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Weihnachtslieder bei FAZ.NET Ihr Kinderlein, singet!

Der Advent beginnt, das Fest kommt näher, aber kaum jemand will noch singen. Höchste Zeit, das zu ändern! Bis Heiligabend stellen wir jeden Tag ein neues Weihnachtslied vor - zum Zuhören und Mitsingen.

© dpa Vergrößern Singen ist Kraftfutter für Kindergehirne: Die Knaben des Leipziger Thomanerchors sind ganz schön stark

Es gibt Menschen, die trauen sich nur in der Weihnachtszeit etwas: gehen in die Kirche, streiten einmal nicht mit ihren Eltern, binden sich einen Schlips, tun also Dinge, die sie sonst lieber lassen. Aber Lieder zu singen, das ist vielen selbst an Weihnachten noch eine Spur zu gewagt.

Seit Jahren wird beklagt, dass in deutschen Wohnzimmern zu wenig gesungen werde. Und es stimmt: Bloß ein Fünftel der Deutschen singt Weihnachtslieder noch selbst, lautet das Ergebnis einer Umfrage der Marktforscher von Ears and Eyes aus dem Jahr 2008.

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Die meisten werden wohl ihre Gründe haben. 67 Prozent der Deutschen meinen nämlich, sie könnten gar nicht singen. Dieser Befund harmoniert mit Weihnachten schlecht. Schließlich ist das Fest und schon der Advent auf Perfektion getrimmt. Alles muss schön aussehen, riechen, schmecken, klingen. Und da wird es kompliziert. Denn Laiensänger vergaloppieren sich gern in der Behäbigkeit von „Stille Nacht“. Und wer klingt bei „Morgen Kinder wird’s was geben“ besser als ein alter Leierkasten (wi-ird’s wa-as geben), wer, bitte schön, hält bei „Süßer die Glocken nie klingen“ das bittersüße hohe C? Wer also zählt sich nicht zu den 67 Prozent Minderbegabten?

Wir hören lieber Rolf Zuckowski

Wen wundert es also, dass die meisten ihren Sound zum Fest lieber aus den Boxen hören, gesungen von Stimmprofis wie Andrea Bocelli, Helene Fischer, Rolf Zuckowski oder Lady Gaga, die mit unserem Unvermögen und ihren Weihnachts-Spezial-Alben viel Geld verdienen.

Früher wurden die Geschenke noch selbst gebastelt, die Weihnachtsgänse noch selbst gemästet und die Stimmbänder noch selbst in Schwingungen versetzt (und zwar die eigenen). Aber früher war auch mehr Lametta, wie Loriot schon seufzte. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass man die Fäden aus Stanniolpapier erstmals um die Zweige der Wohnzimmertanne wand. Ende des 19. Jahrhunderts soll das gewesen sein.

The Rockefeller Center Christmas tree stands lit during the 80th © dpa Vergrößern Hier wird noch gesungen: Am Mittwochabend wurden die 45.000 Lichter am 27 Meter hohen Weihnachtsbaum vor dem Rockefeller Center in New York angezündet. Rod Stewart und CeeLo Green gaben dieses Mal die Weihnachtslieder zum besten.

Die Tanne selbst wurde überhaupt erst in die Stuben der meisten Städter gebracht, als eine Eisenbahn die Nadelbäume aus den fernen Wäldern herbeitransportieren konnte, wie Wolfgang Kaschuba schreibt; in Berlin sei das Mitte des 19. Jahrhunderts gewesen. Erst zu der Zeit kam auch das Weihnachtsliedersingen im Familienkreis in Mode.

„Weihnachten geriet zur Inszenierungsbühne der bürgerlichen Familie, in dessen Lichterglanz man sich seine Zuneigung beweisen konnte“, sagt Kaschuba und erinnert daran, dass das Liedersingen an Heiligabend auch einem Geschäft glich, abgeschlossen zwischen Eltern und ihren Kindern. Im Tausch für ein gelungen interpretiertes Lied aus dem klassischen Kanon (es war die Zeit vor „Zumba, zumba“ oder „Eine Muh, eine Mäh“) bekamen die Kleinen Geschenke.

Singen macht glücklich und hält fit

Dabei waren sie ohnehin schon Glückskinder, wie Biologen und Neurologen heute sagen würden. Wenn wir singen, werden Opioide ausgeschüttet, die uns euphorisch stimmen. Singen macht uns fit, weil dabei die Konzentration bestimmter Proteine steigt, die unser Immunsystem stärken. „Singen ist Kraftfutter für Kindergehirne“, behauptet der Neurobiologe Gerald Hüther. Wenn Kinder zusammen mit anderen ein Lied anstimmten, würden unterschiedliche neuronale Netzwerke aktiviert und miteinander verknüpft. Zusammen zu singen fördere auch die soziale Kompetenz, glaubt Hüther, weil man sich auf andere einzustimmen lerne.

Man muss sich dabei auch wohlfühlen, und dafür sind Familie oder Freunde die beste Kulisse. Denn da geht es netter zu als in anderen Zirkeln, anders als damals, in der dritten Klasse, als die Leiterin des Schulchors einen schrecklichen Verdacht äußerte: „Du grummelst!“ Die zarte Hoffnung auf eine Karriere als Popstar wurde brüsk erstickt. Ungefragt wurde man in die Xylophon- und Triangel-Gruppe gesteckt. Dagegen wird man aus keiner Familie geworfen, nur weil man schräg singt.

Probieren wir es also, warum nicht, mit „Stille Nacht“, dem mit Abstand beliebtesten Weihnachtslied der Deutschen. Versuchen wir, nicht ungeduldig zu werden, wenn eine gefühlte Ewigkeit verrinnt, bevor wir von „Sti-ille“ zu „Naaaacht“ überwechseln. Versuchen wir uns zu besinnen, konzentrieren wir uns auf das Wesentliche, wie wir zum Beispiel die Oktave erklimmen sollen, wenn „alles schläft“ und „einsam wacht“. Ohne dass es verzerrt klingt, bitte! Denn Dissonanzen rufen Ängste hervor, haben Wissenschaftler aus Los Angeles herausgefunden.

Man kann natürlich auch ein eher dadaistisches Lied wählen. „Eine Muh, eine Mäh“ zum Beispiel, etwas für Einsteiger oder Vermeider. Verfehlte Töne fallen da weniger auf. Aber wollten wir dieses Jahr nicht endlich wieder etwas wagen?

Weihnachtslieder zum Download

Bis Heiligabend stellt FAZ.NET Weihnachtslieder zum Zuhören und Mitsingen vor. Jeden Tag gibt es ein neues Lied mit Notenblättern und Instrumentalversionen zum Download: www.faz.net/weihnachtslieder

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 30.11.2012, 08:32 Uhr