veränderungen gehen. Yolanda Barcina, die Vorgängerin der designierten Regierungschefin Uxue Barkos, warnte schon davor, dass diese bald mit ihrer Viererkoalition Navarra in eine vierte Provinz des Baskenlands verwandeln werde. Das weist Barkos zwar von sich.

          Aber in dem gemeinsamen Regierungsprogramm steckt als ein Hauptpunkt die Förderung der baskischen Sprache – sie wird in Navarra nur von einer kleinen Minderheit gesprochen – zu Lasten des Englischen. Und von König Felipe VI. wollen Barkos und ihre republikanischen Mitstreiter genauso wenig wissen wie von der „spanischen Monarchie“. Deshalb wird nun überlegt, ob man bei der nächsten Vergabe der Principe-de-Viana-Kulturpreise, die traditionell der König übergibt, auf dessen Anwesenheit nicht verzichten könnte.

          Leise Tönen in Pamplona

          Die Hauptkontroverse in einer gespaltenen Region, die ihre heitere Gelassenheit in einer Woche des Rauschs noch finden muss, betrifft hingegen den Terrorismus. Das Barkos-Bündnis hat zwar verabredet, alle „künftigen Gewaltakte“, inklusive die von Eta oder der Polizei, zu verurteilen. Die Bildu-Partei des Bürgermeisters tut sich hingegen schwer damit, auch die Gewaltakte der Vergangenheit zu kritisieren, wenigstens die der Etarras.

          So will Asiron zwar am Mittwoch zu einer Hommage für einen jungen baskischen Kommunisten namens Germán Rodriguez gehen, der 1978 während einer Demonstration zur Fiesta-Zeit getötet wurde. Aber daran, dass Eta-Fanatiker vor dem vor drei Jahren erklärten „Waffenstillstand“ allein in Pamplona 27 Menschen ermordeten, mussten er und seine Partei jetzt mit einer Gedenkanzeige in der Lokalzeitung erinnert werden.

          Die Fiesta nimmt derweil mit Musik, Stierrennen und weingetränkten Hemden ihren Lauf. An jeder Ecke lauert ein Andenkenladen mit Hemingway-Souvenirs. Auch die Bars, in denen der Schriftsteller und große Promotor der Sanfermines noch gar nicht gewesen sein konnte, schmücken sich mit seinem Bild und seinen Spezial-Cocktails. In all den Trubel mischen sich gleichwohl leise Töne. So traten im Hemingways Hotel an der Plaza del Castillo überraschend zwei junge Geiger auf einen Balkon und spielten zu Ehren des aus Pamplona stammenden Virtuosen und Fiesta-Freundes Pablo Sarasate animiert dessen „Jota Navarra“.

          Quelle: F.A.Z.

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