Home
http://www.faz.net/-gux-76c79
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Urteil des OLG Hamm Name von Samenspender muss preisgegeben werden

Die Tochter eines anonymen Samenspenders darf den Namen ihres biologischen Vaters erfahren. Eine entsprechende Entscheidung verkündete nun das Oberlandesgericht Hamm. Die Mutter der Klägerin hatte sich vor 22 Jahren anonym befruchten lassen.

© dpa Vergrößern Eine menschliche Eizelle, umgeben von Spermien

Eine Samenbank muss einem anonym gezeugten Kind den Namen des leiblichen Vaters nennen. Das hat das Oberlandesgericht Hamm am Mittwoch in einem wegweisenden Urteil entschieden. Geklagt hatte eine 21 Jahre alte Frau, deren Mutter sich auf diese Weise befruchten lassen hatte.

Die Richter im westfälischen Hamm werteten das im Grundgesetz festgelegte Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit höher als das Recht eines Spenders auf Anonymität (Az: I-14 U 7/12). Das Urteil ist rechtskräftig. Eine Revision ist laut OLG nicht zugelassen.

Der beklagte Fortpflanzungsmediziner Thomas Katzorke beruft sich weiter darauf, dass die Daten zu dem Fall nicht mehr vorlägen. Die Unterlagen hätten damals nur zehn Jahr aufbewahrt werden müssen, sagte Katzorke in einer ersten Reaktion auf die Gerichtsentscheidung. Katzorke, der bei der Verkündung der Entscheidung nicht anwesend war, bezeichnete das Urteil als „rein theoretisch“.

Die Richter des Oberverwaltungsgerichts nahmen dem Mediziner die Argumentation nicht ab. Bei einer Befragung hatte er sich in Widersprüche verstrickt und zugegeben, dass nicht alle Daten vernichtet wurden.

Mehr zum Thema

Die Klägerin Sarah P. wollte sich nicht selbst zu ihrem juristischen Erfolg äußern. Der Anwalt der jungen Frau kündigte aber eine Stellungnahme an. Seit rund vier Jahren weiß die Einundzwanzigjährige, dass ihr Vater nicht ihr Erzeuger ist. Sie kämpft gemeinsam mit dem Verein Spenderkinder auf juristischem Weg für das Recht, den biologischen Vater kennenzulernen.

Bereits 1989 hatte das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass es zu den Persönlichkeitsrechten eines Menschen gehört, seine genetische Herkunft zu kennen. Erst das Jahr 2007 brachte mit dem Gewebegesetz eine Neuerung: Unterlagen zur Samenspende, die als Gewebeübertragung gilt, müssen jetzt 30 Jahre aufbewahrt werden.

Zur Zahl der Betroffenen in Deutschland gibt es nur Schätzungen. Das Essener Novum-Zentrum für Reproduktionsmedizin, das der jetzt beklagte Mediziner Katzorke leitet, geht von rund 100.000 Kindern anonymer Samenspender aus.

Quelle: DPA

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Eizellen einfrieren Wenn die biologische Uhr lauter tickt

Um nicht kinderlos zu bleiben, lassen Frauen mit spätem Kinderwunsch ihre Eizellen einfrieren. Die Nachfrage nach Social Freezing steigt. Mehr Von Sarah Kempf, Wiesbaden/Mainz

18.10.2014, 15:40 Uhr | Rhein-Main
Fünf Jahre Gefängnis Oscar Pistorius wird nach Verurteilung abgeführt

Der Leichtathlet ist nach der Verkündung seines Strafmaßes mit einem Sicherheitswagen weggebracht worden. Oscar Pistorius war zuvor zu fünf Jahren Haft verurteilt worden, weil er seine Freundin erschossen hat. Er soll noch am heutigen Dienstag ins Gefängnis gebracht werden. Mehr

21.10.2014, 15:10 Uhr | Gesellschaft
BGH entscheidet über Sanierungskosten Mitgehangen - mitgefangen?

Der Keller im Appartmenthaus fault weg, das Dach ist leck: Bislang müssen die Miteigentümer alle wichtigen Renovierungen im Haus mitfinanzieren. Jetzt prüft der Bundesgerichtshof, ob das so bleibt. Mehr

17.10.2014, 08:16 Uhr | Finanzen
Strafmaß verkündet Pistorius muss für fünf Jahren ins Gefängnis

Oscar Pistorius ist zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Im September war der Paralympics-Sprinter bereits wegen fahrlässiger Tötung seiner Freundin Reeva Steinkamp schuldig gesprochen worden. Mehr

21.10.2014, 11:55 Uhr | Gesellschaft
Oscar Pistorius Ein Nationalheld geht in Haft

Der Prozess gegen Oscar Pistorius war lang und bisweilen kaum zu ertragen. Die Suche nach dem richtigen Strafmaß war für die Richterin ein Balanceakt. Das gefallene Idol trägt das Urteil am Ende mit Fassung. Mehr Von Claudia Bröll, Kapstadt

21.10.2014, 16:00 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 06.02.2013, 11:07 Uhr