09.09.2008 · Die Kopflaus ist das häufigste Haustier der Deutschen. Hinter vorgehaltener Hand vermuten Eltern und Lehrer immer wieder, dass ein Zusammenhang mit dem gestiegenen Anteil ausländischer Kinder bestehe. Aber in Wirklicheit ist Läusebefall etwas Soziales, und das macht die Sache schwierig.
Von Richard WagnerDie Zeiten sind lausig. Und daran sind ausnahmsweise weder das politische Berlin noch die schwächelnde Wirtschaft schuld. Lausig sind die Zeiten, weil sich bei uns ein nur sesamkorngroßes Tierchen wieder ausgebreitet hat. Pediculus humanus capitis, vulgo: Kopflaus, fehlt in kaum einem Kindergarten und kaum einer Schule. Wenigstens einmal im Jahr müssen sich Eltern in den Apotheken aufrüsten, um gegen den umtriebigen Parasiten ins Feld zu ziehen.
Es gibt zwar noch keine umfassenden Zahlen über den Kopflausbefall, da er erst seit 2001 meldepflichtig ist. Gleichwohl wurde etwa beim Gesundheitsamt Wiesbaden ein kontinuierlicher Anstieg für alle Schulen und Kindertagesstätten von 41 Fällen im Jahr 2001 auf 638 Fälle im Jahr 2006 verzeichnet - allein in diesen paar Jahren eine Steigerung um satte 1500 Prozent. Schätzungen sprechen von einer Million Fälle jährlich in Deutschland. In den Industrieländern sollen zwischen ein und drei Prozent der Bevölkerung befallen sein, das wäre immerhin ein Heer von 10 bis 30 Millionen Menschen, auf denen ein Vielfaches an Läusen herumturnt. Im Übrigen, jenseits aller Statistik: Wer lange genug lebt, weiß aus eigener Anschauung, was sich verändert hat. In den Schulen und Kindergärten der sechziger und siebziger Jahre gab es nicht alle paar Wochen Läusealarm.
Man wüsste doch gerne, wem man die Tierchen zu verdanken hat
Die regelmäßige Wiederkehr nervt. Und wer die ersten Schlachten auf den Köpfen der Kinder mit den einschlägigen Läuseshampoos geschlagen hat, wüsste doch gerne, wem er die Tierchen zu verdanken hat. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) in Bonn ist die natürliche Anlaufstelle für den eigenen Unmut. Aufklärung erhält man dort aber nur in einem sehr weit gefassten, eher akademischen Sinn. Ein Faltblatt, das Jahr für Jahr 750.000 Mal nachgefragt wird - neben der deutschen gibt es auch türkische, russische, serbische und kroatische Ausgaben, die letzte allerdings nur noch als PDF-Datei zum Herunterladen -, ordnet das Problem nämlich erst einmal historisch ein. Kopfläuse, heißt es da, seien immer schon heimisch in Europa.
Das soll wohl irgendwie beruhigend klingen, den Ekel beschwichtigt es nicht. (Auch, dass der Mensch schon vor etwa 5,5 Millionen Jahren von der Kopflaus befallen war, wie amerikanische Forscher herausgefunden haben, also just zu dem Zeitpunkt, als sich die Entwicklungslinien von Affe und Mensch trennten, ist kein rechter Trost.) Die BzgA schreibt weiter, dass auch „die heute so hohen hygienischen Standards“ nichts daran geändert hätten, dass die Kopfläuse sich bei uns wie zu Hause fühlen. Augenzwinkernd fügen die dem Berliner Bundesgesundheitsministerium zugeordneten Bonner Volkspädagogen hinzu, die hygienisch unbeeindruckbaren Tierchen bevorzugten womöglich sogar frisch gewaschenes Haar. Dass Läuse etwas mit Hygiene zu tun haben, soll bitte dringend niemand denken. Warum ihnen dann aber mit der Chemokeule zu Leibe rücken?
Deutschland, einig Läuseland!
