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Fernsehserie „Dallas“ Sue Ellen trinkt hier nicht mehr

 ·  Nach 20 Jahren Pause geht „Dallas“ in die Fortsetzung. Viele der einstigen Darsteller sind wieder mit dabei im Intrigenspiel um Öl, Macht und Sex.

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Fast schon schienen J. R., der fieseste Spross des Ewing-Clans, seine Cola-Rum-affine Gattin Sue Ellen und der Western-Softie Bobby in Vergessenheit zu geraten. Nach dem Ende der Kultserie „Dallas“ vor 20 Jahren wurde zwar immer wieder über die Neuauflage des Straßenfegers philosophiert, doch Hollywood wagte sich nicht an eine Neuauflage des Klassikers rund um Öl, Macht und Sex heran.

Seit der amerikanische Sender TNT aber für den nächsten Sommer das Revival des texanischen Familiendramas angekündigt hat, formiert sich in den Vereinigten Staaten eine neue Fangemeinde für „Dallas 2012“.

Neben den erwarteten Intrigen hat vor allem die Zusage mehrerer Darsteller des Originals, in „Dallas 2012“ aufzutreten, die Faszination geschürt. Neben der Kalifornierin Linda Gray, die damals als Sue Ellen mit ihren sprachlos zuckenden Mundwinkeln Furore machte, und ihrem früheren Serienkollegen Patrick Duffy hat auch das Epizentrum des texanischen Bösen, der 79 Jahre alte Larry Hagman, einen neuen Vertrag unterschrieben. Er wird wieder als Ölbaron J. R. vor der Kamera stehen, das Ränkeschmieden wird er aber der nächsten Generation überlassen.

Eine Kombination aus Alt und Neu

Sein Filmsohn John Ross, inzwischen den Kinder-Cowboystiefeln entwachsen, wird sich mit seinem Cousin Christopher in gewohnter Ewing-Manier gegenseitig die Köpfe einschlagen. „Wir haben versucht, Alt und Neu zu kombinieren, ohne den Kontakt zum Original zu verlieren“, kündigte Drehbuchautorin Cynthia Cidre an. „Die Fortsetzung ist ein Familiendrama mit Flair, eine Show mit echten Emotionen und echter Leidenschaft.“ Während die gut 350 Episoden von 1978 bis 1991 meist in kalifornischen Studios gedreht wurden, hat Cidre auch die Southfork Ranch in der Nähe von Dallas als Drehort wiederentdeckt. „Zum ersten Mal wird ,Dallas' auch wirklich in Dallas gedreht“, versprach sie.

Außer der weißen Ranch sollen die Fans auch die Veteranen der Serie problemlos wiedererkennen. „Wir werden nicht nur kleine Gastrollen übernehmen. Larry, Linda und ich werden in jeder Episode etwas zu sagen haben“, verriet Duffy. „Es bleibt eben ,Dallas' - es sind nur 20 Jahre vergangen.“ Der 62 Jahre alte Schauspieler, der für die neue Staffel vom Juniorchef des dysfunktionalen Ewing-Clans zu ihrem Patriarchen mutiert ist, stand nach den Jahren als Bobby bis 1998 in der Rolle des Frank Lambert für die Sitcom „Eine starke Familie“ vor der Kamera.

Seitdem hat der irischstämmige Buddhist Gastauftritte in amerikanischen Seifenopern und Dokumentarfilmen absolviert. Obwohl er in den neunziger Jahren auch in den beiden „Dallas“-inspirierten Spielfilmen „J. R. Returns“ und „War of the Ewings“ mitwirkte, hielt der Schauspieler eine Fortsetzung des früher in 90 Länder übertragenen Serienwunders bis zu Cidres Anruf kaum für möglich.

