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Familientragödie Früherer Schwager von Jennifer Hudson verurteilt

 ·  Drei Tage saßen die Geschworenen zusammen, ehe sie sich einigen konnten. Schließlich verurteilten sie den früheren Schwager von Jennifer Hudson wegen Mordes. Aus Eifersucht soll er die Mutter, den Bruder und den Neffen der Schauspielerin erschossen haben.

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© REUTERS Nach dem Schuldspruch: Jennifer Hudson (Mitte), ihr Verlobter David Otunga und ihre Schwester Julia

Als das Urteil verlesen wurde, flossen bei Jennifer Hudson wieder die Tränen. Nach elf Prozesstagen mit Fotos ihres mit zwei Kopfschüssen hingerichteten Bruders, des blutgetränkten Nachthemds ihrer Mutter und der in einen Duschvorhang gewickelten Leiche ihres Neffen schien die Oscar-Preisträgerin den Schuldspruch gegen ihren früheren Schwager William Balfour anfangs kaum wahrzunehmen. Es dauerte fast eine Minute, bevor sie im Saal des Strafgerichts in Chicago den Kopf hob, um ihrer Schwester Julia nach dem Verlesen des Urteils ein erleichtertes Lächeln zuzuwerfen.

“Wir beten, dass Gott Herrn Balfour seine grausige Tat vergibt und sein Herz bekehrt, damit er Reue zeigen kann“, ließen die Schwestern später in einer Twitter-Nachricht wissen. Da der Bundesstaat Illinois vor einem Jahr die Todesstrafe abgeschafft hat, erwartet den Einunddreißigjährigen jetzt eine lebenslange Haftstrafe.

Dass die Geschworenen in der Nacht zum Samstag ein Urteil fällen würden, schien bis zur letzten Minute unwahrscheinlich. Knapp drei Stunden vor dem Schuldspruch hatten die sechs Frauen und sechs Männer Richter Charles Burns mitgeteilt, sich nicht einigen zu können. „Wir versuchen es mit aller Kraft“, meldeten die in einem Hotel untergebrachten Jury-Mitglieder, bevor sie die Aufzeichnungen der Telefongesellschaft zu Balfours Mobiltelefon anforderten.

Jennifer Hudson entging dem Mordanschlag nur knapp

Laut Staatsanwaltschaft lässt sich anhand der Telefonunterlagen nachweisen, dass Balfour am Tag der Morde in der Nähe des Tatorts war. Das als „Flex“ bekannte Bandenmitglied hatte dagegen behauptet, am Morgen des 24. Oktober 2008 in Chicago mit der U-Bahn gefahren zu sein und eine Freundin besucht zu haben. Die Geschworene Jacinta Gholston, die lange an Balfours Schuld zweifelte, ließ sich wie zwei weitere Jury-Mitglieder am Samstag doch noch von Staatsanwalt James McKay überzeugen. „Er konnte schließlich nicht an zwei Orten gleichzeitig sein“, meinte Gholston.

Obwohl keine DNA-Spuren und Fingerabdrücke gefunden wurden, sahen es die Geschworenen nach dreitägigen Beratungen als erwiesen an, dass Balfour aus Eifersucht Hudsons Mutter Darnell Donnerson und ihren 29 Jahre alten Bruder Jason Hudson zu Hause im Problemviertel Englewood tötete. Julian, den sieben Jahre alten Sohn seiner früheren Ehefrau, soll er nach den tödlichen Schüssen entführt haben. Die Leiche des Jungen wurde drei Tage später in einem Auto entdeckt. Hudson war Balfour damals nur knapp entkommen. Die 30 Jahre alte Sängerin und Schauspielerin, die in der Casting-Show „American Idol“ entdeckt wurde und für „Dreamgirls“ einen Oscar gewann, hatte sich kurzfristig zu einem Besuch bei ihrem Verlobten entschlossen, dem Ringer David Otunga.

Balfours Verteidigerin Amy Thompson bereitet nun einen Berufungsantrag vor. Nicht ihr Mandant sei für die Morde verantwortlich, sondern ein Freund von Jason Hudson, der mit dem Getöteten Drogen verkauft habe. Schon im Prozess hatte Thompson der Polizei schlampige Ermittlungen vorgeworfen, um der Öffentlichkeit wegen Hudsons Prominenz schnell einen Schuldigen zu präsentieren. „Es ging aber nicht um Hudson“, hielt Jurymitglied Jacinta Gholston dagegen. „Es war der Fall William Balfour.“

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