Die Kopflaus ist der demokratische Parasit schlechthin. Sie diskriminiert - außer Glatzköpfen - niemanden wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen. Und weil sie jeder bekommen kann, muss sich ihrer auch keiner schämen. Deutschland, einig Läuseland!
Wer so viel Gelassenheit nicht aufbringt und in der behördlicherseits zum Normalfall stilisierten Verlausung gar einen zivilisatorischen Rückschritt wittert, soll sich mal bloß nicht so haben. Schmutz, Ekel, Zersetzung - alles Einbildung. Die Vorstellung, wie die Laus sich mit ihren Hakenbeinchen an einem Haar festkrallt, nach der besten Stelle späht, um ihren kurzen Rüssel in die unschuldige Kopfhaut zu bohren, und nachdem sie etwas Speichel hineingespritzt hat, um das Gerinnen des Blutes zu verhindern, wie sich ihr fester Körper beim Saugen langsam bräunlich bis rötlich verfärbt - alles halb so schlimm. Und wenn durch das Kratzen bereits kleine Wunden entstanden sind, die sich entzündet haben und vielleicht zu Schwellungen der Lymphknoten führen - kriegen wir wieder hin. Der durch die ökologischen Stahlgewitter hindurchgegangene moderne Mensch, der gelernt hat, dass Unkräuter politisch korrekt Kulturpflanzenbegleiter sind, soll auch diese Zone als possierlichen Teil seiner ganzheitlichen Wirklichkeit begreifen. Denn, so sagen es Naturforscher mit Begeisterung, die Welt der Parasiten steckt voller Wunder; und wer näher hinsieht, kommt aus „dem Staunen über die biologische Vielfalt der Tiere und deren raffinierte Strategien der Wirtsfindung“ nicht heraus.
Ein Zusammenhang mit dem gestiegenen Anteil ausländischer Kinder?
Dass Kopfläuse in Mitteleuropa zu Hause sind, sagt auch Michael Forßbohm. Der angesehene Mediziner vom Wiesbadener Gesundheitsamt berät das Bundesgesundheitsministerium und hat maßgeblich an einschlägigen Broschüren der BzgA mitgewirkt. Er sieht zwar auch immer wieder epidemische Häufungen, die über das „Grundrauschen“ der sogenannten Endemie hinausgehen. Die seien aber örtlich und zeitlich begrenzt. Von einer neuen Gesamtlage will er darum nicht sprechen. Zu einer anderen Bewertung kommt eine erfahrene Lehrerin: „Vor dreißig Jahren“, sagt sie, „gab es das Problem der Kopfläuse praktisch nicht.“ Hinter vorgehaltener Hand vermuten Eltern und Lehrer immer wieder, dass ein Zusammenhang mit dem gestiegenen Anteil ausländischer Kinder bestehe. In verschiedenen Kulturen gebe es eben verschiedene Vorstellungen von Hygiene. Wer die Welt und die Geschichte der Hygiene kennt, wird das schwerlich bestreiten. Aber die Lehrer beobachten auch, dass in deutschen Familien die Vorstellungen über Sauberkeit und Putzen heute womöglich weniger rigide sind als früher.
Häufig wird das Läuseproblem auch mit den Urlaubsreisen in Verbindung gebracht. Eine angenehme Vorstellung, hält sie den Parasiten doch draußen vor der Tür, von wo aus er zwar hineinkommt, aber doch irgendwie fremd bleibt. Deutschland ist kein Einwanderungsland, die Laus kriegt keine deutsche Staatsbürgerschaft! Doch Lehrer erkennen in der Laus schon lange ein Dauerproblem. „Die Läuseplage ist permanent da, nur in unterschiedlicher Intensität.“ Es sei wie bei einem Feuer, das nie ganz gelöscht werde. Glutherde bleiben übrig: „Über kurz oder lang wachsen die Flammen dann wieder auf, und der Brand ist wieder da.“
Die Kopflaus als Globalisierungsgewinner
Der Parasitologe Heinz Mehlhorn von der Universität Düsseldorf kann diese Einschätzung nur bestätigen. Und wo die BzgA allgemein bleibt, keine Schuldigen nennt, ja erst gar keine Schuldigen sucht, ist er unzweideutig: Er sieht die Kopflaus als Globalisierungsgewinner. „Mit der Öffnung der Grenzen kehrte die in Mitteleuropa als ausgestorben geltende Kopflaus in Massen nach Deutschland zurück.“ Viele Menschen reisten in südliche Länder, darunter Gegenden, in denen es eben mehr Kopfläuse gebe als in unseren Breiten. „Ich war zum Beispiel in Dörfern im Nildelta und in Brasilien“, berichtet Mehlhorn, „wo die Kinder nicht wie hier vier, fünf oder zehn Kopfläuse auf dem Kopf haben, sondern 400 oder 500.“ Bekämpfungsmittel gibt es dort keine, oder aber den Leuten fehlt es am nötigen Kleingeld, solche Mittel zu kaufen. Wenn dann nur eine Kopflaus nach Deutschland gelange, so Mehlhorn, wirke sich das wie bei einem Schneeballsystem aus.
