27.04.2007 · Diese Wohnung will man nicht betreten: Spinnweben über den Möbeln, Verfaultes im Kühlschrank, Kot auf dem Badezimmerboden. Dort hausten vier Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren, die die meiste Zeit von ihrer Mutter allein gelassen wurden.
Vier Kinder haben sich in einer völlig verdreckten Wohnung in Berlin offenbar monatelang allein durchgeschlagen, nachdem ihre Mutter sie verlassen hatte und zu ihrem neuen Freund gezogen war. Dies berichtete die Polizei am Freitag. Die Wohnung befand sich demnach in grauenhaftem Zustand, übersät von Müll, Unrat und Spinnweben. Doch versorgte der Älteste, ein Zwölfjähriger, seine elf, neun und acht Jahre alten Geschwister so gut, dass die Not der Kinder nur durch Zufall aufflog.
Nach Angaben des Jungen sind sie schon seit dem vergangenen Sommer allein in der Vier-Zimmer-Wohnung in Pankow. Wovon sie lebten, war zunächst nicht ganz klar, wie Ermittler Michael Havemann sagte. Während die Küche unbenutzbar war, fanden die Beamten bei einer Begehung am Donnerstag im Flur der Wohnung Margarine und Toastbrot. „Davon haben sie sich wohl ernährt“, sagte Havemann. Die Mutter sei ab und zu erschienen und habe den Kindern fünf Euro hinterlassen. Noch sei es der Polizei nicht gelungen, Kontakt mit der 46-jährigen Frau aufzunehmen. Die Kinder waren nach Havemanns Worten zwar schmutzig, aber nicht krank. Sie kamen in die Obhut des Jugendamts.
Kinder versuchten den Schein zu wahren
Amtsleiterin Judith Pfennig äußerte Zweifel, ob die Kinder wirklich so lange völlig ohne Aufsicht waren. Das Amt kenne die Familie seit längerem und habe auch sporadisch Kontakt zur Mutter gehabt. Allerdings sagte Pfennig auch, es sei nicht ungewöhnlich, dass Kinder alles versuchten, den Schein zu wahren und ihre Eltern zu schützen.
Das Amt hatte die Polizei alarmiert, nachdem die Mutter zu einem Termin mit Betreuern in der Schule der Kinder nicht erschienen war. Dort habe der Zwölfjährige sein Herz ausgeschüttet, sagte Havemann. Der Junge habe sich völlig überfordert gefühlt. Außerdem sagte er, es sei ihm peinlich, wie die Wohnung aussehe.
Dort hingen in allen Räumen teils meterlange Spinnweben von den Decken und den Möbeln, wie die Polizei berichtete. „Im Kühlschrank befanden sich eine undefinierbare, verfaulte Masse und sowohl lebende als auch tote Fliegen“, hieß es weiter. Die Küche wurde offenbar seit Monaten nicht mehr benutzt, auch das schmutzige Geschirr war laut Polizei von Spinnweben überzogen. Kindgerechte Nahrung war nicht zu finden.
Die Toilette war den Angaben zufolge völlig verdreckt und mit Kot beschmiert. Überall auf dem Fußboden hätten Müll, verschmutzte Wäsche und Lebensmittelreste gelegen. „Ein Zimmer war kaum zu öffnen, da sich hinter der Tür nur Müll und Unrat befanden“, hieß es im Polizeibericht.
Havemann sagte, trotz allem seien die Kinder regelmäßig zur Schule gegangen. Auch Jugendamtsleiterin Pfennig zeigte sich erstaunt, was die Kinder allein zu Wege brachten. „Die waren hochkompetent“, sagte sie. „Sie machten keinen verwahrlosten Eindruck. Sie haben als System richtig sozial gehandelt.“
Havemann betonte, dass man bei der Aufklärung des Falls noch ganz am Anfang stehe. Auf Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht stehen bis zu drei Jahre Haft.
Wo ist Mixa?
Ronald Gruenebaum (bruxman)
- 27.04.2007, 15:55 Uhr
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Klaus Steffen (krs)
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