30.01.2004 · Der Flug der „Columbia“ schien schon erfolgreich, da explodierte die Raumfähre beim Anflug auf die Erde. Sieben Astronauten starben. Abgeplatzte Hitzekacheln hatten die Katastrophe ausgelöst.
Schwere Versäumnisse in der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa sind einem offiziellen Untersuchungsbericht zufolge mitverantwortlich für die Columbia-Katastrophe vor sieben Monaten. „Technische Ursache“ für den Absturz der Raumfähre, bei dem am 1. Februar alle sieben Astronauten an Bord ums Leben kamen, sei zwar ein Loch im Hitze-Schutzschild des Shuttles, heißt es in dem am Dienstag vorgelegten Abschlußbericht der unabhängigen Untersuchungskommission. Dazu kämen jedoch „organisatorische Ursachen“. Bei aller Kritik empfahl das Gremium die möglichst baldige Wiederaufnahme des seit dem Unglück ausgesetzten Shuttle-Programms.
"Wir sind überzeugt, daß das Vorgehen des Managements bei der Leitung des Space-Shuttle-Programms genauso sehr Unglücksursache war wie das Schaumstoffstück, das in den linken Flügel einschlug“, betonten die unabhängigen Ermittler. Die Schaumstoffisolierung löste sich dem Untersuchungsbericht zufolge 82 Sekunden nach dem Start am 16. Januar vom Treibstofftank und schlug in den linken Seitenflügel ein. Beim Wiedereintritt in die Atmosphäre konnten durch das entstandene Loch extrem heiße Gase in die Raumfähre eintreten und den Shuttle zerreißen. Alle sieben Astronauten an Bord wurden getötet.
Eigene Vorschriften mißachtet
Hinweise auf Probleme mit der Schaumstoffisolierung hätten die Verantwortlichen in der Nasa ignoriert, kritisierte die von Admiral Harold Gehman angeführte 13köpfige Untersuchungskommission. Auch Anforderungen nach einer genauen Überwachung des Columbia-Flugs seien ungehört verhallt. Die Nasa habe ihre eigenen Sicherheitsvorschriften mißachtet, urteilten die Ermittler. Die derzeitige Organisation“ der Raumfahrtbehörde verfüge nicht über „wirksame Kontrollmechanismen“. Finanz- und Personalmängel und eine veraltete Ausrüstung hätten zu der Katastrophe beigetragen. Als Konsequenz empfahlen die Ermittler dem amerikanischen Kongreß, ein „dauerhaftes, völlig unabhängiges Sicherheits-Team“ für die Überwachung künftiger Shuttle-Missionen einzusetzen.
Die Columbia-Besatzung hätte nach Überzeugung der Ermittler mit einer zweiten Raumfähre gerettet werden können, wenn sich die Nasa über das Ausmaß des beim Start verursachten Schadens bewußt gewesen wäre. Entsprechenden Anzeichen sei aber nicht nachgegangen worden. Die ohnehin bereitstehende Raumfähre Atlantis etwa hätte die Columbia im All treffen können, bevor der Treibstoff des Unglücksshuttles erschöpft gewesen wäre. Im Weltraum hätten die Astronauten „umsteigen“ können. Eine solche Rettungsaktion wäre gefährlich, aber möglich gewesen, erklärten die Ermittler.
Alle Empfehlungen sollen umgesetzt werden
Trotz ihrer Kritik sprach sich die Untersuchungskommission dafür aus, das auf Eis gelegte Shuttle-Programm wieder aufzunehmen, sobald die Sicherheitsvorkehrungen verbessert seien. „Das Shuttle-Programm bleibt zentral für die amerikanischen Ambitionen im Weltall“, erklärten die Ermittler. Kommissionsleiter Gehman hatte Ende Juni einen Zeitrahmen bis kommenden März genannt, innerhalb dessen die Shuttle-Flüge wieder aufgenommen werden könnten. Seine Untersuchungskommission hatte für die Ermittlungen 35.000 Dokumente ausgewertet und Hunderte NASA-Mitarbeiter und Experten befragt. Die Weltraumbehörde sagte bereits zu, alle Empfehlungen der unabhängigen Ermittler umzusetzen.