Aber es sind nicht nur die deutschen Reiseweltmeister, die sich die Läusesuppe selbst einbrocken. Mehlhorn sagt auch, dass die Kopflaus in den „absolut ländlichen“ und „hygienisch rückständigen Gebieten wie Osteuropa“ viel stärker sei als in Deutschland und jetzt eingeschleppt werde. Nicht überall habe man die gleichen Hygienestandards wie bei uns. Und dabei wird nicht nur die - vergleichsweise harmlose - Kopflaus importiert. „Auch die Kleiderlaus kommt aus Osteuropa. Die war hier fast ausgestorben. Und bei der Kleiderlaus muss man höllisch aufpassen. Denn sie kann die Erreger des Flecktyphus übertragen.“ Die anschwellenden Migrationsströme - vor allem aus verseuchten Gebieten Osteuropas und Afrikas - haben überdies die gefährlichen Erreger von Tuberkulose und Hepatitis B wieder ins Land gebracht.
Eine semantische Zone, die politisch wahrhaft heikel ist
Über diesen Begleiterscheinungen der Globalisierung liegt aber noch in anderer Weise der Bann der politischen Korrektheit. Denn über Läuse und ihre Bekämpfung zu reden führt in eine semantische Zone, die politisch wahrhaft heikel ist. Im Herbst des vergangenen Jahres ließ sich das exemplarisch in München beobachten. Da hatte sich doch der CSU-Oberbürgermeisterkandidat Josef Schmid erlaubt, SPD-Oberbürgermeister Christian Ude und seinen rot-grünen Magistrat erst als „Made im Speck der CSU“ zu bezeichnen und dann auch noch als „Laus in der Mähne des bayerischen Löwen“! Um anschließend seinen Anhängern zuzurufen, es sei höchste Zeit, mit der „Entlausung des bayerischen Löwen“ zu beginnen. Die Empörung folgte auf dem Fuß. Denn der Begriff weist direkt ins deutsche Herz der Finsternis, die Gaskammern der nationalsozialistischen Vernichtungslager.
Betroffene Eltern neigen gerne zu Übertreibungen, aber ihre subjektiven Eindrücke werden durch den eindrucksvollen Anstieg der Verkaufszahlen für Kopflausmittel untermauert: Wurden in Deutschland im Jahr 2003 Mittel für fast 18 Millionen Euro abgesetzt, stieg der Umsatz im darauffolgenden Jahr auf mehr als 20 Millionen. 2005 lag er schon bei fast 25 Millionen, 2006 bei fast 30 Millionen, und im vergangenen Jahr konnten die Hersteller bereits mehr als 36 Millionen umsetzen - insgesamt eine Verdopplung des Umsatzes in nur vier Jahren. Die Laus lohnt sich. Und ein Ende der guten Geschäftsentwicklung scheint nicht in Sicht. Denn es gelingt offenbar nicht, die Ausbreitung der Laus zu verhindern, geschweige denn, ihr den Garaus zu machen.
