Home
http://www.faz.net/-gux-76cj2
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Urteil Bei eineiigen Zwillingen kein Vaterschaftstest

Justiz und Medizin stoßen an ihre Grenzen: Vergeblich hat ein Junge mit einer Klage vor dem Oberlandesgericht Celle versucht herauszufinden, wer sein Vater ist. Das sei nicht möglich, urteilte das Gericht nun, weil die Mutter eine Affäre mit Zwillingsbrüdern hatte.

Das Oberlandesgericht Celle hat befunden, bei eineiigen Zwillingen sei eine Vaterschaft nach jetzigem Stand der Wissenschaft nicht mit einem genetischen Abstammungsgutachten zu klären; hier stoße die Medizin und mit ihr auch die Justiz an Grenzen. Daher sei, so das Urteil (Aktenzeichen: 15 UF 51/06) des Zivilsenates, weder dem Beklagten noch seinem Zwillingsbruder eine Spermaprobe oder ein DNA-Abgabe zuzumuten.

Beide Zwillingsbrüder hatten nach glaubwürdigen Zeugenaussagen in der gesetzlichen Empfängniszeit mit der Mutter des 14 Jahre alten Klägers aus dem Landkreis Hameln verkehrt.

„Ich bedauere die Situation des Klägers“, sagte OLG-Sprecher Götz Wettich. „Für ihn ist die Entscheidung im Ergebnis sicher unbefriedigend.“ Mit der Entscheidung habe auch der Landkreis Hameln-Pyrmont, der für die Eltern mit sehr aufwendigen Sozialleistungen eingesprungen sei, nun bis auf weiteres keinen Kindesvater, bei dem er sich das Geld zurückholen könne. „Aber Gerichtsverfahren bieten keinen Raum für experimentelle Grundlagenforschung“, sagte Wettich.

Anders als in erster Instanz das Amtsgericht entschieden die Richter in Celle, dass weder Zeugenaussagen noch wissenschaftliche Untersuchungen ausreichende Klarheit bringen würden. Fünf Gutachten hätten festgestellt, dass kein erprobtes Verfahren zur Feststellung der Vaterschaft bei eineiigen Zwillingen existiere. Auch deshalb hätten die Brüder die Abgabe einer Spermaprobe verweigern können.

Der sogenannte Zwillingsfall beschäftigt die Gerichte seit Jahren. Zunächst war der Landkreis Hameln-Pyrmont vor dem Oberlandesgericht gescheitert, doch hob das Bundesverfassungsgericht das Urteil im September 2010 auf. Jeder Mensch habe das Recht, Kenntnis über seine Abstammung zu erlangen, entschieden die Richter in Karlsruhe.

Quelle: F.A.Z./dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Andreas Tilp Der Fachmann für Massenklagen

Porsche, HRE und die Deutsche Telekom: Der schwäbische Rechtsanwalt Tilp hat sie alle verklagt. Vor allem zieht er gegen Banken zu Felde – im Interesse der Kunden. Mehr Von Joachim Jahn

13.12.2014, 10:41 Uhr | Wirtschaft
Drei Jahren und neun Monate Deutscher IS-Kämpfer zu Haftstrafe verurteilt

Das Frankfurter Oberlandesgericht hat einen Kämpfer der Extremistenmiliz Islamischer Staat wegen der Beteiligung am syrischen Bürgerkrieg zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Die Richter blieben damit nur knapp unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Mehr

05.12.2014, 15:19 Uhr | Politik
Leihmutterschaft Schwules Paar kann von Leihmutter geborenes Kind anerkennen lassen

Zwei Lebenspartner haben in Amerika ein Kind von einer Leihmutter austragen lassen. In Deutschland ist das verboten. Trotzdem dürfen die beiden sich jetzt als Eltern des Kindes anerkennen lassen. Mehr Von Helene Bubrowski, Frankfurt

19.12.2014, 14:54 Uhr | Politik
Monaco Endlich Nachwuchs im Hause Grimaldi

Der lang ersehnte Nachwuchs im monegassischen Kleinstaat ist da. Fürstin Charlène ist Mutter eines Mädchens und eines Jungen geworden. Die Zwillinge sollen Gabriella und Jacques heißen. Mehr

10.12.2014, 21:15 Uhr | Aktuell
Fehler in Börsenprospekt 17.000 Telekom-Aktionäre dürfen hoffen

Im Prozess um den dritten Börsengang der Deutschen Telekom im Jahr 2000 hat der Bundesgerichtshof einen schwerwiegenden Fehler im Verkaufsprospekt entdeckt. Der Prozess muss neu aufgerollt werden. Mehr Von Joachim Jahn

11.12.2014, 10:25 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 06.02.2013, 16:41 Uhr