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Ungeliebt, frustriert, gelangweilt Mädchen schließen Schwangerschaftspakt

20.06.2008 ·  Wahrscheinlich haben sie es sich schön vorgestellt: Plötzlich jemanden zu haben, der sie bedingungslos lieben und von ihrer Langeweile erlösen würde. Also schlossen siebzehn Minderjährige Mädchen einen obskuren Schwangerschaftspakt.

Von Katrin Hummel
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Wahrscheinlich haben sie es sich schön vorgestellt. Da wäre plötzlich jemand, der sie bedingungslos lieben würde. Der sie brauchen würde und immer bei ihnen wäre. So zumindest erklärt es sich Amanda Ireland, eine 18 Jahre alte ehemalige Mitschülerin, die eben so fassungslos ist wie die Eltern, die Lehrer und der gesamte Ort: Im amerikanischen Gloucester, einer 30.000 Einwohner-Stadt knapp fünfzig Kilometer nördlich von Boston, haben Dutzende junge Mädchen sich verabredet, gleichzeitig schwanger zu werden und die Kinder gemeinsam aufzuziehen - siebzehn von ihnen haben ihren Plan nun in die Tat umgesetzt. Die Zahl der Geburten and der Schule wird sich dadurch im Vergleich zum Vorjahr vervierfachen. Das berichtet das „Time-Magazin“. Keines der Mädchen ist nach Angaben des Schulleiters Joseph Sullivan älter als sechzehn Jahre, die Väter hingegen sind der Zeitung „Boston Globe“ zufolge in den Zwanzigern und scheinen beliebig ausgesucht worden zu sein - einer von ihnen ist zum Beispiel ein 24jähriger Obdachloser.

„Als ich schwanger war, sind sie in der Pause immer zu mir gekommen und haben gesagt, wie glücklich ich sein könne, ein Baby zu erwarten, das mich bedingungslos lieben würde“, erinnert sich Ireland, „ich habe ihnen dann erklärt, dass es schwer ist, sich geliebt zu fühlen, wenn jemand um drei Uhr nachts schreit, weil er Hunger hat.“ Generell ist das Klima an der örtlichen High-School aber sehr kinderfreundlich: Es gibt eine Krippe für die Kinder der Schülerinnen, Kinderwagen stehen überall in den Fluren herum, und die Leiterin der Krippe sagte dem „Time Magazin“: „Wir sind stolz darauf, dass wir den Müttern ermöglichen können, weiterhin zur Schule zu gehen.“

Freude über positive Schwangerschaftstests

Zumindest im Gesundheitszentrum der High School mit ihren 1200 Schülern hatte eine Krankenschwester schon im Mai bemerkt, dass Seltsames vor sich ging: „Einige Mädchen waren über negative Schwangerschaftstests enttäuscht, andere freuten sich über einen positiven Test.“ Das Zentrum sei angesichts dieser Entwicklung dazu übergegangen, Schülerinnen auch ohne Einwilligung der Eltern die Pille zu verschreiben. Begründet wurde dies von dem Leiter der Einrichtung, dem Kinderarzt Brian Orr, damit, dass die nächste Gesundheitseinrichtung, in der Jugendliche ohne Zustimmung der Eltern an Verhütungsmittel gelangen könnten, 30 Kilometer entfernt liege, berichtet die Zeitung weiter. Die Freizügigkeit Orrs wurde allerdings von der Bürgermeisterin des streng katholischen Ortes, Carolyn Kirk, heftig kritisiert, so dass Orr und eine Krankenschwester inzwischen gekündigt haben.

Die Ursachen für die Schwangerschaften, so vermutet Kirk in der „New York Times“, seien indes nicht dem Mangel an Verhütungsmitteln geschuldet: „Wir machen wirtschaftlich schwere Zeitebn durch. Überall müssen wir kürzen: Bei staatlichen Hilfsangabeoten, bei Programmen für Schulabgänger, selbst bei der Sexualerziehung - und all das wirkt sich auf das soziale Klima aus. Wir lassen diese Kinder wirklich allein.“ Auch der soziale Hintergrund der Mädchen spiele bei dem Pakt eine Rolle: Von einem Baby erhofften sie sich, dass es die Leere in ihrem Leben ausfülle.

Ein Ende des Babybooms ist in Gloucester noch nicht in Sicht: Immer noch kommen fast jeden Tag Mädchen ins Gesundheitszentrum und fragen nach Schwangerschaftstests. Schulleiter Joseph Sullivan überlegt daher jetzt, ob man nicht vielleicht doch Verhütungsmittel verteilen sollte - auch ohne Zustimmung der Eltern.

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Jahrgang 1968, Redakteurin im Ressort „Gesellschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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