Korrupte Werte Amerikas

Dabei spielte Duffy Mitte der achtziger Jahre den skurrilsten Part, der den Zuschauern je zugemutet wurde: Als der Schauspieler damals den Vertrag bei „Dallas“ kündigte und Bobby daher bei einem Autounfall sterben musste, litten auch die Einschaltquoten. Die Produzenten der Serie ließen Duffy schließlich nach 30 Folgen wiederauferstehen, indem sie ihn mit einem fröhlichen „Guten Morgen“ auf den Lippen unter die Dusche seiner Filmfrau stellten. Um den Kunstgriff halbwegs plausibel zu machen, wurden die Episoden ohne Bobby kurzerhand als Traum seiner Pam definiert. Ob Hagman und Gray bei Duffys Comeback damals die Finger im Spiel hatten, ist ungeklärt. Das Trio, das schon während der ersten 13 Jahre „Dallas“ auch nach Drehschluss als unzertrennlich galt, trifft sich bis heute regelmäßig zum Abendessen.

Auch Hagman beglückte in den vergangenen Jahren die Fans der Ewings mit gelegentlichen Gastauftritten - die ihn sogar zu Mutter Beimer in die „Lindenstraße“ und zu Richard „Mörtel“ Lugners Opernball nach Wien führten. Ansonsten beackert der vermeintliche Prototyp des Fieslings zusammen mit seiner Ehefrau eine fast 200.000 Quadratmeter große Avocado-Farm nördlich von Los Angeles. Nach einer Lebertransplantation im Jahr 1995 hat er dem Whiskey abgeschworen, rührt keine Zigaretten an und versucht sich immer wieder als Vegetarier.

Die Faszination der bis zu 360 Millionen Zuschauer, die ihn jahrelang unterschwellig bei Deals um Öl und Rinder bewunderten, kann er dennoch nachvollziehen. „Die Serie handelte von den korrupten Werten Amerikas. Das machte gerade für die Zuschauer in anderen Ländern den Reiz aus“, sagt Hagman, der einst mit bis zu 100.000 Dollar Gage pro Episode der bestbezahlte „Dallas“-Mime war. Während die männlichen „Dallas 2012“-Stars ihren einstigen Rollen meist treu bleiben, wird Sue Ellen eine überraschende Wandlung durchmachen. „Die typischen Südstaaten-Schönheiten, die früher reine Staffage waren, sind heute unabhängiger und einflussreicher. Früher mussten sie ihre Meinung für sich behalten und haben aus Frustration hinter verschlossener Tür getrunken“, sagt Gray.

Dallas bietet auch ein Stück Emanzipation

Da die Neuauflage der Serie nun von einer Frau geschrieben wird, hofft die Siebzigjährige auf ein Stück Emanzipation und weniger Alkoholkonsum. Ihre frühere Serienschwägerin Victoria Principal, die sich seit den Jahren als Pam mit dem Vertrieb von Hautpflegeprodukten einen Namen gemacht hat, wird in der Neuauflage dagegen nicht mehr mitspielen. Sie lehnt jede Fortsetzung als „jämmerlich“ ab. Duffy muss sich daher an seine neue Serien-Ehefrau Ann gewöhnen, die aus der Serie „Desperate Housewives“ bekannte Darstellerin Brenda Strong.

Zu den „Neuen“ zählen auch die ehemaligen „Desperate Housewives“-Darsteller Josh Henderson und Jesse Metcalfe, die als John Ross und Christopher in vorerst zehn Episoden um das Imperium Ewing Oil und die Southfork Ranch streiten. Außerdem buhlen die verfeindeten Cousins in „Dallas 2012“ um die Gunst der rassigen Elena, der von Jordana Brewster („Fast & Furious Five“) gespielten Tochter des Kochs. Zur Perfektionierung des Bäumchen-wechsle-dichs hat Cidre zudem die Rolle einer Verlobten für Christopher in die Neuauflage des Ewingschen Dramas eingebaut. Während diese romantischen Verwicklungen ebenso zeitlos daherkommen wie die immer noch makellose Southfork Ranch, bezweifeln die Kritiker, dass die rezessionsgeplagten Zuschauer heute den für „Dallas“ typischen Luxus bestaunen möchten. Falls sie recht behalten, könnte Cidres erste Staffel für Sue Ellen, Bobby und J. R. dieses Mal die wirklich letzte sein.

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