Nötig ist der Oberbefehl kompromissloser Mütter
Dabei ist alles ganz einfach, sagen die offiziellen Broschüren. Die Kopflaus kann nur auf behaarten Menschenköpfen überleben und braucht alle drei bis sechs Stunden lecker Blut. Außerhalb ihres Wirts überleben Kopfläuse zwei, höchstens drei Tage.
Läusebefall ist aber was Soziales, und das macht die Sache schwierig. Erfolgreich bekämpft werden können die Tierchen eben nur, wenn sich alle Befallenen einem rigorosen Reinigungsregiment unterwerfen unter dem Oberbefehl kompromissloser Mütter. Wie der römische Feldherr Maximus in den finster-dampfenden Wäldern Germaniens ordnet Mama ihre Truppen und schickt sie in die Schlacht: „Auf mein Signal lasst ihr die Hölle los!“ Ohne Erbarmen geht es dann gegen die Haare der Liebsten, das Bettzeug, Mützen, Teppiche, Kuscheltiere. Ein derart radikales Hygieneregiment sei eigentlich unnötig, sagen Läusespezialisten. Dem komme höchstens eine „symbolische Funktion“ zu. Denn selbst bei hochgradig verlausten Personen sei kein nennenswerter Befall in den Wohnungen feststellbar. Aber ohne die hinter diesem Willen zur Hygiene stehende Einstellung ist der Kampf nicht zu gewinnen.
„Wer kümmert sich dann um die Mutter?“
Allein, die gegen Schmutz gnadenlose Hausfrau stirbt allem Anschein nach aus. Von Schmutz im Haushalt spricht eh keiner mehr - es gibt lediglich noch unterschiedliche Hygienevorstellungen. Das beeindruckt die Läuse freilich wenig. Ein schwaches Glied in der Abwehrkette genügt, und das Krabbeln und Kratzen geht von vorne los. Oft verschweigen die Eltern auch, dass ihr Kind von Läusen befallen ist. Eltern berichteten, schreibt der Hygieniker Hermann Feldmeier von der Berliner Charité, Kinder mit Kopfläusen würden ausgegrenzt und fühlten sich daher unwohl. Läuse würden immer noch als Ausdruck mangelnder Hygiene und Zeichen von Verwahrlosung angesehen, und dieses Vorurteil werde dadurch bestätigt, dass „der Kopflausbefall bei Kindern aus sozial schwachen Familien überproportional häufig ist“ - bestätigte Vorurteile halten sich besonders hartnäckig. Kinder aus sozial schwachen Familien, so der Gesundheitswissenschaftler Reinhard Bornemann von der Universität Bielefeld, kämen in der Regel auch sehr spät zum Arzt, häufig erst, wenn der Kopf bereits wund gekratzt sei - und die Läuse schon längst an die Spielkameraden weitergereicht wurden. Eine hervorstechende Gruppe sind für Bornemann alleinerziehende Mütter. Sie schaffen es häufig nicht, in ihrem ohnehin strapaziösen Alltag zusätzliche Lasten zu bewältigen. Das gilt auch für den verantwortlichen Umgang mit Kopflausbefall. Aber selbst wenn das Kind genau untersucht und behandelt würde, sagt Bornemann: „Wer kümmert sich dann um die Mutter?“
Auch Familien, in denen beide Elternteile berufstätig sind, lassen oft die nötige Sorgfalt beim Kampf gegen die Kopfläuse vermissen. Das hat mit dem wachsenden Wettbewerbsdruck zu tun, der den Eltern nicht die Zeit lässt, sich mit solchen Problemen gründlich zu befassen. Eltern, so ergab eine Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung, sähen sich einem wachsenden „moralischen und ökonomischen Druck“ am Arbeitsplatz ausgesetzt, sobald familiäre Probleme ihre Flexibilität und Mobilität beeinträchtigten. So liefen sie Gefahr, ihre beruflichen Aufstiegschancen zu verspielen, wenn etwa die Kinder unerwartet in der Schule oder im Kindergarten erkrankten und abgeholt werden müssten. Der Traum vom flexiblen Menschen flexibilisiert auch die Laus.
