10.10.2006 · Die Jurastudentin Fatos Cali ist fasziniert vom Islam und würde trotz Probleme mit ihrem Kopftuch ihre Religion nie verleugnen.
Von Nicolas WolzDas Kopftuch, sagt Fatos Cali, sei schon ein Problem. Denn daran könne jeder sofort erkennen, daß sie Muslimin sei. „Ich empfinde Rassismus viel direkter als Migranten, die nicht so offen zeigen, daß sie keine Christen sind.“ Trotzdem käme es für die 19 Jahre alte Berlinerin, die in Anatolien geboren wurde, niemals in Frage, ihre Religion zu verleugnen. „Ich habe mich intensiv mit dem Islam beschäftigt, er fasziniert mich, und ich möchte nach seinen Regeln leben.“
Dazu gehört auch das tägliche Gebet. An der Bucerius Law School, wo Fatos schon seit einem Jahr Jura studiert, war man auf so etwas nicht vorbereitet. „Dort gab es keinen Gebetsraum für muslimische Studenten. Doch das Problem war schnell gelöst: Ich habe einfach den Schlüssel für das Sanitätszimmer bekommen und kann dort beten, wann immer ich will.“ Einen Kompaß, um festzustellen, wo Mekka liegt, hat sie stets bei sich. Trotz der gelegentlichen Anfeindungen fühlt Fatos sich als Deutsche mit türkischem Hintergrund. Ihre Familie lebt nun schon in der dritten Generation in Berlin. Fatos' Vater arbeitet als Kabelmonteur bei Siemens, so wie schon ihr Großvater. In der Türkei war Fatos zum letzten Mal vor acht Jahren.