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Festival in der Eifel : „Rock am Ring“ nach Terrorwarnung unterbrochen

  • Aktualisiert am

Der Zuschauerbereich vor der „Volcano Stage“ leert sich nach dem Abbruch der Veranstaltung. Bild: AP

Das Festival „Rock am Ring“ ist wegen Terrorgefahr vorerst unterbrochen worden. Die Besucher wurden aufgefordert, das Festival-Gelände zu verlassen. Am Samstagmorgen soll über eine Fortsetzung entschieden werden.

          Das Festival „Rock am Ring“ ist wegen Terrorgefahr unterbrochen worden. Die Polizei habe aufgrund einer „terroristischen Gefährdungslage“ die Veranstalter des mehrtägigen Rockfestivals am Nürburgring am Freitagabend angewiesen, die Besucher zum Verlassen des Geländes aufzufordern, teilten die Organisatoren mit.

          Die zuständige Polizei in Koblenz teilte am Abend mit: „Hintergrund sind konkrete Hinweise, aufgrund derer eine mögliche terroristische Gefährdung nicht auszuschließen ist. Derzeit laufen Ermittlungen mit Hochdruck.“ Weitere Details wurden nicht genannt. Auf dem Festivalgelände des Nürburgrings waren folgende Lautsprecherdurchsagen zu hören: „Wegen einer terroristischen Bedrohungslage wird das Festival für heute abgebrochen. Wir hoffen, dass es morgen weitergeht. Bitte begebt euch zu den Ausgängen.“ Alle Besucher wurden gebeten, das Festivalgelände kontrolliert und ruhig in Richtung Ausgänge und Campingplätze zu verlassen. Ein Video bei Twitter zeigt, wie die Besucher den Bereich vor der Bühne verlassen. Viele singen dabei „You'll Never Walk Alone“.

          Lieberberg kritisiert Polizei

          Der Zuschauerbereich sei am Freitagabend um 21.30 Uhr geräumt gewesen, eine halbe Stunde nach der Ankündigung der Unterbrechung, teilte der Organisator Marek Lieberberg am Nürburgring mit. „Unser Publikum hat fantastisch reagiert“, sagte Lieberberg weiter. Die umliegenden Straßen seien alle abgesperrt, so Lieberberg. Es verkehrten aber noch Shuttlebusse. Er selbst fühle sich „entsetzlich leer“. Weiterhin kritisierte er das Vorgehen der Polizei.

          Selbstverständlich stünde die Unversehrtheit von Leib und Leben über kommerziellen Interessen. Dennoch habe er das Gefühl, dass „wir die Sündenböcke für eine Situation sind, die wir nicht verschuldet haben“. Die Kommunikation mit den Behörden bezeichnete Lieberberg allerdings als gut. „Es liegt an der Bewertung", so der Veranstalter auf einer improvisierten Pressekonferenz.

          Festivalveranstalter Marek Lieberberg und Vertreter der Polizei vor Journalisten Bilderstrecke
          Veranstaltung geräumt : Rock am Ring: Eindrücke vom Festivalgelände

          Das Signal, das Deutschland heute sende, sei katastrophal. Es seien keine verdächtigen Gegenstände oder Geräte gefunden worden. „Ich glaube, dass wir hier für das büßen müssen, was im Fall Amri oder anderen zu wenig getan wurde,“ so der Konzertveranstalter. Wörtlich sagte er weiter: „Ich bin der Meinung, es muss jetzt Schluss sein mit: „This is not my Islam and this is not my shit and this is not my whatever“. Jetzt ist der Moment, wo jeder sich dagegen artikulieren muss. Ich möchte endlich mal Demos sehen, die sich gegen diese Gewalttäter richten. Er habe habe bisher noch keine Moslems gesehen, die zu Zehntausenden auf die Straße gegangen seien und gefragt hätten: „Was macht ihr da eigentlich?“ Zu diesem Zeitpunkt waren keinerlei Details zu den Hintergründen der Terrorwarnung bekannt, die etwa auf ein islamistisches Motiv schließen lassen könnten.

          „Morgen werden wir entscheiden, wie es weitergeht“

          Lieberberg sagte weiter, er hoffe, dass die Behörden mit „uns und unseren Fans ebenso umgehen“ wie bei Fußballspielen, wo am nächsten Tag wieder gespielt werde und das Festival weiterlaufen lassen. Als konkretes Beispiel nannte er den Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus in Dortmund, wo schon am Tag danach das Spiel gegen Monaco nachgeholt wurde, obwohl die Untersuchung des Falls noch in vollem Gange war. Ein Polizeisprecher sagte dagegen am Abend nur, es gebe keinen konkreten Plan, „wann wir das Gelände wieder freigeben“.

          Die rheinland-pfälzische Landesregierung bestätigte derweil die Terrorwarnung. Aus Sicherheitsgründen werde das Festival unterbrochen, hieß es. „Es gibt ein paar Punkte, auf die sich konzentriert wird“, sagte Lewentz am Freitagabend der Deutschen Presse-Agentur. Das Festivalgelände werde genau untersucht.

          Der Innenminister nannte mit Verweis auf die Ermittlungen keine Details. Er habe Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) informiert. Für Samstag sei eine Lageeinschätzung geplant, sagte Lewentz. „Morgen werden wir entscheiden, wie es weitergeht.“ Er wolle die Öffentlichkeit um 11.00 Uhr am Veranstaltungsort Nürburgring informieren.

          Infotelefon der Polizei eingerichtet

          Die Polizei Koblenz hat zudem ein Infotelefon für Festivalbesucher eingerichtet. Das wohl bekannteste Rockfestival Deutschlands war – begleitet von strengen Sicherheitsvorkehrungen – am Freitag am Nürburgring eröffnet worden. Bis zu 90.000 Musikfans wurden in der Eifel erwartet. Als Höhepunkt am Eröffnungstag hatte der Auftritt der Band Rammstein gegolten, der am späten Abend (22.30 Uhr) beginnen sollte. 

          Die Polizeipräsenz am Nürburgring war – auch vor dem Hintergrund des Terroranschlags auf ein Konzert in Manchester vor anderthalb Wochen – auf mehr als 1200 Beamte aufgestockt worden. Organisator Lieberberg hatte zu Beginn des Festivals auf der Hauptbühne an die Opfer von Manchester erinnert. Beim parallel in Nürnberg stattfindenden Zwillingsfestival „Rock im Park“ gingen die Konzerte am Freitagabend weiter. Dort treten dieselben Bands in anderer Reihenfolge auf. „Es gibt keine konkrete Gefährdungslage“, sagte ein Sprecher des Veranstalters am Freitagabend.

          Seit 1985 steigt das Festival in der Eifel. Mit kurzer Pause wurde es fast drei Jahrzehnte an der legendären Rennstrecke Nürburgring ausgetragen. 2015 und 2016 rockten die Fans dann am nur rund 30 Kilometer entfernten Flugplatz Mendig. Der Name "Rock am Ring" blieb jedoch. Seit diesem Jahr findet das Festival wieder an seinem angestammten Platz statt.

          Quelle: FAZ.NET/dpa

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