http://www.faz.net/-gum-76cj2
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Best Ager - Für Senioren und Angehörige

Veröffentlicht: 06.02.2013, 16:41 Uhr

Urteil Bei eineiigen Zwillingen kein Vaterschaftstest

Justiz und Medizin stoßen an ihre Grenzen: Vergeblich hat ein Junge mit einer Klage vor dem Oberlandesgericht Celle versucht herauszufinden, wer sein Vater ist. Das sei nicht möglich, urteilte das Gericht nun, weil die Mutter eine Affäre mit Zwillingsbrüdern hatte.

Das Oberlandesgericht Celle hat befunden, bei eineiigen Zwillingen sei eine Vaterschaft nach jetzigem Stand der Wissenschaft nicht mit einem genetischen Abstammungsgutachten zu klären; hier stoße die Medizin und mit ihr auch die Justiz an Grenzen. Daher sei, so das Urteil (Aktenzeichen: 15 UF 51/06) des Zivilsenates, weder dem Beklagten noch seinem Zwillingsbruder eine Spermaprobe oder ein DNA-Abgabe zuzumuten.

Beide Zwillingsbrüder hatten nach glaubwürdigen Zeugenaussagen in der gesetzlichen Empfängniszeit mit der Mutter des 14 Jahre alten Klägers aus dem Landkreis Hameln verkehrt.

„Ich bedauere die Situation des Klägers“, sagte OLG-Sprecher Götz Wettich. „Für ihn ist die Entscheidung im Ergebnis sicher unbefriedigend.“ Mit der Entscheidung habe auch der Landkreis Hameln-Pyrmont, der für die Eltern mit sehr aufwendigen Sozialleistungen eingesprungen sei, nun bis auf weiteres keinen Kindesvater, bei dem er sich das Geld zurückholen könne. „Aber Gerichtsverfahren bieten keinen Raum für experimentelle Grundlagenforschung“, sagte Wettich.

Anders als in erster Instanz das Amtsgericht entschieden die Richter in Celle, dass weder Zeugenaussagen noch wissenschaftliche Untersuchungen ausreichende Klarheit bringen würden. Fünf Gutachten hätten festgestellt, dass kein erprobtes Verfahren zur Feststellung der Vaterschaft bei eineiigen Zwillingen existiere. Auch deshalb hätten die Brüder die Abgabe einer Spermaprobe verweigern können.

Der sogenannte Zwillingsfall beschäftigt die Gerichte seit Jahren. Zunächst war der Landkreis Hameln-Pyrmont vor dem Oberlandesgericht gescheitert, doch hob das Bundesverfassungsgericht das Urteil im September 2010 auf. Jeder Mensch habe das Recht, Kenntnis über seine Abstammung zu erlangen, entschieden die Richter in Karlsruhe.

Quelle: F.A.Z./dpa

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Urteil Sonderzahlungen beim Mindestlohn anrechenbar

Dürfen Arbeitgeber Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld auf den Mindestlohn anrechnen? Ja, sagen die Richter des Bundesarbeitsgerichts, aber nicht immer. Mehr Von Hendrik Wieduwilt, Berlin

25.05.2016, 14:33 Uhr | Wirtschaft
Indien Frau wird mit 70 Jahren zum ersten Mal Mutter

Eine 70 Jahre alte Inderin ist zum ersten Mal Mutter geworden. Mithilfe künstlicher Befruchtung gebar Daljinder Kaur Mitte April einen Sohn. Sie fühle sich nicht zu alt dafür, sagte sie in einem Interview. 2008 hatte in Indien bereits eine 72 Jahre alte Frau nach künstlicher Befruchtung Zwillinge zur Welt gebracht. Mehr

12.05.2016, 16:53 Uhr | Gesellschaft
Lebenslange Haft Vater quält, missbraucht und erschlägt Säugling

Ein Vater misshandelt seinen neu geborenen Sohn, ermordet ihn schließlich. Er muss lebenslang in Haft – seine Frau bekommt wegen Unterlassens nur eine Bewährungsstrafe. Mehr

31.05.2016, 10:42 Uhr | Gesellschaft
Ein Besuch in Bad Pyrmont Wir wollen die Happy Oldies!

Die deutschen Kurorte stehen vor einer Herausforderung: Wie lockt man Gäste an, wenn kaum noch Kuren bewilligt werden? Im niedersächsischen Bad Pyrmont setzt man auf betriebliches Gesundheitsmanagement und einen Kurdirektor, der das Staatsbad wie eine moderne Firma führt. Mehr

25.05.2016, 16:49 Uhr | Gesellschaft
Gerichtsurteil Frau mit Stöckelschuhen selbst schuld an Stolper-Unfall

Eine Frau bleibt bei einem Theaterbesuch mit ihrem Absatz hängen und bricht sich den Fuß. Monatelang kann sie weder arbeiten noch Sport treiben. Sie klagt – und verliert. Mehr

25.05.2016, 12:07 Uhr | Gesellschaft