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Feuerbestattungen Sie verbrennen privat?

Feuerbestattungen werden immer beliebter, doch die deutschen Regeln dafür sind streng. In den Niederlanden ist das anders. Grund genug für eine Kaffeefahrt ins Krematorium.

© Mona Jaeger Vergrößern Während die Holländer die Urnen in Geleen lassen, nehmen die Deutschen sie mit nach Hause.

Was tun mit der Leiche? Der Kumpel von Herrn Rinnemann hat es so gemacht: Die tote Frau auf den Beifahrersitz, unter der Kleidung in Plastiksäcke eingepackt, damit es nicht riecht, dann 600 Kilometer in den Süden gefahren, wo die Kinder leben. Dort sollte seine Frau beerdigt werden. Eine Überführung vom Bestatter? Viel zu teuer. Die Fahrt nach Passau war eine spontane Aktion, denn Rinnemanns Kumpel hatte vorher nie an den letzten Tag gedacht, auch nichts dafür vorbereitet. Dann war die Frau plötzlich tot. „War eine saubere und wirtschaftliche Lösung“, sagt Herr Rinnemann anerkennend. So sind sie im Rheinland.

Herr Rinnemann selbst ist Ingenieur, er sieht das Leben als Glühfaden, der irgendwann durchbrennt. Das ist Gesetz, sagt Herr Rinnemann. Damit der Faden noch ein bisschen hält, macht er Sport. Zehn Kilometer laufen, jeden Tag. Aber wenn es aus ist, „will ich einen geordneten Rückzug. Da will ich jetzt mal einen Strich drunter machen.“

Deswegen ist er ein paar Stunden zuvor mit 19 anderen Leuten in Leverkusen in einen Bus gestiegen. Halb acht, Dauerregen, der Morgen wird gar nicht hell. Der Busfahrer greift zum Mikrofon: „Ich bin Herbert Meier, genannt Herbert.“ Hallo, Herbert. Im Bus sind 22 Grad. Es wird Kaffee gereicht, und auf die Toilette dürfen wir auch. Wir werden sehr umsorgt. Eine muntere Truppe Silberköpfchen macht sich auf den Weg. Wir fahren nach Geleen, Niederlande, ins Krematorium. Jetzt ist der Bestatter am Mikrofon. „Sie haben sicher viele Fragen zu Kosten und so. Beantworten wir Ihnen alles gerne, wenn wir da sind.“ Bis dahin: „Kölner Express“ auf’n Tisch und Butterbrot aus der Tüte.

Erste Frage: „Wer war schon einmal bei uns?“

Das Krematorium ist ein roter Backsteinbau, umgeben von einem Park. Das ist der Friedhof. Eine kleine, strenge Niederländerin begrüßt die deutsche Gruppe. Ihre erste Frage: „Wer war schon einmal bei uns?“ Drei Frauen melden sich, eine sagt: „Und mein Mann ist hier geblieben.“ Wir gehen den Weg einer Trauergesellschaft. In einem Raum mit tiefen Sesseln, Blumenbildern an der Wand und Teppichboden mit Kringeln werden die Angehörigen empfangen. „Ich sach mal, sowas finden Sie in Deutschland nicht. Bei uns sind ja die meisten Krematorien städtisch, da wird nix in Sauberkeit und so getan“, erklärt der Bestatter. „Sie verbrennen privat, nicht?“, fragt eine Frau. „Ja, alles privat“, antwortet die strenge Niederländerin.

Dann geht es in eine Art Kapelle, mit Platz für 120 Leute. Die zwanzig Deutschen sitzen nebeneinander in den ersten beiden Reihen. Auf einer kleinen Bühne steht ein Sarg aus Sperrholz. Zwei Bildschirme zeigen brennende Kerzen. „Da könnte auch Ihr Verstorbener zu sehen sein“, sagt unsere Führerin. Die Trauerfeiern in Geleen dauern eine Stunde, gegen Aufpreis auch länger. „In Essen oder Leverkusen ist das ja alles im Akkord getaktet. Da bleibt nicht mehr Zeit als dreißig Minuten“, sagt der Bestatter. Ingenieur Rinnemann fragt nach der Konstruktion, mit der die Bühne samt Sarg herabgelassen wird - erstmal nur in den Keller, nicht in den Ofen.

Bevor wir uns den anschauen können, gibt es Früchtekuchen mit Zuckerstreuseln. „Beim Beißen kracht der Zucker wie berstende Knochen“, sagt Herr Loh. Er ist nicht so munter wie die anderen Krematoriumsbesucher. Herr Loh ist groß und hat eine Narbe auf der Stirn. Seine Augen sind klein, in seinem aufgeschwemmten Gesicht versinken sie fast. Er blickt beim Sprechen auf seine Hände, die groß sind wie Schaufeln. Herr Loh hat vor 17 Jahren seine Frau verloren. Für ihn ist die Sache hier ernst. „Ich war froh, ein Grab zu haben, an dem ich trauern kann.“

Herr Rinnemann schüttelt den Kopf. „Also Würmer, die an mir knabbern, will ich nicht.“ Eine Frau vom Tisch gegenüber ruft mit vollem Mund: „Urne ist auch viel billiger wie Sarg.“ „Für die Kinder ist es schon gut, wenn sie einen richtigen Ort haben, zu dem sie gehen können. Nicht nur so ein kleines Täfelchen“, sagt Herr Loh.

Bis er klein ist und funkelt

Herr Rinnemanns Kinder wohnen weit weg. Aber die Idee mit dem Diamanten, sagt Herr Loh, habe ihn dann doch von der Verbrennung überzeugt. Herr Loh will sich, nachdem er ein Häufchen Asche geworden ist, zusammenpressen lassen, bis er ganz klein ist und funkelt. Seine Kinder können ihn dann um den Hals tragen oder am Finger.

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Veröffentlicht: 25.06.2013, 17:12 Uhr