Die einen sind schlampig, die anderen haben eine grüne Öko-Attitüde
Vielen Eltern fehlt es aber einfach an Disziplin und langem Atem. Die Kinder sind zwar nach der ersten Behandlung mit einem Anti-Läuse-Shampoo nicht mehr „ansteckend“. Aber die Behandlung muss über fast zwei Wochen mit weiteren Waschungen und regelmäßigem Auskämmen fortgesetzt werden, damit auch die bereits abgelegten Eier der Läuse vernichtet werden. Heinz Mehlhorn drückt es so aus: „Die einen sind schlampig, und die interessiert es nicht, wenn ihre Kinder Läuse haben. Und die anderen haben eine grüne Öko-Attitüde. Die behandeln nicht, weil sie die Mittel für Gift halten.“ Er erlebe es immer wieder, dass Mütter ihre Kinder nicht behandelten. „Dann haben auch die Kinder der vernünftigen Mütter sofort wieder Läuse.“
Dem pflichtet auch Forßbohm bei. In seinen Augen macht ein ökologisch korrektes Bewusstsein den Kampf gegen die Laus zu einem aussichtslosen Unterfangen. Er hat zwar Verständnis dafür, dass man bei Gemüse auf Öko achte, rät aber dringend davon ab, bei Läusen auch so zu verfahren: „Mit sanften Mitteln ist den Tierchen nicht beizukommen.“
Das Therapieversagen beläuft sich auf mehr als 30 Prozent
Im Kampf gegen die Läuse setzen die Gesundheitsbehörden auf Freiwilligkeit. Seit dem 1. Januar 2001 gibt es ein neues Infektionsschutzgesetz (IfSG). Seither dürfen verlauste Kinder nicht in Kindergärten oder Schulen geschickt werden. Die Eltern sind überdies verpflichtet, der Einrichtung den Befall des Kindes sofort mitzuteilen. Die wiederum muss dem zuständigen Gesundheitsamt eine namentliche Meldung machen. Dieser Pflicht genügen aber bei weitem nicht alle Gemeinschaftseinrichtungen für Kinder und Jugendliche, wie Gesundheitsbeamte vermuten.
Die pulsierende Wiederkehr der Läuse zeigt die Lücken in der Behandlungskette auf. Das Therapieversagen beläuft sich nach konservativen Schätzungen auf mehr als 30 Prozent. Die Frage nach Zwangsmaßnahmen stellt sich für viele genervte Eltern wie von selbst. Wessen Familie trotz härtester Gegenwehr mehrmals im Jahr von der Plage befallen wird, ist vielleicht nicht zu allem, aber doch zu allerhand bereit. Die Gesundheitsämter haben aber nicht das Recht, in Schulen oder Kindertagesstätten ohne Einwilligung der Eltern die Kinder zu untersuchen. Manche Ämter gehen aber auch ohne elterliche Einwilligung in besonders betroffene Schulen und untersuchen die Kinder in einem Akt der Nothilfe, wie man - wieder nur hinter vorgehaltener Hand - zu hören bekommt. Und manche Pädagogen gucken auch mal ohne elterlichen Segen auf Kinderköpfchen. „Solches Vorgehen wird als fürsorglich angesehen“, heißt es. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass sich die Lage grundlegend ändern wird. Die Voraussetzungen für das Wohlergehen der Kopflaus werden auf absehbare Zeit günstig bleiben - sie thront eben über uns in der Nahrungskette.
Offiziell sind es zwar immer noch Hund, Katze, Meerschweinchen, Hamster, Kaninchen, Fische oder Vögel, die die Deutschen besonders in ihre Herzen geschlossen haben - insgesamt mehr als 23 Millionen an der Zahl - und die sie sich einiges kosten lassen: Fast drei Milliarden Euro geben wir für unsere Lieblinge aus. Die Kopflaus braucht diesen Haltungsaufwand nicht - sieht man einmal von den Vernichtungsmitteln ab. Auf der Bestenliste taucht sie nicht auf. Aber sie ist es wohl trotzdem: wenn auch nicht das beliebteste, so doch das häufigste Haustier der Deutschen.